Umschlag leicht im Minus Hafentag in Papenburg: Wirtschaft will mehr Geld

Von Gerd Schade

Die maritime Wirtschaft
               fordert jährlich 20 Millionen Euro zusätzlich vom Land. Das Foto zeigt die Emspassage eines Kreuzfahrtschiffes der Papenburger Meyer Werft. Foto: dpaDie maritime Wirtschaft fordert jährlich 20 Millionen Euro zusätzlich vom Land. Das Foto zeigt die Emspassage eines Kreuzfahrtschiffes der Papenburger Meyer Werft. Foto: dpa

Papenburg. Nicht nur der Jade-Weser-Port und die marode Seeschleuse in Papenburg sind Sorgenkinder. Die gesamte niedersächsische Hafenwirtschaft ist zurzeit nur bedingt zukunftsfähig aufgestellt.

Diese Erkenntnis hat der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Seehäfen, Andreas Schmidt, am Mittwoch beim 24. Niedersächsischen Hafentag in Papenburg vertreten. Bei der Entwicklung des Gesamtumschlags herrscht trotz eines zuletzt leichten Rückgangs hingegen Optimismus.

„Wenn wir jetzt nicht die Weichen für die maritime Infrastruktur der Zukunft in Niedersachsen stellen, werden die Warenströme umgelenkt“, sagte Schmidt in einem Pressegespräch nach dem offiziellen Teil des Hafentages, zu dem mehr als 300 Vertreter der maritimen Wirtschaft erschienen waren. Von einer solchen Entwicklung würden vor allem die großen Häfen in Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam profitieren. Die Folge: Arbeitsplätze in der Region wären gefährdet und der Wohlstand der Menschen in Norddeutschland leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Schmidt hält deshalb die vom Land Niedersachsen angekündigten Investitionen in Höhe von 124 Millionen Euro bis 2017 für nicht ausreichend. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte in seiner Festrede hervorgehoben, dass nach der gegenwärtigen Seeverkehrsprognose der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 im Bereich der Nordseehäfen mit einer Steigerung des Umschlagaufkommens von bis zu 80 Prozent zu rechnen sei. Im ersten Halbjahr kommt die Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, ein Zusammenschluss von neun Seehäfen im Land, auf ein Gesamtumschlagsergebnis von rund 23 Millionen. Das sind 2 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Und doch geht Seaports-Geschäftsführerin Inke Onnen-Lübben davon aus, zum Jahresende ein ausgeglichenes Ergebnis auf Vorjahresniveau zu erreichen.

Schmidt zufolge sind allerdings schon jetzt fehlende Umschlags- und Lagerkapazitäten in den Häfen absehbar. Er prophezeite zudem Kapazitätsengpässe an den seewärtigen Zufahrten sowie bei der Hinterlandanbindung. Der Hafensprecher forderte deshalb eine Erhöhung der Landesinvestitionen um jährlich mindestens 20 Millionen Euro für bereits vorhandene Projekte.Auch Onnen-Lübben meldete weiteren Investitionsbedarf in Hafeninfrastruktur und -hinterlandanbindung an. „Nur so können wir den steigenden Kundenanfragen weiter gerecht bleiben und die Häfen in Niedersachsen wettbewerbsfähig halten.“

Lies betonte, dass Niedersachsen seine Hafenpolitik derzeit neu ausrichte. Ziel soll ungeachtet des Wettbewerbs der Häfen untereinander ein gemeinsames Auftreten der norddeutschen Häfen im Verbund sein. „Wir müssen das Bewusstsein für den Standort Norddeutschland und die europäische Konkurrenz schärfen“, so Lies. Dem „Hafen Niedersachsen“ als Ganzes bescheinigte er eine glänzende Perspektive – auch wenn beispielsweise die bisherigen Umschlagszahlen im Jade-Weser-Port ernüchternd seien. Es werde aber hart an einer Verbesserung gearbeitet, denn: „Von einem Erfolg des Jade-Weser-Ports profitieren alle anderen Häfen“, sagte Lies.

Keine vorschnelle Entscheidung seitens des Landes wird es nach den Worten des Ministers beim geplanten Neubau der Papenburger Seeschleuse geben. Angesichts von Projekten dieser Größenordnung – das Investitionsvolumen umfasst nach derzeitiger Kalkulation 72 Millionen Euro – seien exakte Prüfungen notwendig. „Am Ende helfen keine Versprechungen, sondern nur Aussagen, die auch durch den Haushalt abgesichert sind“, sagte Lies. Dies könne frühestens ab 2016 der Fall sein. Der Minister betonte, dass man aus den Erfahrungen beim Ausbau der der Nesserlander Schleuse in Emden gelernt habe. Sie sei mit 120 Millionen Euro letztlich dreimal so teuer geworden als ursprünglich geplant. Zum Hafenwirtschaftsstandort Papenburg allgemein und besonders zur Meyer Werft gab der Minister ein klares Bekenntnis ab.

Papenburgs Bürgermeister Bechtluft (CDU) zeigte sich erfreut, dass der „gute Gesprächsfaden“ mit dem Land wieder aufgegriffen worden sei, nachdem es zuletzt Irritationen um die mögliche Höhe einer Mitfinanzierung durch das Land gegeben hatte. „Die Stadt Papenburg und der Landkreis Emsland haben bereits eindeutige Finanzierungszusagen für den Schleusenneubau gemacht“, betonte Bechtluft. Jetzt ginge es noch darum, welchen Beitrag das Land leisten könne und wolle. Ohne ein klares Bekenntnis aus Hannover zum Standort Papenburg sei das Projekt nicht zu stemmen.