Streit um Baukosten Schützen im Kreis Aschendorf verlassen Landesverband

Von Gerd Schade

Für den Schießsportverband Weser-Ems machen sich (von links) Karl-Heinz Eilers, Mechthild Eilers, Dirk Wegmann, Heinz Thieke und Erwin Köttker stark. Zum Vorstand des Schützenkreises Aschendorf gehören außerdem Folmer Schulte, Ralf Wübbold, Jens Liesen, Johannes Assies, Ingo Hunfeld, Martin Kreißel und Katharina Kleemann. Foto: Gerd SchadeFür den Schießsportverband Weser-Ems machen sich (von links) Karl-Heinz Eilers, Mechthild Eilers, Dirk Wegmann, Heinz Thieke und Erwin Köttker stark. Zum Vorstand des Schützenkreises Aschendorf gehören außerdem Folmer Schulte, Ralf Wübbold, Jens Liesen, Johannes Assies, Ingo Hunfeld, Martin Kreißel und Katharina Kleemann. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Mehr als 1300 aktive Schützen entlang der Emsschiene im nördlichen Emsland kehren ihrem bisherigen Landesverband den Rücken. Anlass für die Austrittswelle ist ein Streit um steigende Kosten für den Bau eines Landesleistungszentrums in Bassum (Landkreis Diepholz), an denen sich auch die Schützen finanziell stärker als bisher beteiligen sollen. Der Kreisschützenverband Altkreis-Hümmling hält dem Landesverband hingegen dennoch vorerst die Treue.

Was ist passiert? 20 Vereine aus dem Altkreis Aschendorf haben den Schützenkreis Aschendorf als Verein ins Leben gerufen. Er löst als Institution den Kreisschützenverband Aschendorf ab, der über den Schützenbund Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (Bezirk) dem Nordwestdeutschen Schützenbund (Land) angeschlossen war.

Künftig veranstaltet also der Schützenkreis im Altkreis Aschendorf Rundenwettkämpfe und Meisterschaften. „Für den einzelnen Schützen ändert sich nichts“, verspricht Schützenkreis-Vorsitzender Dirk Wegmann.

Worum geht es in dem Streit? Ums Geld, genauer gesagt um die Mehrkosten für das Landesleistungszentrum, dessen Bau 2009 auf einem Delegiertentag des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB) „mit großer Mehrheit“ (NWDSB-Geschäftsführer Andreas Viebrock), aber „ohne basisdemokratische Grundlage und gegen die Stimmen der emsländischen Vereine“ (Wegmann) beschlossen wurde. Die Viebrock zufolge ursprünglich mit rund 3,5 Millionen Euro veranschlagten Baukosten sind nach seinen Worten auf etwa 3,8 Millionen Euro gestiegen. Auch die aktuelle Finanzierungslücke zur Deckung der Restkosten ist größer als vom Landesverband angenommen, wie Viebrock einräumt. Demnach beträgt sie nicht 620.000, sondern 898.000 Euro. Weil der NWDSB derzeit keinen weiteren Bankenkredit bekomme, habe sich der Verband einen Baustopp auferlegt, so der Geschäftsführer.

Unabhängig davon sollte jeder über den Verband angeschlossene Schütze über einen Zeitraum von 20 Jahren (bis 2029) jährlich mit einem Zusatzbeitrag von 1,50 Euro zur Gesamtfinanzierung des Projektes herangezogen werden. Das macht 30 Euro pro Mitglied in 20 Jahren. Das würde bei einer gleichbleibenden Mitgliederzahl wie der aktuellen (rund 129.000) Einnahmen in Höhe von 3,87 Millionen Euro für den NWDSB bedeuten.

Wie Viebrock erläutert, ist – um als Verband liquide zu bleiben – zurzeit dennoch im Gespräch, den Sonderbeitrag pro Mitglied und Jahr für drei Jahre von 1,50 auf 3 Euro zu erhöhen. Ein Delegiertentag Ende Oktober soll darüber entscheiden, wie es weitergeht. Die Mehrkosten für Bau begründet der NWDSB-Geschäftsführer unter anderem mit erheblich höheren Brandschutzauflagen als erwartet und der Tatsache, dass es sich bei dem Projekt um den Umbau einer Alt-Immobilie handelt, bei dem sich die Kosten grundsätzlich nicht exakt kalkulieren ließen.

Was sagt der Schützenkreis Aschendorf dazu? Er will seine Vereine nach eigenem Bekunden finanziell entlasten. Für den Vorstand steht bereits fest, dass der Verbandsbeitrag 2015 erneut angehoben wird und eine Sonderzahlung gefordert werden muss, obwohl die Fertigstellung eines „unwirtschaftlichen“ Landesleistungszentrums (LLZ) nicht geklärt sei. Überdies taxiert die Führungsriege die gestiegenen Gesamtkosten nach ihrem Kenntnisstand gar auf mehr als vier Millionen Euro und stellt grundsätzlich infrage, „warum Niedersachsen zwei Leistungszentren mit hauptamtlichen Trainern braucht“. Das zweite LLZ befindet sich in Hannover. Wegmann und seine Mitstreiter werfen dem NWDSB fehlende Transparenz, Salamitaktik und fehlende Kostenkontrolle vor.

Hat der Landesverband Fehler gemacht? Ja. „Das geben wir unumwunden zu – auch, was die Kommunikation angeht“, räumt Viebrock ein. Er bedauert den Austritt der Vereine, hat dafür aber kein Verständnis. „Gemeinnütziger Sport funktioniert nur als Solidargemeinschaft“, sagt der Geschäftsführer.

Haben weitere Schützen den Verband wegen des Kostenstreits verlassen? Ja. 2013 trat der Schützenkreis Iburg aus und schloss sich mit seinen rund 3000 Mitgliedern einem Verband in Nordrhein-Westfalen an. Ob in diesem Jahr weitere Verbände ausgetreten sind, konnte Viebrock auf Nachfrage unserer Zeitung nicht sagen. Der Schützenkreis Aschendorf befürchtet, dass bei weiteren Austritten die Beitragszahlungen für die verbleibenden Mitglieder steigen. Wegmann: „Den Letzten beißen die Hunde.“

Wie reagiert der Kreisschützenverband Altkreis-Hümmling? Abwartend. „Wir werden die Entwicklung weiterverfolgen. Mal sehen, was dann passiert“, sagt Verbandspräsident Bernhard Tholen aus Rastdorf. Seinem Verband gehören rund 1000 Schützen an. Tholen hält die aktuelle Entwicklung für unglücklich. „Sie schadet dem Schützenwesen“, sagt er.

Wie geht es weiter? Zusammen mit weiteren Schützenvereinen in West-Niedersachsen will der Schützenkreis Aschendorf den Schießsportverband Weser-Ems gründen und strebt dessen offizielle Anerkennung an. „Das ist notwendig, weil das Schießen außerhalb anerkannter Schießsportverbände nicht mehr ohne Weiteres legal ist“, erklärt Wegmann. Er verweist in diesem Zusammenhang auf das geltende Waffenrecht und die im Jahr 2012 in Kraft getretene Verwaltungsvorschrift für Waffengesetz und Ordnung.

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