Beim Aufräumen auf dem Dachboden Papenburgerin findet Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg

Von Gerd Schade


Papenburg. Beim Aufräumen auf dem Dachboden hat Bernhardine Freemann Dutzende von Postkarten ihres Großvaters Engelbert Janzen entdeckt. Ein Großteil der Karten des gebürtigen Rheders ist Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg, den Janzen überlebt hat.

Über den Krieg erzählt hat er seiner Enkelin aber nicht viel. „Ich weiß, dass er verwundet wurde“, sagt Freemann und erinnert sich an Gespräche über einen Granatsplitter im Rücken. Und doch habe ihr Großvater Glück gehabt, weil er nicht durchweg an vorderster Front kämpfen musste. Engelbert Janzen arbeitete nach dem Krieg zunächst beim Telegrafenamt und später bei der Post. „Er war Postschaffner“, berichtet Freemann. Die 78-Jährige wohnt in Papenburg. Sie vermutet, dass ihr Großvater über das Militär zum Telegrafenamt gekommen ist.

Die Feldpostkarten, die vornehmlich an seine Frau Thekla adressiert sind, verraten zwangsläufig wenig über Janzens Kriegserlebnisse. Die Karten wurden zumindest stichprobenartig zensiert und durften auch deswegen keine relevanten Infos enthalten, falls sie vom Kriegsgegner abgefangen wurden. Vor allem waren die Schreiben ein Lebenszeichen an die Lieben in der Heimat – frei nach dem Motto: „Wer schreibt, lebt.“

Anhand von Janzens Karten lässt sich aber auch sein Weg in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 nachzeichnen. Am 9. September 1914 teilt er seiner Familie in Rhede mit, „dass wir in Belgien angekommen sind“. Schon knapp eine Woche später schreibt Janzen aus Brüssel von einer leichten Verwundung, die er erlitten habe. Trotzdem sei er „gut zufrieden“. In der nächsten Karte berichtet Freemanns Großvater: „Wir kommen gleich ins Gefecht, ich bin leicht verwundet, werde aber wohl bald wieder draufgehn.“

Verwundet ins Lazarett

Aus Janzens Feldpostkarte vom 4. November 1914, abgeschickt aus dem Lazarett im Gelsenkirchener Stadtteil Rotthausen, geht hervor, dass die Wunde des Absenders „gut am Heilen“ sei. „Steif ist nichts.“ Überdies waren er und seine Kameraden offenbar gut versorgt. „Wir haben hier ein schönes Leben, Liebesgaben genug. Tabak, Zigarren, Kuchen und alles.“ Seine Familie brauche nichts mehr zu schicken.

Im Dezember 1915 ist Engelbert Janzen Teil des Truppenlagers Jablonna nahe der polnischen Hauptstadt Warschau. Dort erlebte der Rheder „das erste Weihnachten in Feindesland“. Wenn man dann an zu Hause denke, werde einem doch etwas wunderlich zumute. Janzen berichtet davon, dass die Soldaten einen schönen Christbaum und auch Rum, Zigarren und Zigaretten gehabt hätten.

Anfang 1916 bittet er seine Frau, sich keine Sorgen zu machen. „Wir halten es schon aus, solange es nicht nach Pulver riecht.“ In einer der nächsten Karten teilt Janzen mit, dass er ein Paket mit Butter aus der Heimat erhalten habe. „Zigarren und etwas Fleisch habe ich noch.“

Später verleiht Janzen mehrfach seiner Hoffnung auf Urlaub Ausdruck. Aus der Feldpost ab 1917 geht hervor, dass der Rheder in eine Fernsprechabteilung versetzt wurde, die in Verden stationiert ist. Im Folgenden war Janzen Teil eines Bauzuges, der in Baden-Württemberg arbeitete.

Bernhardine Freemann ist froh, dass sie nach so langer Zeit Neues über ihren Großvater erfahren hat. Sie dankt insbesondere Magdalene Vinke aus Rhede, die ihr die in Deutscher Schrift verfassten Worte von Engelbert Janzen freundlicherweise übersetzt hat.