Kein Zusammenhang mit Nuss Der heilige Dionysius stand Pate beim Namen Nüsse

Von Winfried Breidbach

Die Nuss hat mit der Entstehung des Namens nichts zu tun. Foto: Hildgeard Wekenborg-PlackeDie Nuss hat mit der Entstehung des Namens nichts zu tun. Foto: Hildgeard Wekenborg-Placke

Papenburg. Unsere Leserin Maren Nüsse aus Haren fragt sich, woher denn ihr Familienname kommt. Mit etwa 1250 Namensträgern ist Nüsse ein recht häufiger Nachname, der insbesondere in den beiden Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verbreitet ist. In den benachbarten Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim sind die stärksten Nester des Familiennamens festzustellen.

Bei 90 Prozent der Familien wird der Name Nüsse geschrieben, bei den übrigen erscheint die Schreibweise Nüße. Als Namenvarianten finden sich Nühse (mit -hs- statt -ss- aufgrund eines häufig auftretenden Lesefehlers der altdeutschen Schreibschrift) und Nüse.

In den Niederlanden gibt es die angeführten Namensformen nicht. Der Familienname Nusse wird im Nachbarland wie deutsch Nüsse ausgesprochen, es ist daher anzunehmen, dass zwischen dem niederländischen Namen Nusse und deutsch Nüsse ein Zusammenhang besteht. Für diese Annahme spricht auch das Namenzentrum von Nusse in der Gemeinde Emmen, die an das Emsland und die Grafschaft angrenzt.

Die Bezeichnung der Baumfrucht „Nuss“ (vor der Rechtschreibreform Nuß geschrieben) „Hasel-, Walnuss“ kann nicht mit dem Namen zusammenhängen. „Nüsse“ sieht zwar aus wie die Mehrzahl dieses Wortes, aber Pluralformen als Familiennamen gibt es im Deutschen nicht. Im plattdeutschen und niederländischen Gebiet heißt die Nuss auch völlig anders, hier gelten Wortformen wie Nuet, Nötte, Näöte, Nöt, Nät, Noot usw.

Der Familienname Nüsse/Nüße kann eindeutig erklärt werden: Es handelt sich um einen von zahlreichen Namen, die vom Heiligen- und Taufnamen Dionysius ausgegangen sind. Zugrunde liegt der griechische Rufname Dionysios „der dem Gotte Dionysos Geweihte“.

Die von Dionysius ausgehenden Namensformen sind in zwei große Gruppen einzuteilen. Zur ersten Gruppe gehören die Namen mit erhaltenem Anlaut wie etwa Dionys, Dinnies, Dynges, Dynnes, Dinjes, Dins, Dienes, Düniß, Dünges und viele andere. Bei der zweiten Gruppe wurden die ersten beiden Silben des ursprünglich fünfsilbigen Namens weggelassen, so entstanden zum Beispiel Nysius, Nyse, Nys, Niße, Nies(e), Nisse, Nüß/Nüss, Nüs, Nüse, Nüsse.

Bezug zum Vater

Das Nebeneinander der Vokale -i- und -ü- erklärt sich daraus, dass der aus dem Griechischen stammende Buchstabe -y- teils als -i-, teils als -ü- gesprochen wurde. Der erste Träger des Beinamens Nüsse wurde damit als „Sohn von Nüsse“ benannt, Nüsse bezog sich auf den Rufnamen des Vaters.

In der Region um Hamburg kann der Name Nüsse vielleicht auch mit dem Ort Nüssau östlich von Schwarzenbek zusammenhängen.


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