Appell an die Bauern Jäger im Emsland kämpfen gegen den Mähtod

In Altgrasstreifen wie diesem können Wildtiere laut Thomas Schomaker Schutz vor Mähmaschinen und biologischen Feinden finden. Landwirte sollten deshalb beim Mähen versuchen, sie stehen zu lassen. Foto: Anika BörriesIn Altgrasstreifen wie diesem können Wildtiere laut Thomas Schomaker Schutz vor Mähmaschinen und biologischen Feinden finden. Landwirte sollten deshalb beim Mähen versuchen, sie stehen zu lassen. Foto: Anika Börries

Werlte. Jährlich fallen im nördlichen Emsland unzählige Wildtiere Erntemaschinen zum Opfer. Ein Tod, der nach Auffassung der Mitglieder des Biotop-Fonds der Jägerschaften Emsland/Grafschaft Bentheim oftmals verhindert werden könnte. Der Verein setzt auf ein Miteinander von Jägern und Landwirten.

„Die effektivste Maßnahme, um Mähtod zu verhindern, ist das Mähen von innen nach außen“, erklärt Thomas Schomaker im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist Vorsitzender des Biotop-Fonds – ein Zusammenschluss der vier Jägerschaften Aschendorf-Hümmling, Meppen, Lingen und Grafschaft Bentheim. Mähe ein Landwirt von der Feldmitte an, könne das für die Tiere Rettung in letzter Minute bedeuten. Über eine frisch gemähte Fläche flüchte es hingegen nur selten.

Gefahr besteht laut Schomaker nicht nur für Wildtiere wie Fasane, Rebhühner, Brachvögel und Rehe, sondern auch für die Kühe und Pferde im heimischen Stall. Fänden Stücke eines totgemähten Tieres ihren Weg in die Silos, könnten sie dieses mit Leichengiften verseuchen. Das steigert das Botulismus-Risiko – eine meist lebensbedrohliche Vergiftung der Stalltiere. Sie könne bei offenen Wunden sogar für den Menschen zur Gefahr werden, so Schomaker.

Häufig sind es Rehkitze, die den Erntemaschinen zum Opfer fallen, wie die Geschäftsführerin des Vereins, Anika Börries, beschreibt. Sie könnten in den ersten 10 Tagen kaum laufen und drückten sich bei Gefahr platt auf den Boden – bei einer nahenden Maschine der sichere Tod. Nachts seien jedoch auch ausgewachsene Tiere in besonderer Gefahr, erklärt sie und weist auf eine tödliche Kettenreaktion hin: „Wenn ein Reh in den Lichtkegel der Erntemaschine guckt, bleibt es auf der Stelle stehen.“ Börries und Schomaker appellieren deshalb an Landwirte und Lohnunternehmer, nachts die Maschinen ruhen zu lassen. „Dass das betriebswirtschaftlich schwierig ist, ist uns klar“, sagt Schomaker. Ließe sich kein anderer Mahdtermin finden, könne aber auch schon langsameres Mähen bei größerer Schnitthöhe lebensrettend wirken. Ihr Appell ist eigentlich eher ein Hinweis auf geltendes Recht. Landwirte seien laut Tierschutzgesetz zur Rettung des Wildes bei der Ernte verpflichtet, betont Börries.

Außer durch eine Anpassung ihrer Mährouten, können Landwirte auch auf andere Weise das Risiko für Reh und Uferschnepfe minimieren: Maximal 24 Stunden vor der Mahd könne mit trainierten Jagdhunden das Wild aus dem Feld verscheucht werden, so Schomaker. Auch sogenannte Knistertüten – also Plastiktüten an Holzstöcken – seien wirksame Mittel. „Wir setzen auf die Ehrlichkeit der Landwirte. Wenn sie überfordert sind, können sie sich aber gerne an uns wenden,“ bietet er die Hilfe der Jäger an. Zu den moderneren Hilfsmitteln gehören elektronische Wildtiervergrämer. Sie werden an den Maschinen angebracht und senden hochfrequente Signale, die die Tiere während der Mahd verscheuchen. Der Biotop-Fonds hat zuletzt 50 dieser Geräte angeschafft und Lohnunternehmern und Landwirten überlassen.

Ihre Motivation sei es, so betonen Börries und Schomaker, „vermeidbares Leid von Tieren abzuhalten“. Doch als Jäger verfolgen sie naturgemäß noch andere Interessen: Sie wollen die Tiere auch gerne selbst erlegen und zubereiten.


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