Bauernsohn erschoss unzählige Soldaten Niedersachse war die »Bestie vom Omaha Beach«

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Papenburg. Jahrzehntelang trug der Niedersachse Heinrich Severloh ein grausames Geheimnis in sich. Der Bauernsohn aus dem Dörfchen Metzingen im Landkreis Celle bekannte kurz vor seinem Tod: „Ich bin der deutsche Soldat, der die meisten Feinde erschossen hat.“ Seine Stimme klang traurig. Der damals 20-jährige Gefreite war am 6. Juni 1944 Maschinengewehr-Schütze an einem Strandabschnitt in der Normandie. Es war der Tag, als die Alliierten den Großangriff starteten, um Europa vom Nazi-Regime zu befreien.

Der Gefreite Severloh schoss auf die Landungsboote, voll besetzt mit amerikanischen Soldaten. Stundenlang. Bis zum Nachmittag hatte Heinrich Severloh 12000 Schuss aus seinem Maschinengewehr und weiter 400 Patronen mit zwei Karabinern verschossen. „Die oder ich“, hatte er sein blutiges Handeln in den letzten Jahren seines Lebens gerechtfertigt.

Heinrich Severloh ging davon aus, dass er an diesem Tag 2000 amerikanische Soldaten erschossen hat. Diese Zahl wird von einigen Militärhistorikern angezweifelt und ist kaum nachprüfbar. Unbestritten ist allerdings, dass mehrere Tausend Soldaten am Strandabschnitt von Severloh, dem Omaha Beach, zu Tode kamen. Als gesichert gilt auch, dass der Bauernsohn aus Niedersachsen noch mehrere Stunden schoss, als das übrige Mündungsfeuer der deutschen Abwehr bereits verstummt war. In Amerika wurde der Niedersachse deshalb „die Bestie vom Omaha Beach“ genannt.

Mit seiner Frau Elisabeth und seinen Kindern sprach Severloh bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2006 nie über das Erlebte. Erst wenige Jahre vor dem Ende seines Lebens versuchte er, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

Für Sohn Hans-Heinrich, der den Bauernhof in Metzingen von seinem Vater geerbt hat, ist der Weltkriegsgefreite kein Massenmörder. „Er hatte doch keine Wahl“, ist sich der Landwirt sicher.

Die Dokumentation über Heinrich Severloh auf Youtube.


Die Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 war der Auftakt zur Befreiung Frankreichs und Westeuropas von der Nazi-Herrschaft („Operation Overlord“). Zahlen und Fakten:

DIE INVASOREN: Die größte Armada der Kriegsgeschichte bestand aus 3100 Landungsbooten mit etwa 150 000 Soldaten und schweren Waffen unter dem Schutz von 1200 Kriegsschiffen und 7500 Flugzeugen. Zur Streitmacht der Alliierten am sogenannten D-Day gehörten vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen.

DIE VERTEIDIGER: Die Deutschen hatten im betroffenen Küstenabschnitt nur etwa 50 000 Infanteristen und wenige Flugzeuge zur Verfügung. Weiter nördlich, wo das Landungsunternehmen irrtümlich erwartet wurde, war der Großteil der Divisionen des Westheeres stationiert.

DER ATLANTIKWALL: Die von Norwegen bis Südfrankreich über 2600 Kilometer reichende Kette von Festungen, Bunkern, Geschützstellungen, Strandbarrikaden und Minen sollte eine Invasion abwehren. Im D-Day-Bereich waren die Strände nur lückenhaft gesichert. Der Küstenabschnitt bei Calais, wo die Landung erwartet wurde, war weitaus besser ausgebaut.

DIE KAMPFGEBIETE: Die Allierten gingen in den Morgenstunden an fünf Küstenabschnitten mit den Decknamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword östlich von Cherbourg an Land. Erst nach sechs Tagen gelang es Hitlers Gegnern, die Brückenköpfe zu einer Front von etwa 100 Kilometern Länge zu verbinden.

DIE OPFER: Am Abend des D-Day registrierten die Alliierten Verluste von rund 12 000 Mann, darunter etwa 4400 Tote. Die Zahl der deutschen Verwundeten, Vermissten und Gefallenen wird auf 4000 bis 9000 Mann geschätzt. Im weiteren Verlauf der „Operation Overlord“ sollen bis zur Eroberung von Paris im August 200 000 Deutsche und 70 000 Verbündete ums Leben gekommen sein. In der verwüsteten Normandie starben bis zu 20 000 Zivilisten.

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