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Nach Streik deutsche Arbeitsverträge Papenburger Werftarbeiter setzen sich durch

Osteuropäische Arbeiter auf der Meyer Werft fordern deutsche Arbeitsverträge.Osteuropäische Arbeiter auf der Meyer Werft fordern deutsche Arbeitsverträge.

Papenburg. Zwei Tage lang haben 150 osteuropäische Werkvertragsarbeiter auf der Papenburger Meyer Werft gestreikt. Sie forderten deutsche Arbeitsverträge. Erst dann wollten sie an den Arbeitsplatz zurück. Nach acht Stunden Verhandlung erreichten sie am Freitagnachmittag ihr Ziel. Unter den Rumänen und Bulgaren brach Jubel aus.

Eigentlich sollte in diesem Jahr alles besser werden: Die Meyer Werft hatte Mindestlöhne und verbesserte Sozialstandards für Hunderte Werkvertragsarbeiter eingeführt, die über Subunternehmen auf dem Betriebsgelände beschäftigt sind. Das Papenburger Traditionsunternehmen setzte viele daran, deren Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Schließlich hatte eine Taskforce unter Leitung des ehemaligen niedersächsischen Justizministers Walter Remmers aufgedeckt, dass einzelne Werkvertragsarbeiter bis zu 300 Stunden pro Monat auf der Werft arbeiten.

Nach den neuen Vorgaben der Werft sind solche Arbeitszeiten jetzt nicht mehr möglich. „Die Ruhepausen werden streng überwacht“, betont Betriebsratschef Thomas Gelder. Weniger Arbeit bedeutet für die Osteuropäer auch weniger Geld, weil die Gehaltsabrechnung auf Stundenbasis erfolgt. Das hat insbesondere bei den osteuropäischen Beschäftigten des Emder Personaldienstleiters Dirks zu massiver Unzufriedenheit geführt“, so Gelder.

Zudem führte Dirks für seine Arbeiter sogenannte Zeitkonten. Das bedeutet: Überstunden werden nicht mehr ausbezahlt, sondern durch Freizeitausgleich abgegolten. Auch das hat unter den Betroffenen zu einer explosiven Stimmung geführt. „Die Familien dieser Arbeiter leben weit weg. Freizeitausgleich bedeutet für diese Männer oft nur, dass sie in ihren Unterkünften sitzen und sich langweilen“, weiß Gelder. Sprachprobleme führten zudem dazu, dass viele Arbeiter meinten, ihn würde durch das Zeitkonten-Modell ein Teil des Lohnes vorenthalten.

Hinter den Arbeitern steht ein kompliziertes Firmengeflecht. Die meisten rumänischen und bulgarischen Werftarbeiter waren bei einer rumänischen Firma beschäftigt, die einen Vertrag mit einem Personaldienstleister aus dem ostfriesischen Emden hatte. Diese wiederum lieh die Osteuropäer an die Meyer Werft aus.

So undurchsichtig wie diese Firmenstruktur ist auch die Lohnabrechnung. Welcher Teil des Geldes – von der Auszahlung durch die Werft bis zum Empfänger – bei den Subunternehmen blieb, erfuhren die Arbeiter nicht. Das soll sich jetzt ändern.

Der Personaldienstleister Dirks gab den wichtigsten Forderungen nach. In einer Mitteilung heißt es: „Als Ergebnis der Gespräche wird die Dirks Group den Mitarbeitern anbieten, weiterhin im bisherigen Arbeitsvertrag zu bleiben oder alternativ einen deutschen Arbeitsvertrag anzunehmen.“ Die Entscheidung darüber könne jeder Mitarbeiter im Rahmen von Einzelgesprächen treffen. In jedem Fall werde darüber hinaus die Forderung der Mitarbeiter erfüllt, die Arbeitszeitkonten-Regelung einzustellen. „Konkret heißt das, jede Überstunde wird in dem Monat bezahlt, in dem sie auch geleistet wurde. Im Gegenzug entfällt aber auch die Möglichkeit, ein Minuskonto zu führen, um im Schiffbau übliche Auslastungsschwankungen auszugleichen“, so Dirks.


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