Der Vorhang ist geschlossen Letzter Arbeitstag bei DTF in Aschendorf

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Das ehemalige ADO-Gardinenwerk in Aschendorf wird endgültig geschlossen.Das ehemalige ADO-Gardinenwerk in Aschendorf wird endgültig geschlossen.

Aschendorf. Freitag ist ein historischer Tag für das nördliche Emsland. Und ein trauriger. Denn es schließt mit DTF (Deutsche Textilfabrik) eine Firma, die Aschendorf mit ihren ADO-Gardinen deutschlandweit bekannt gemacht hat. Für Hunderte ist am Freitag, 28. Februar, der letzte Arbeitstag. Nur zwei Mitarbeiter haben so viel Arbeit wie noch nie.

Für Silvia Wessels ist es ein stressiger Tag. Die Betriebsratsvorsitzende des Aschendorfer Gardinenherstellers berät gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Markus Michels viele von Arbeitslosigkeit bedrohte Kollegen ihrer Firma. „Manche stehen vor dem Nichts“, weiß die Arbeitnehmervertreterin. Der Beratungsbedarf ist riesengroß: Knapp 300 DTF-Arbeiter haben Freitag ihren letzten Arbeitstag. Kundgebungen oder Gedenkveranstaltungen sind nicht geplant. Die Arbeiter nehmen einfach ihre Papiere und gehen nach Hause. Für eine Auffanggesellschaft, in der die Betroffenen weiterqualifiziert worden wären, fehlt das Geld.

Wenig Unterstützung

Viel Unterstützung haben die Betroffenen bis zu ihrem Abschied nicht bekommen. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium sieht keine Möglichkeit zu helfen. „Das ist sehr tragisch. Aber uns sind in diesem Fall die Hände gebunden“, so ein Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir können da gar nichts tun.“ Eine vor vier Wochen einberufene Pressekonferenz mit Politikern und Wirtschaftsvertretern hat außer Beileidsbekundungen bisher keine substanziellen Ergebnisse gebracht. Mit einer Ausnahme: Die Stadt Papenburg wird Betriebsratschefin Silvia Wessels und ihren Stellvertreter Markus Michels über die Volkshochschule für mindestens zwei Monate weiterbeschäftigen , bestätigte am Donnerstag die Betriebsratschefin. Die beiden Gewerkschafter sollen in dieser Zeit im bisherigen Betriebsratsbüro Anlaufstelle für die Rat suchenden Kollegen sein. Deren Zahl hat sich in dieser Woche noch mal deutlich erhöht. Denn nachdem vor zwei Tagen auch die DTF-Schwesterfirmen Marido und Heimtex das für Juni drohende Aus verkündet haben, erhöht sich die Zahl der von Arbeitslosigkeit bedrohten Aschendorfer Ex-ADO-Mitarbeiter auf 400.

Die weitläufigen ehemaligen ADO-Hallen am Stadtrand werden jetzt kaum noch genutzt. Lediglich die Torbau-Firma Jansen ist bereits vor Jahren in eine Teilfläche eingezogen. Der restliche, weitaus größere Teil steht leer. „Es gibt derzeit keine Interessenten für die Hallen“, erklärte in dieser Woche Eigentümer Andreas Wulf im Gespräch mit unserer Zeitung. In den Aschendorfer Produktionshallen, in denen zu den besten Zeiten der Firma in den 1980er-Jahren bis zu tausend Menschen arbeiteten, sind ab nächster Woche lediglich noch 20 Personen mit Restarbeiten beschäftigt.

Die betroffenen Arbeiter hoffen in ihrer schwierigen Situation auf Hilfe: In einem Schreiben hat der Betriebsrat Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) gebeten, Vertreter aus Bundes-, Landes- und Kreispolitik an einen Tisch zu holen, um möglichst schnell Hilfsmöglichkeiten zu besprechen.


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