Schausteller stellen Antrag UNESCO soll Volksfeste als Kulturgut anerkennen

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Papenburg. Den dauerhaften Erhalt auch kleiner und mittlerer Volksfeste hat sich der Deutsche Schaustellerbund (DSB) auf die Fahne geschrieben. Kirmesveranstaltungen sollen deshalb als „immaterielles Kulturgut“ von der UNESCO anerkannt werden.

Ein entsprechender Antrag bei der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur sei in Arbeit, sagte DSB-Präsident Albert Ritter am Montag beim Bundesdelegiertentag mit 400 Teilnehmern in Papenburg. Eine rund 1200 Jahre alte Tradition dürfe nicht verloren gehen.

Ritter und der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Frank Hakelberg, versprechen sich von der Initiative auch eine größere Unterstützung der Schausteller durch die politisch Verantwortlichen in Deutschland. Daran mangele es in vielen Fällen. Als Beispiel nannte Ritter die Umsetzung einer Richtlinie der Europäischen Union (EU), nach der für Fahrgeschäfte strengere Sicherheitsnormen festgelegt wurden.

Während in allen Ländern der EU gelte, dass die neuen Normen nur für neue Karussells angewandt würden, für die alten aber die bisherigen Standards maßgeblich seien, werde dies in den 16 Bundesländern nur mit Ausnahmegenehmigungen erlaubt. „Wir fordern hier eine Gleichstellung mit dem Rest der EU“, so Ritter. Es könne nicht sein, dass ein langsam drehendes Kinderkarussell mit Oldtimer-Status wegen der neuen Vorschriften stillgelegt werden müsse. „Alte Pkw mit einem H-Kennzeichen dürfen schließlich auch auf deutschen Straßen fahren“, so der Präsident.

Nicht nachvollziehbar sind aus seiner Sicht auch die Beschränkungen in Umweltzonen großer Städte. Wer mit seiner Zugmaschine dreihundert Meter von der Autobahn entfernt einen Kirmesplatz ansteuere, der in solch einer Zone liege, könne aufgrund des Alters des Lkw schon in Schwierigkeiten kommen. Ritter: „Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass wegen einer so kurzen Strecke ein Fahrzeug abgewrackt werden muss.“

Der Präsident appellierte vor allem an die Kommunen, der Schaustellerbranche, die mit ihren rund 23000 Beschäftigten auf einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro komme, nicht ständig „neue Steine in den Weg zu legen“. Um die bisherigen Umsatzzahlen zu halten, müssten gerade auch die kleineren Volksfeste erhalten bleiben.

Leider werde in den vielen Rathäusern entschieden, auf einem bisher für die Kirmes genutzten Platz lieber einen Verbrauchermarkt anzusiedeln. Dabei profitierten auch die Kommunen von den Volksfesten. Ritter: „Rund drei Euro je Besucher kommen direkt bei den Gemeinden an.“ Nach seinen Angaben werden Kirmesveranstaltungen pro Jahr von rund 148 Millionen Menschen und Weihnachtsmärkte von 85 Millionen besucht. Das zeige, wie wichtig es sei, diese Tradition zu erhalten.


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