Nach tödlichen Unfällen ATP investiert Millionen in Papenburger Strecke

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Blick von oben: Das ATP-Prüfgelände am Stadtrand ist die größte Betriebsfläche in Papenburg. Fotos: ATPBlick von oben: Das ATP-Prüfgelände am Stadtrand ist die größte Betriebsfläche in Papenburg. Fotos: ATP

Papenburg. Nach den drei tödlichen Unfällen der vergangenen Jahre auf der ATP-Teststrecke am Papenburger Stadtrand hat das Unternehmen Millionen in den Ausbau seiner Hochgeschwindigkeitsstrecke investiert. Derzeit gibt es entlang des Rundkurses noch eine Herausforderung: Vögel und Füchse.

Das ATP-Prüfgelände ist die größte Betriebsfläche der ganzen Stadt. Nahezu die gesamte Fläche Papenburgs würde in den Rundparcours passen, sagt ATP-Geschäftsführer Rainer Staron schmunzelnd.

Die Firma gehört aber auch zu den verschwiegensten. Weil insbesondere der Autobauer Daimler Neuwagen auf dem Gelände im Moor testet, wird Geheimhaltung ganz großgeschrieben. Nur wenig dringt nach außen. Dabei läuft es für das Unternehmen mit seinen 70 Mitarbeitern eigentlich sehr gut. Die Umsatzzahlen haben sich in den vergangenen Jahren stetig auf zuletzt 13 Millionen Euro pro Jahr gesteigert. „Im vergangenen Jahr hätten wir wahrscheinlich unser bestes Jahr gehabt“, berichte Staron – wenn dem Unternehmen der tödliche Unfall erspart geblieben wäre. Im Sommer war es auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zu einem schweren Unfall gekommen, bei dem ein niederländischer Testfahrer verbrannte. Es war der dritte tödliche Unfall auf dem Gelände innerhalb von drei Jahren.

Mehr Sicherheit

ATP erhöhte die Sicherheitsmaßnahmen und zog bereits geplante Umbauten vor: Die gesamte Fahrbahndecke und 12 Kilometer Leitplanke wurden erneuert und die Strecke für etwa ein halbes Jahr gesperrt. Auch die Sicherheitsregeln wurden verschärft: Es könne jederzeit festgestellt werden, wo sich jedes der rund 40 bis 50 Autos befindet, die durchschnittlich zeitgleich auf dem Gelände unterwegs sind. Der Hochgeschwindigkeitskurs ist so konzipiert, dass selbst in den Kurven Geschwindigkeiten von 250 Kilometern pro Stunde gefahren werden können. Auf der vier Kilometer langen Geraden ist sogar Tempo 400 möglich.

Mittlerweile dürfen aus Sicherheitsgründen weniger Fahrzeuge auf die Strecke. Das mindert aber auch den Umsatz. „Aber das ist uns die Sicherheit wert“, bilanziert Staron.

Die riesige Betriebsfläche mit viel Lebensraum für Wildtiere bringt Probleme mit sich: Hasen, Füchse und Vögel. Im Jahr 2012 kam es auf der Strecke zu zehn Unfällen mit Wildtieren, die plötzlich auf die Fahrbahn gelaufen waren. Wenn dabei ein Fahrzeug-Prototyp im Wert von mehreren Hunderttausend Euro beschädigt wird, „ist das sehr ärgerlich“, so Staron. Dabei beschäftigt das Unternehmen sogar einen eigenen Ökologen, um den Wildbestand auf dem Betriebsgelände in den Griff zu bekommen.

Selbst der hohe Zaun, der das Gelände umgibt, ist kein ausreichender Schutz vor Eindringlingen: „Wir haben beobachtete, dass die Füchse sogar über den Zaun klettern“, erklärt der ATP-Chef. Das größte Problem seien aber Vögel. Deren Zugang zum Gelände lässt sich nicht verhinderte. Und im Tiefflug seien sie eine echte Gefahr für die Testfahrer.

Positiv nach vorne

Nach den Problemen des vergangenen Jahres schaut ATP jetzt positiv nach vorne: Das Unternehmen plant eine neue Millionen-Investition: „Wir wollen für unsere Reifenkunden etwas machen.“ Geplant ist, dass eine 1,5 Kilometer lange bewässerte Teststrecke das Angebot erweitern. Wenn alles klappt, soll das Projekt im nächsten Jahr in Angriff genommen werden.


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