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Klaus Berends präsentiert sein Werk „Luftreserven“ in der südlichsten Stadt der Erde in Ushuaia Papenburger Künstler am Ende der Welt

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dapd Papenburg/Ushuaia. In einem Militärhangar am Ende der Welt steht ein altes Holzgestell, in dem ein aufgeblasener, teilweise verschnürter Traktor-Luftschlauch steckt. Hier in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde auf Feuerland in Argentinien, findet derzeit die „3. Biennale am Ende der Welt“ („bienal del fin del mundo“) statt. 130 internationale Künstler, die sich mit Kunst, Gesellschaft und Umwelt auseinandersetzen, präsentieren hier ihre Werke.

Die Skulptur mit dem Luftschlauch heißt „Luftreserve für einen Fischer“. Sie wurde von dem in Papenburg geborenen Künstler Klaus Berends geschaffen. Consuelo Ciscar Casabá, Kuratorin der Biennale, hat sie persönlich ausgewählt. Berends will mit dem Kunstwerk auf den Klimawandel aufmerksam machen.

Das Konzept der Luftreserven hat Berends bereits 2004 entwickelt. „Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit dem Thema Umwelt im soziokulturellen Kontext“, sagt er. Im Thema Luftreserven spiegele sich in besonderer Weise die Besorgnis um die Situation der Welt mit all ihren von Menschen verursachten Bedrohungen wider.

Mit seiner Skulptur entspricht Berends dem Motto der unter dem Titel „Willkommen im Anthropozän“ laufenden Biennale. Der Begriff Anthropozän wurde 2002 vom Nobelpreisträger für Chemie, Paul Crutzen, kreiert und bezeichnet die dramatische Entwicklung der Umweltsituation seit Beginn des Industriezeitalters Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Die Auswirkungen menschlichen Handelns auf unserem Planeten lassen es auch Berends berechtigt erscheinen, dass mit dem sogenannten Anthropozän von einem neuen Erdzeitalter gesprochen wird. Globale Regelwerke internationaler Umweltkonferenzen und Klimagipfel zur Emissionskontrolle wie etwa das Kyoto-Protokoll seien bislang nicht ratifiziert worden, kritisiert er. „Die Luft wird im wahrsten Sinne des Wortes dünn“, warnt der Künstler mit seinen Arbeiten. Für fast alles gebe es Reserven. „Wer aber kümmert sich um die Luft?“, fragt er.

Höhepunkt von Berends Luftreservenkonzept war 2006 die Ausstellung „Campos-Felder-Fields“ im Centro de Arte Juan Ismael Puerto del Rosario auf Fuerteventura. In der Ausstellung wurde auf einer 60 Quadratmeter großen Fläche ein raumgreifendes „Luftreservenfeld“ bestehend aus 30 Cortenstahlplatten und 65 handelsüblichen Luftschläuchen verschiedener Größenordnung sowie einer Licht- und einer Klanginstallation gezeigt.

Die bei der Biennale in Ushuiaia gezeigte Arbeit ist Bestandteil von Berends Werkgruppe. Die vier Elemente – Feuer, Erde, Wasser und Luft geben der dort gezeigten Ausstellung Struktur und Form. Die „Luftreserve für einen Fischer“ sieht Berends aber auch als eine Art Totem zur Erinnerung an den Stamm der Yámana, eine der vier ethnischen Gruppen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Seenomaden auf Feuerland lebten. Ebenso wie die anderen Ureinwohner Feuerlands wurden die Yámana im Zuge der Besiedelung durch weiße Siedler bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet.


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