Taskforce ermittelt in Papenburg Meyer Werft: Verstoß durch Subunternehmer?

Noch in diesem Monat will die Taskforce ihre Ergebnisse zu den Arbeitsverhältnissen der Werkvertragsarbeiter auf der Werft vorlegen. Foto: dpaNoch in diesem Monat will die Taskforce ihre Ergebnisse zu den Arbeitsverhältnissen der Werkvertragsarbeiter auf der Werft vorlegen. Foto: dpa

Papenburg. Die Taskforce der Papenburger Meyer Werft steht vor einem schwierigen Oktober: Seit mehr als zwei Monaten prüft das Expertengremium die Arbeits- und Wohnbedingungen ihrer Werkvertragsarbeiter. In den nächsten Tagen will die Taskforce Ergebnisse präsentieren. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es Hinweise darauf, dass Subunternehmer beim Einsatz der Arbeiter ganz systematisch gegen Arbeitszeitgesetze verstoßen haben.

Wichtigster Schlüssel zu dieser Erkenntnis sind offensichtlich die Einlasskontroll-Karten. Immer dann, wenn ein Arbeiter die Pforte der Werft passiert, wird seine Ankunft über eine solche Karte registriert, beim Verlassen des Geländes wird dann ausgestempelt. Obwohl ein externes Sicherheitsunternehmen die Pforten überwacht, werden die Einlasskontroll-Karten ausschließlich von der Werft verwaltet und aufbewahrt. Die Karten sind damit kaum durch Dritte zu manipulieren und dürften der Taskforce als verlässlicher Nachweis für die Anwesenheit der jeweiligen Arbeiter gelten.

Unbestätigten Informationen unserer Zeitung zufolge belegt die Auswertung der Karten, dass manche Arbeiter nahezu 24 Stunden ohne Unterbrechung auf dem Werftgelände verbracht haben.

Bereits zu Beginn der Untersuchungen waren Einzelfälle registriert worden, in denen Arbeiter ohne Pause von der Tagschicht in die Nachtschicht gewechselt sind. Die Auswertung der vergangenen Wochen dürfte jetzt zu der Feststellung geführt haben, dass dahinter keine Ausnahmen stecken – sondern systematischer Missbrauch des Einsatzes von Arbeitern durch die Subunternehmer von bis zu 300 Stunden pro Monat.

Diese Praxis ist auch deshalb so gefährlich, weil für die Arbeiter, die teilweise mit gefährlichen Schweißgeräten hantieren, das Verletzungsrisiko durch Übermüdung steigt. Seit dem Brand mit zwei toten Werkvertragsarbeitern in einer Unterkunft und den damit verbundenen intensiven Kontrollen ist diese Arbeitspraxis eingestellt worden.

Bei den betroffenen osteuropäischen Werkvertragsarbeitern führt das mittlerweile zu massivem Ärger. Seitdem nämlich die Arbeitszeiten deutlich reduziert wurden, verdienen die Männer auch wesentlich weniger als vor dem Brand.

Die Einlasskontroll-Karten haben jedoch eine Schwachstelle. Sie belegen lediglich, wie lange ein Arbeiter auf dem Werftgelände gewesen ist. Sie sind aber kein automatischer Beweis dafür, dass der Karteninhaber auch während der gesamten Zeit gearbeitet hat.


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