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Schutz vor Magnetstrahlung Marienkrankenhaus in Papenburg setzt erstmals MRT-fähige Herzschrittmacher ein

<em>Prof. Dr. Christian Wende</em>Prof. Dr. Christian Wende

Papenburg. Einen Tag nach der nach eigenen Angaben erfolgreichen Leistungsbilanz in puncto Gallenblasenoperationen meldet das Marienkrankenhaus in Papenburg eine neue Errungenschaft. Demnach werden in der Klinik neuartige Defibrillatoren eingesetzt, deren Steuerungschips die Geräte vor Magnetstrahlung schützen.

Wie das Krankenhaus in einer Pressemitteilung erklärt, war es bislang so, dass wer zum Beispiel regelmäßig wegen Durchblutungsstörungen mithilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) untersucht werden muss, keinen Defibrillator erhalten konnte – oder er bekam ein solches Gerät, musste aber dann auf die Untersuchungen verzichten. „Denn durch die starken Magnetstrahlen können die Steuerungschips kaputt gehen“, erläutert Prof. Dr. Christian Wende das Problem, das der Pressemitteilung zufolge jetzt aber keines mehr ist.

Demnach hat Wende, der wie Dr. Berthold Pollock Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Marienkrankenhauses ist, Anfang Juli die ersten beiden Geräte eingesetzt, die gegen Magnetstrahlen abgeschirmt sind. „Der technische Fortschritt ist für die Patienten sehr hilfreich“, lässt sich Wende zitieren.

Angaben der Klinik zufolge setzt der Kardiologie-Experte mit seinem Team rund 80 Defibrillatoren pro Jahr im Papenburger Krankenhaus ein. Die Geräte seien lebenswichtig. Und doch habe in manchen Fällen von ihrem Einsatz abgeraten werden müssen. Etwa dann, wenn die Gefahr eines plötzlichen Herztodes geringer zu sein schien als die durch Durchblutungsstörungen oder andere Erkrankungen, die durch den MRT-Einsatz diagnostiziert und behandelt werden. Eine solche schwerwiegende Entscheidung stand laut Wende immerhin bei etwa jedem zehnten Patienten an, der für einen Herzschrittmacher oder Defibrillator infrage kam. „Das Problem ist durch die Einführung MRT-fähiger Geräte gelöst worden“, so der Kardiologe.

In etwa neun von zehn Fällen würden auch künftig nicht MRT-fähige Schrittmacher oder Defibrillatoren eingesetzt. Bei diesen mache der Einsatz magnetstrahlenresistenter Apparate keinen großen Sinn. Abgesehen davon seien die neuartigen Geräte mehrere Tausend Euro teurer als die Standardgeräte. Trotzdem ist Wende nach Angaben des Krankenhauses überzeugt, dass sich die MRT-fähigen Schrittmacher langfristig durchsetzen werden.

Neu im Marienkrankenhaus ist nach eigenen Angaben auch die Implantation sogenannter subkutaner Defibrillator-Systeme. Hierfür werde kein direkter Zugang über das Venensystem zum Herzen mehr benötigt, weil die bisher notwendige Verankerung der Defibrillationselektrode direkt im Herzen entfalle. Der neue Defibrillator und ein notwendiges Kabel würden im linken Brustbereich direkt unter die Haut eingesetzt. Wende zufolge werde die Behandlung lebensgefährlicher Rhythmusstörungen erheblich erleichtert, da kein direkter Zugang zum Herzen mehr nötig sei. Eingesetzt würden die subkutanen Defi-Systeme laut Klinik vor allem bei jungen Patienten, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod hätten.