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Ein sehr alter und weit verbreiteter Familienname – Stärkste Konzentrationen im Emsland und in der Region Hannover Krauskopf: Der erste Krull hatte gelocktes Haar

Von Winfried Breidbach

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Papenburg. Leser Franz Krull aus Lingen hat keine Theorie, wie sein Familienname entstand. Wilhelm Krull aus Nordholz glaubt, dass der Name aus Ostfriesland stammt.

Der häufige Nachname Krull wird von rund 6000 Personen getragen, die überwiegend in der nördlichen Hälfte Deutschlands leben. Die stärksten Konzentrationen des Namens sind für die Landkreise Emsland und Region Hannover festzustellen. Die Schreibvarianten Crull und Krul sind erheblich seltener. Weitere Abwandlungen von Krull sind Krüll, Crüll, Krülle, Krül und Cruel.

Krull kann eindeutig auf das mittelniederdeutsche Wort krul („der krul“ und „dat krul“) zurückgeführt werden, die Bedeutung von krul war „Locke, Lockenfrisur, Lockenkopf, Krauskopf“. Beim Familiennamen handelt es sich also um einen sogenannten Übernamen, der sich auf den Lockenkopf des ersten Namensträgers bezog. Der Name kann von Anfang an nur aus dem Wort Krul(l) bestanden haben, dafür sprechen alte Belege wie „Nicolaus Crul“ (1273 in Lüneburg), „Timme Krul“ (1300 in Lübeck), „Henricus Crul“ (1311 in Greifswald), „Jan Crul“ (1318 in Braunschweig), „Hinricus Krul“ (1325 in Barth/Vorpommern).

Wie einige historische Belege zeigen, kann die heutige Namensform aber auch durch Verkürzung entstanden sein: So sind beispielsweise bezeugt „Herwicus mitme Krulle“ (Herwig mit dem Krull, 1322 in Braunschweig), „Andree mit den Crulle“ (1330 in Kampen, Overijssel/NL), „Johan mit deme Crulle“ (1353 in Hannover).

Name verhochdeutscht

Im hochdeutschen Gebiet entspricht der noch deutlich häufigere Name Kroll mit den Varianten Croll, Crol, Kröll, Cröll, Kröl und Crölle. Der älteste verfügbare Beleg von Kroll nennt „Chunrad Kroll“ 1399 in München. Die sehr zahlreichen Träger des Namens Kroll im Norden sind wohl nur zum geringen Teil aus dem hochdeutschen Sprachgebiet zugezogen. In vielen Fällen wird plattdeutsch Krull als Kroll verhochdeutscht worden sein, Kroll kann aber auch eine einheimische Variante von Krull sein, wie aus dem Beleg „Klaus Krol“ (1339 in Lübeck) zu schließen ist.

Die mit -mann gebildeten Familiennamen Krullmann, Krüllmann und Krollmann zielten ebenfalls auf das lockige Haar ab. Auch diese Namen sind durch „Albertus Krullemann“ (1300 in Lübeck) schon früh bezeugt.

Erheblich seltener als das lockige erscheint das glatte Haar in Familiennamen. Dies kann nicht verwundern, da krause Haare in unseren Breiten seltener sind und daher eher zur Vergabe eines entsprechenden Beinamens Anlass gaben. Die ersten Träger der Namen Schlichtkrul(l), Schlichtkroll, Schlichtcroll und Schlichtegroll fielen wohl durch besonders glattes Haar auf.

Im Internet finden Sie alle Familiennamen, die Dr. Winfried Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: www.neue-oz. de/namenNamensvorschläge bitte an namensforscher@neue-oz.deGutachten: www.ifn.name