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Ersten Ozeanriesen an Reederei übergeben Vor 25 Jahren: Meyer Werft startet in erfolgreiche Ära

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dapd/pm Papenburg. Vor 25 Jahren startete bei der Meyer Werft eine neue erfolgreiche Ära: Das erste Kreuzfahrtschiff des Papenburger Schiffbauunternehmens, die „Homeric“, wurde nach rund zweijähriger Bauzeit an die Reederei übergeben. Ein Vierteljahrhundert später ist die Werft zum Weltmarktführer aufgestiegen. Insgesamt 30 Luxusliner „Made im Emsland“ sind auf den Weltmeeren unterwegs.

Bei jedem der Schiffe, die kontinuierlich größer wurden, war es vor allem die Emspassage Richtung Nordsee, die weit über die Grenzen der Region hinaus für Aufsehen sorgte und zu den spektakulärsten Momenten der internationalen Schiffbau-Branche zählen. Das war auch vor 25 Jahren so, als der erste Luxusliner Papenburg verließ. Allerdings war die Werft damals ein Leichtmatrose in unbekannten Gewässern. Heute ist sie ein mit allen Wassern gewaschener Kapitän auf hoher See und Weltmarktführer im Segment der Luxus-Passagierschiffe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Werft vor allem mit dem Bau von Fähren, Gastankern und Tiertransportern beschäftigt. 1983 wurde die neue Ära eingeleitet. Meyer und die Reederei „Home Lines“ unterzeichneten den Vertrag zum Bau des ersten Kreuzfahrtschiffes. Im Herbst 1985 wurde die mit 42000 BRZ (Bruttoraumzahl) vermessene „Homeric“ zu Wasser gelassen. Es begann die Zeit der Superlative: Nie zuvor lief ein Schiff dieser Größe quer vom Stapel. Niemals mehr sollte in Papenburg ein Kreuzfahrtschiff unter freiem Himmel zusammengebaut werden. Alle bislang 29 weiteren und zuletzt dreimal so großen Ozeanriesen entstanden in überdachten Baudocks. Das neue, zweite Baudock mit über 500 Meter Länge ist heute das größte der Welt.

Am 5. Mai 1986 verließ die 204 Meter lange „Homeric“ ihre Bauwerft, wurde heute vor genau 25 Jahren an die Reederei abgeliefert und nahm dann Kurs auf New York. „Sie war unsere Visitenkarte, der Türöffner zum Weltmarkt“, sagt Werftchef Bernard Meyer.

Reibungslos verlief das Wagnis allerdings nicht. Die Werft stand seinerzeit unter enormem Zeitdruck. „Das Schiff musste im Mai 1986 fertig sein. Ansonsten hätte der Kunde seine Exklusivrechte verloren, Kreuzfahrten zu den Bahamas anzubieten“, erinnert sich Meyer, der vier Jahre vor dem großen Tag geschäftsführender Gesellschafter geworden war.

Zudem stellte sich schon damals heraus, dass die Werft eigentlich zu weit im Binnenland liegt, um derart große Schiffe bauen zu können. Doch die Emsländer wussten sich seit jeher zu helfen. Da die 29 Meter breite „Homeric“ keinesfalls durch die 26 Meter breite Papenburger Seeschleuse passen würde, ließ die Stadt eine neue, 40 Meter breite Schleuse bauen. Als weiteres Nadelöhr stand der Vorvorgänger der heutigen Jann-Berghaus-Brücke in Leer im Weg. Dieses Bauwerk ließ sich nicht so schnell verbreitern und riss bei der ersten Emsüberführung der Geschichte ein kleines Loch in die stählerne Außenhülle der „Homeric“.

Geschadet hat es weder der Werft noch dem Schiff. „Manche Kollegen sahen uns mit dem Schiff untergehen“, sagt der 62-jährige Meyer, wenn er an die Unkenrufe aus Branchenkreisen zurückdenkt. Doch es kam anders: Die Werft entwickelte sich zum Spitzenspieler auf dem Weltmarkt – und hat auch in Zeiten, in denen weltweit weniger Aufträge vergeben wurden, immer gut zu tun gehabt. Aktuell stehen neun Schiffe mit einem Auftragswert von mehr als fünf Milliarden Euro in den Büchern.

Finanziell hat die Werft mit der „Homeric“ nach eigenen Angaben keinen Gewinn gemacht. „Aber es wurde wichtiges Know-how gewonnen“, sagt Meyer. Dieses Wissen bilde immer noch das Kapital. Heute sei man sehr gut aufgestellt, auch dank des mit dem Bau von Flusskreuzfahrtschiffen beschäftigten Tochterunternehmens Neptun in Rostock. „Wenn wir alle weiter so gut zusammenarbeiten, werden wir auch in den nächsten 25 Jahren viele Kreuzfahrtschiffe in Papenburg bauen“, prophezeit Meyer.


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