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Fünf Direktkandidaten kämpfen um die Nachfolge von Rudolf Seiters

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Um die Nachfolge von Rudolf Seiters als direkt gewähltem Abgeordneten im Wahlkreis 26 Unterems kämpfen morgen bei der Bundestagswahl fünf Bewerber. Der 64-jährige Papenburger CDU-Politiker, seit 1969 Mitglied des Bundestages, hatte den Wahlkreis zuvor neunmal in Folge gewonnen.

Aufgerufen, zu den Urnen zu gehen, sind in Unterems 223.960 Wählerinnen und Wähler. Der Wahlkreis erstreckt sich von Haren/Twist im Süden über den Altkreis Aschendorf-Hümmling und den Landkreis Leer bis zur Insel Borkum an der nördlichsten Spitze. Dabei entfallen auf den ostfriesischen Part knapp 123.700 Wahlberechtigte, im emsländischen Teil es sind rund 100.300 Wähler.

Die ,,Wahlzentrale" für den Bereich Unterems ist im Kreishaus in Leer, wo der jeweilige Stand der Auszählung auf eine Leinwand projiziert wird. ,,Wir rechnen bis spätestens 21 Uhr mit dem vorläufigen Resultat", steckte Dieter Backer, Pressesprecher der Kreisverwaltung, den Zeitrahmen ab. Erste Resultate aus den Kommunen dürften jedoch bereits kurz nach dem Schließen der Wahllokale um 18 Uhr einlaufen.

Ab 8 Uhr haben die Bürger am Sonntag die Möglichkeit ihre Stimmen abzugeben. Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Die Erststimme entscheidet über das Direktmandat, die Zweitstimme ist maßgeblich für den prozentualen Anteil an Sitzen der Parteien im Bundestag. Insgesamt hoffen im Wahlkreis Unterems 13 Parteien (SPD, CDU, FDP, Grüne, PDS, REP, Tierschutzpartei, Graue Panther, NPD, Partei Bibeltreuer Christen, Ökologisch-Demokratische Partei, Bürgerrechtsbewegung Solidarität sowie die Schill-Partei) auf die Zweitstimme der Bürger. Fünf Parteien (SPD, CDU FDP, Grüne und PDS) haben Direktkandidaten für die Erststimme auf dem Wahlzettel nominiert.

Auf einer Urwahl in der Papenburger Gartenbauzentrale Ende Januar wählten die CDU-Mitglieder aus dem emsländisch-ostfriesischen Wahlkreis Gitta Connemann aus Leer zur Direktkandidatin ihrer Partei. Die 38-jährige Juristin konnte sich gegen ihre vier männliche Mitbewerber gleich im ersten Wahlgang durchsetzen.

Zu den ersten Gratulanten zählte damals Rudolf Seiters, der nach mehr als drei Jahrzehnten einflussreicher politischer Arbeit im Bundestag auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. Seiters war unter anderem parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Chef des Kanzleramtes, Innenminister und zuletzt Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Mit Frau Connemann hoffen die Christdemokraten, das traditionell erfolgreiche Abschneiden ihrer Kandidaten wie auch der Partei selbst im Wahlkreis Unterems fortsetzen zu können.

Dass die Entscheidung spannend wird, ist unter politischen Beobachtern durchweg unbestritten. Konnte doch 1998 der SPD-Politiker Reinhold Robbe im ,,Schröder-Sog" die CDU erstmals bei den Zweitstimmen überflügeln. Auf die Sozialdemokraten entfielen vor vier Jahren 46,6 Prozent, die Christdemokraten kamen auf 40,5 Prozent. Bei den Erststimmen allerdings konnte Rudolf Seiters mit 49,4 Prozent Reinhold Robbe (43,8) auf Distanz halten.

Der 47-jährige SPD-Politiker aus Bunde im Rheiderland zog allerdings gleichfalls in den Bundestag ein, hatte er doch, wie schon bei seiner ersten Legislaturperiode ab 1994, erneut einen aussichtsreichen Listenplatz erhalten. Und auch der dritte Einzug in das Berliner Parlament dürfte dem gelernten Verlagskaufmann gelingen, kann er doch mit Platz vier auf einen sicheren Listenplatz der SPD in Niedersachsen verweisen.

Ähnlich ist die Konstellation im Übrigen bei Frau Connemann (Platz zwölf der CDU-Landesliste) sowie dem FDP-Politiker Michael Goldmann (Rang drei der FDP-Liste) aus Aschendorf. Mit seinem Einzug 1998 in den Bundestag (damals ebenfalls auf Listenplatz drei) bescherte der 56-jährige Tierarzt und Studiendirektor dem Wahlkreis Unterems gleich den dritten Repräsentanten im höchsten deutschen Parlament. Der Aschendorfer Ortsbürgermeister erreichte vor vier Jahren 2,5 Prozent der Erststimmen, der Zweitstimmenanteil der Liberalen lag bei 5,9 Prozent.

Für die Grünen tritt als Direktkandidat Benjamin von der Ahe an. Der 26-jährige Fachinformatiker stammt gebürtig aus Leer und lebt jetzt in Hannover. Von der Ahe ist Sprecher des Bundesverbandes der ,,Grünen Jugend". Er kandidiert erstmals für den Bundestag, mit dem zwölften Platz auf der Landesliste seiner Partei dürfte er jedoch kaum Chancen auf ein Mandat haben, vor vier Jahren zog die Landesliste lediglich bis Platz vier. Die Grünen kamen 1998 in Unterems auf 3,6 Prozent bei den Zweitstimmen und 3,2 Prozent bei den Direktstimmen.

Um Stimmen für die PDS wirbt der pensionierte Hauptschullehrer Ahmed Chaker-Agha (64) aus Großefehn. Der gebürtige Syrer ist seit 1993 Mitglied der PDS und derzeit Sprecher des Landesparteirats Niedersachsen seiner Partei sowie Mitglied des PDS-Ältestenrates. Vor vier Jahren blieb die PDS bei Erst- wie Zweitstimmen deutlich unter der Ein-Prozent-Marke.


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