Grenzübergreifende Initiative Papenburg: Bürger machen Front gegen Ställe

Von Hermann Hinrichs

<em>Haben</em> die Gründung der Bürgerinitiative ORA vorangetrieben: Willie Raaijmakers, Marco Bentz van den Berg, Edzard Busemann, Helmut Seidemann, Binnert Blom, Hildebrand van der Spa, Ottmar Ilchmann und Eckehard Niemann. Foto: Hermann HinrichsHaben die Gründung der Bürgerinitiative ORA vorangetrieben: Willie Raaijmakers, Marco Bentz van den Berg, Edzard Busemann, Helmut Seidemann, Binnert Blom, Hildebrand van der Spa, Ottmar Ilchmann und Eckehard Niemann. Foto: Hermann Hinrichs

Papenburg. Die Stimmung war bestens. Es wurde gescherzt und gelacht und ernst gemacht: Erstmalig haben sich Gegner von großen Tierhaltungsanlagen aus zwei Nationen zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen. In Papenburg ist am Mittwoch die Bürgerinitiative (BI) ORA (lat. Grenze) vor gut 80 Gästen aus Deutschland und den Niederlanden aus der Taufe gehoben worden.

Ihre Ziele: Weitere Agrarfabriken in unmittelbarer Nähe der deutsch-niederländischen Grenze zu verhindern sowie der Kampf für einen Umbau der Agrarwirtschaft. Aus Sicht der BI muss die teils industriell gewordene Agrarwirtschaft wieder hin zu einer bäuerlich geprägten sowie tier- und umweltgerechten Landwirtschaft entwickelt werden, die ihren Produktionsumfang wieder ausschließlich an der vorhandenen Fläche des jeweiligen Betriebes ausrichtet. Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) feierte den Zusammenschluss gar als den Beginn zum Aufbau eines europäischen Netzwerkes von Bürgerinitiativen.

In Gang gebracht hatte die Gründung eine Gruppe von sieben Niederländern und Deutschen, die sich via Internet und bei Demonstrationen kennengelernt hatten. Nach einem ersten Treffen in Blijham, NL, im Juni dieses Jahres entschloss man sich, bestehende Bürgerinitiativen beiderseits der Grenze durch die BI ORA zu vernetzen.

Die beiden Mitinitiatoren und vorerst auch inoffiziellen Sprecher der BI ORA sind die Niederländerin Willie Raaijmakers aus Ter Apel und der Pogumer Helmut Seidemann. Wie die beiden darlegten, ende die jeweilige Politik an der Staatsgrenze, Gestank und Umweltauswirkungen würden dagegen über die Grenze hinaus wirken. „Wir wollen eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegen Megaställe fördern“, so Raaijmakers und Seidemann. Die jeweils andere Seite sei in der Regel machtlos, wenn ein Stall in Grenznähe gebaut werden solle. Über die BI wolle man sich künftig gegenseitig helfen.

Das gilt zunächst schwerpunkmäßig für den Bereich der Ems-Dollart-Region. Jedoch hoffen die Akteure darauf, schon bald „entlang der gesamten Grenzregion zu arbeiten“. Laut Seidemann sollen als Nächstes in den Niederlanden als auch Deutschland Informationen von den Behörden eingeholt werden, um die Situation zu erfassen. Zurzeit seien gerade die Milchviehställe auf beiden Seiten ein vordringliches Problem. „Wir sagen Nein zu großen Milchviehställen“, so Raaijmakers und Seidemann. Die Kühe hätten bislang noch ein „relativ gutes Leben, aber ihnen droht das gleiche Schicksal wie Hühnern und Schweinen“. Zudem wolle man sich gegenüber der Politik für einen Kurswechsel einsetzen.

Eckehard Niemann, der für die AbL im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ tätig ist, sieht das aktuelle System in einer Sackgasse unterwegs. Er ist überzeugt, dass es für die Zukunft der Landwirtschaft in Europa und der Welt nur zwei Alternativen gibt: entweder bäuerlich sein oder agrarindustriell. Niemann sieht die bäuerliche Landwirtschaft grob gesagt so: artgerecht gehaltene Tiere auf einem Familienbetrieb, dessen Produktionsumfang sich nach der zur Verfügung stehenden Fläche des Hofes richtet. Niemann beklagte, dass sich Landwirte mehr und mehr in Abhängigkeiten begäben wie Vertragsmast und versteckter Lohnmast. Hinzu kämen strukturelle Überschüsse, die exportiert werden müssten.


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