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Geplantes Baugebiet unter der Lupe Archäologen sind 2500 Jahre alter Siedlung in Aschendorf auf der Spur

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Aschendorf. Auf dem Gelände des geplanten Baugebietes an der Waldseestraße in Aschendorf haben die archäologischen Grabungen begonnen. In den kommenden drei Monaten nehmen Grabungstechniker des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege eine Fläche von mehr als 30000 Quadratmetern unter die Lupe. Danach soll das Baugebiet mit mehr als 30 Grundstücken erschlossen werden.

„Wir stehen erst am Anfang“, sagt Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries (Oldenburg). Und doch sehen Fries und Grabungstechniker Gerhard Stahn die Ergebnisse ihrer routinemäßigen Voruntersuchungen vom vergangenen Februar bestätigt. „Wir wissen, dass es hier eine Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit gegeben hat“, erklärt Stahn, der die Grabungen in Aschendorf leitet. Stahn zufolge ist die Siedlung etwa 2500 Jahre alt und datiert in den Jahren zwischen 850 und 0 v. Chr.

Behutsam trägt derzeit ein Bagger die etwa 60 Zentimeter dicke Mutterbodenschicht auf dem lange als Ackerland genutzten Areal ab. Der sogenannte Esch wurde von den Menschen einst mühsam auf die unfruchtbare gelbe Sandschicht aufgetragen. „Allein die Bodenanalyse ist eine kleine Wissenschaft für sich“, sagt der Geologe Dr. Dieter Glatthaar, der die Ausgrabungen zusammen mit seinem Kollegen Dr. Hans-Joachim Albers ehrenamtlich begleitet.

Bereits im ersten Untersuchungsabschnitt haben die Grabungstechniker an der Schichtgrenze zwischen Esch- und Sandboden mehrere Funde und Befunde freigelegt. Als Funde bezeichnen die Wissenschaftler beispielsweise Keramikscherben oder Münzen – „im Prinzip alles, was man einpacken und mitnehmen kann“, erklärt Bezirksarchäologin Fries. Befunde sind aus fachlicher Sicht hingegen von Menschen verursachte Veränderungen im Boden, wie zum Beispiel Spuren von Holzpfosten oder Gräben. Befunde zeichnen sich insbesondere im gelben Geestsand besonders gut ab.

Apropos Gräben: In einem Teil des Untersuchungsgeländes ist der Verlauf eines Schützengrabens aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zu erkennen. An anderen Stellen wurden uralte Keramik-Bruchstücke gefunden. „Ob ältere oder jüngere Geschichte: Der Boden ist wie ein Archiv, aus dem wir lesen“, sagt Albers. Als Zeitmesser dient den Wissenschaftlern die Keramik. Ihre jeweilige Beschaffenheit lässt Albers zufolge Rückschlüsse auf das Alter einer Siedlung zu. Alle Funde und Befunde werden dokumentiert.

Im Aschendorfer Ortsrat hatte Dr. Jana Fries die Grabungskosten auf mehr als 100000 Euro geschätzt. Getragen werden sie von der Stadt Papenburg, die die Kosten später auf den Quadratmeterpreis für die Baugrundstücke umlegen wird.


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