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2500 Jahre alte Siedlung dokumentiert Spuren in Aschendorf führen bis in die Jungsteinzeit zurück

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Aschendorf. Fast scheint es so, als hätte ein Schwarm Wespen sein Herz für die Archäologie entdeckt. Aufgeregt umschwirren die gelbschwarzen Raubinsekten einen Klapptisch im Grabungsfeld auf dem Gelände des geplanten Baugebietes an der Waldseestraße in Aschendorf. Auf dem Tisch hat Andreas Hummel, Mitarbeiter einer Grabungsfirma aus Vechta, eine Vielzahl historischer Funde aufgereiht, darunter dicke, zum Teil verzierte Keramikscherben, sogenannte Spinnwirtel und Pfeilspitzen aus Feuerstein.

Das alles und noch viel mehr ist bei den archäologischen Grabungen auf dem Gelände in den vergangenen drei Monaten zutage gefördert worden. Dank der Funde und Befunde konnte die achtköpfige Grabungsmannschaft des Landesamtes für Denkmalpflege vom StützpunktOldenburg eine mindestens 2500 Jahre alte Siedlungin Aschendorf dokumentieren.

„Das künftige Wohngebiet ist nicht nur heute attraktiv. Auch schon in der frühen Eisenzeit haben hier Menschen gelebt und Häuser gebaut“, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Pressemitteilung der Behörde. Die Siedlung war im Februar bei einer archäologischen Voruntersuchung entdeckt worden. Sie erstreckt sich über das gesamte Wohngebiet, in dem insgesamt 36 Bauplätze vorgesehen sind. Allerdings reicht die Zeit nicht mehr, um das ganze Gelände unter die Lupe zu nehmen. Am nächsten Montag ist Schluss. Wie Hummel berichtet, kann etwa ein Drittel der rund 30000 Quadratmeter großen Fläche nicht mehr untersucht werden. Der Grabungsleiter bedauert dies. Hummel und sein Team sind fest davon überzeugt, dass sie auch dort fündig geworden wären.

Dunkle Flecken

Aber auch ohne Erkenntnisse aus dem letzten Untersuchungsabschnitt steht für die Wissenschaftler fest, dass die Spuren menschlicher Aktivität in dem Gebiet bis in die Jungsteinzeit (etwa 2400 bis 2000 vor Christus) zurückreichen. Zum Beweis präsentiert Hummel diverse Artefakte aus Feuerstein, fein säuberlich in Klarsichttütchen verpackt. Die kleine Sammlung umfasst vier Pfeilspitzen, eine Speerspitze sowie einfache Kratz- und Schab-Werkzeuge.

Auf eine komplette Siedlung lässt hingegen schließen, was für den Laien nichts weiter als dunkle Fleckenim hellen Sand sind. Dabei handelt es sich Hummel zufolge bei fast allen dieser Verfärbungen um Befunde aus der frühen Eisenzeit (zwischen 800 und 500 vor Christus).

Der Grabungsleiter erläutert anhand verschiedener Verfärbungen, dass da und dort beispielsweise ein Holzpfosten, der zum Haus gehörte, oder eine Grube angelegt war, in der die damaligen Siedler Abfall beseitigten. Insgesamt haben die acht Ausgräber rund 1100 solcher Spuren dokumentiert. In zehn Fällen lässt sich anhand der Pfostenbefunde sogar ein Gebäude rekonstruieren. Dabei handelt es sich Hummel zufolge um eher kleine Bauten, die als Scheunen oder Werkstätten einzustufen sind. Spuren von den dazugehörigen Wohnhäusern vermutet der Grabungsleiter in einem angrenzenden Maisfeld, das aber außerhalb des geplanten Baugebietes liegt und damit nicht Teil des Untersuchungsraumes ist.

Zusätzliche Kosten

Hummel geht davon aus, dass die Siedlung für etwa eine oder zwei Generationen bestanden hat. Dann sei der seinerzeit ohnehin karge Boden ausgezehrt gewesen und die Menschen –Ackerbauern und Viehzüchter – seien weitergezogen, fügt der Geologe Dr. Dieter Glatthaar hinzu. Er begleitet die Grabungen zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Naturwissenschaften und Archäologie“ ehrenamtlich.

Die Grabungskosten belaufen sich nach Angaben des Sprechers der Stadt Papenburg, Matthias Heyen, auf rund 140000 Euro. Das bedeutet Heyen zufolge Mehrkosten in der Erschließung von 6 Euro mehr pro Quadratmeter, die bei der Preisgestaltung zu berücksichtigen seien. Das Baugebiet wird laut Stadtverwaltung voraussichtlich ab September erschlossen. Mit der Baureife ist demnach in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zu rechnen.


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