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Professorin Sattler spricht in Papenburg über den schwierigen Weg zur Einheit der Kirche „Wir brauchen weitere Gesprächsräume“

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Das Gebet „Vaterunser“ stellte Professorin Dorothea Sattler in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen zur Ökumene. Unser Bild zeigt sie mt Ralf Maennl, Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises, und Gemeindereferentin Christel Lünnemann (rechts) von der Antonius-Kirchengemeinde. Foto: K. DieckmannDas Gebet „Vaterunser“ stellte Professorin Dorothea Sattler in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen zur Ökumene. Unser Bild zeigt sie mt Ralf Maennl, Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises, und Gemeindereferentin Christel Lünnemann (rechts) von der Antonius-Kirchengemeinde. Foto: K. Dieckmann

kd Papenburg. Das „Vaterunser“ als zentrales Bindeglied auf dem Weg zur Einheit der Kirche? Das Gebet offenbare den christlichen Konfessionen viele Impulse, um sich über eine tätige Ökumene weiter anzunähern, sagt Professorin Dorothea Sattler. Der alleinige Bezug auf die Praxis reiche allerdings nicht aus. Die bestehenden Differenzen müssten parallel über einen theologischen Dialog nachhaltig geklärt werden.

Sattler, Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, sprach in Papenburg zum Thema „Das Vaterunser – ökumenisch betrachtet“. Rund 60 Gäste waren am Montagabend der Einladung des Ökumenischen Arbeitskreises der Kirchengemeinden in der Stadt zu der Vortragsveranstaltung in das Niels-Stensen-Haus der St.-Antonius-Kirche am Untenende gefolgt.

Das „Vaterunser“, dessen Wurzeln im jüdischen 18-Bitten-Gebet liegen, habe als „tägliches Gebet“ bereits im zweiten Jahrhundert eine weite Verbreitung erfahren. Überliefert wurde es in nahezu übereinstimmender Version von den Evangelisten Lukas und Matthäus. Heute zähle es als „Grundgebet des Christentums“ zu den zentralen Elementen nicht nur des Gottesdienstes, sondern vieler christlicher Begegnungen.

Auch vor diesem Hintergrund habe der Arbeitskreis „Pastorale Grundfragen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zum zweiten Ökumenischen Kirchentag Mitte Mai in München seine Sichtweise der ökumenischen Gegenwart mit einer Auslegung des „Vaterunsers“ verbunden, zeigte Sattler auf. Ins Gespräch gebracht habe der Arbeitskreis in seinen Ausführungen zahlreiche Anregungen für ein ökumenisches Beten und Handeln. Dazu zählten auf Grundlage der sieben Bitten des Gebets zum Beispiel die Bildung von Gesprächskreisen über Vorstellungen von Gott, Bibelgespräche, die Stärkung des Wertes von Gemeinschaft, der Einsatz für Frieden und Versöhnung sowie Initiativen für soziale Projekte.

Die Professorin räumte ein, dass Vorhaben in der Praxis allein den Weg zur Einheit der Konfessionen nicht ebneten. Ein wesentlicher Punkt sei ebenfalls der theologische Diskurs. Das zeigte sich auch in der Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Diese bestimmten Fragen zu Eucharistiefeier und Abendmahl, Wandlung sowie zum Verständnis des pastoralen Amtes.

Sattler: „Die Frage der Legimitation des Priesteramtes ist der zentrale Reibungspunkt.“ Die katholische Kirche sehe in der Unterbrechung der „apostolischen Kette“ durch die evangelischen Christen unmittelbar nach der Reformation einen entscheidenden Hinderungsgrund auf dem Weg zur Gemeinschaft der Gläubigen. Seinerzeit hatten lutherische Pfarrer die Weihe von neuen Geistlichen vorgenommen. Dieses Privileg misst die katholische Kirche einzig Bischöfen zu. Umstritten sei zudem die Ordination (Priesterweihe) von Frauen sowie die Rolle des Petrusdienstes (Papst).

„Wir brauchen weitere Gesprächsräume, um die unterschiedlichen Ansichten in diesen Grundsatzfragen zu klären“, stellte Theologieprofessorin Sattler klar. Beim Abendmahl selbst bestehe derweil Konsens unter den Konfessionen. In der Wandlung werde nach übereinstimmender Auffassung Brot und Wein zu Leib und Blut von Jesus Christus. Und unbestritten sei gleichfalls, dass mit dem Sakrament der Taufe – unbenommen von der Konfession – die Menschen in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen würden.

„Die Zeit drängt“, unterstrich Sattler. „Wir werden in unserer christlichen Gemeinschaft mehr und mehr weniger.“ So rief die Theologin die Gläubigen denn auch zu einem aktiven „Zeugnisdienst“, verbunden mit einem gemeinsamen missionarischen Handeln, auf.

Literatur: Hans-Georg Hunstig und Dorothea Sattler (Herausgeber): „... so auch auf Erden – Ökumenisch handeln mit dem Vaterunser“. Echter Verlag. Würzburg. 15 Euro.


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