Über Wolf, Friesenbrücke und Pandemie Weil in Papenburg: Von Corona-Entwarnung noch weit entfernt

Auf Stippvisite in Papenburg war Ministerpräsident Stephan Weil.Auf Stippvisite in Papenburg war Ministerpräsident Stephan Weil.
Gerd Schade

Papenburg. Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war beim Besuch in Papenburg nicht nur der Streit auf der Meyer Werft ein Thema. Beim Besuch der Ems-Zeitung sprach er auch über Wolf, Friesenbrücke und Corona-Lockerungen.

Der Wolf: Nach dem Tod einer trächtigen Kuh in unmittelbarerer Nähe eines landwirtschaftliches Betriebes im Mai deutet vieles auf einen Wolfsriss hin. Direkt im Surwolder Feriengebiet wurden am Wochenende Überreste eines Rehkitzes entdeckt. Auch hier steht der Wolf im Verdacht. Bürgermeister in der Samtgemeinde Lathen fordern einen Abschuss, für den Unterschriften gesammelt werden. Landes-Umweltminister Olaf Lies (SPD) erklärte, dass ein Sichten von Wölfen allein nicht für einen Abschuss reiche.

Christian Belling
Wurde diese Kuh in Wippingen von Wölfen gerissen?

„Ein schwieriges Thema“, räumt Weil dazu im Gespräch mit unserer Redaktion ein. Dass der Wolf in den Menschen Angst auslöse, sei verständlich. Hinzu komme, dass die Mehrheit der Befürworter seiner Rückkehr nicht dort lebe, wo der Wolf heimisch sei. 

An Regelungen auf EU- und Bundesebene gebunden

Klar sei aber auch, dass sowohl im EU- als auch im Bundesrecht verankert sei, unter welchen Umständen sein Bestand allgemein reduziert werden dürfe, erklärte Weil. Und an diese Regelungen sei auch das Land gebunden. In der Frage um das Entfernen einzelner Tiere und Rudel mache es sich Lies als zuständiger Minister nicht leicht und ziehe sich zwangsläufig „den Verdruss vieler“ zu. Ausdrücklich lobte Weil aber das Handeln seines Umweltressortchefs. 

Kristina Müller
Die SPD-Politiker Hanne Modder, Vanessa Gattung (von links), Stephan Weil (Mitte) und Anja Troff-Schaffarzyk wurden im Verlagsgebäude der Ems-Zeitung von Regionalverlagsleiter Dirk Riedesel (3. v. l.), Hermann-Josef Mammes (Redaktionsleiter Emsland) und EZ-Redaktionsleiter Gerd Schade (r.) empfangen.

Die Friesenbrücke: Vor inzwischen fünfeinhalb Jahren ist die Friesenbrücke über die Ems zwischen Weener und Westoverledingen durch eine Frachterkollision weitgehend zerstört worden. Nach langwierigen Planungen für den Wiederaufbau, der Mitte Juli 2021 starten und bis 2024 vollzogen sein soll, laufen nun die Kosten davon. Neueste Ansage ist eine Verdopplung des zunächst veranschlagten Finanzrahmens auf 125 Millionen Euro. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann hatte in diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass sich das Land Niedersachsen daran beteiligen werde.

Gerd Schade
Seit Dezember 2015 ist die Verbindung zwischen Weener und Westoverledingen über die Friesenbrücke gekappt (Archivbild).

Hier zeigte sich Weil allerdings zurückhaltend. „Diesen Wünschen des Bundes stehen wir sehr reserviert gegenüber“, sagte er. Der Wiederaufbau sei und bleibe ein Bundesprojekt. „Wenn es Preissteigerungen gibt, liegt es an den langwierigen Genehmigungsverfahren“, meinte Weil. Die Posse um den Neubau hat nach seiner Auffassung traurige Berühmtheit erreicht. Deutschland sei im Planungsrecht deutlich überreguliert. Dass nach nunmehr fast sechs Jahren vom Neubau noch nichts zu sehen sei, sei mit Blick auf die niederländischen Nachbarn geradezu peinlich, findet der Ministerpräsident.

Die Pandemie: Landesweit stabil niedrige Inzidenzwerte stimmen Weil zuversichtlich. Erfreulicherweise werde viel getestet und auch beim Impfen komme man voran. „Von einer Entwarnung sind wir aber noch weit entfernt, Wir sind noch inmitten der Pandemie“, betonte Weil – nicht zuletzt im Hinblick auf die Delta-Variante des Coronavirus. Für das wirksamste Alltagsmittel zur Eindämmung der Pandemie hält der SPD-Landeschef die Maske. Wozu er im Übrigen bislang trotz der Lockerungsschritte nicht gekommen sei, sei der Genuss eines frisch gezapften Bieres. Aber aufgeschoben soll hier nicht aufgehoben sein.


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