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230 Zuschauer im Theater „Farm der Tiere“ als zeitloser Klassiker in Papenburg

Von Jonas Brinker | 16.02.2017, 09:35 Uhr

Mehr als 230 Besucher haben im Kleinen Theater in Papenburg Georg Orwells Fabel „Farm der Tiere“ gesehen. Die Landesbühne Nord führte unter der Regie von Karin Drechsel einen zeitlosen Klassiker aus dem Jahre 1945 auf, der die Errichtung einer Gewaltherrschaft aus den eigenen Reihen zeigt.

Zunächst scheint das Anliegen der Tiere ein gleiches: Alle wollen den verhassten Farmer Mister Jones vom Hof jagen. Der Aufstand wird von den Schweinen initiiert und unter dem Motto „Reich und Frei werden! Wir müssen die Menschen loswerden“ schaffen die Tiere der Farm es schließlich gemeinsam, ihren Besitzer zu verjagen. Nach erfolgreicher Rebellion wollen sie den sogenannten „Animalismus“ ausrufen und als Wertesystem einführen. In diesem sind Werte wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität verankert.

Um ihr Leben nun ohne den verhassten Farmer zu strukturieren, werden die sieben Gebote des Animalismus niedergeschrieben. So heißt es dort, dass Zweibeiner Feinde seien, dass Tiere keine Kleidung tragen oder in Betten schlafen. Auch das Töten von Tieren durch Tiere ist verboten. Als Quintessenz gilt das Gebot Nummer sieben: Alle Tiere sind gleich.

Doch dagegen wehren sich einige Tiere entschieden, insbesondere die schlauen Schweine unter der Führung des Schweines Napoleon (gespielt von Caroline Wybranietz). Sie nehmen immer mehr die Führungsrolle ein und schreiben sich selbst unverhältnismäßige Privilegien zu. Mit geschickter Rhetorik und Überzeugungskraft schaffen die Schweine es, auch die anderen Tiere davon zu überzeugen, dass sie richtig handeln. Die vorher aufgestellten Gebote werden mit heuchlerischen Zusätzen versehen, um die Macht und das Handeln der Schweine zu legitimieren.

Doch der Unmut unter den Tieren selbst nimmt immer weiter zu. So muss das Schwein Snowball (Simon Ahlborn) den Hof verlassen, da es den internen Machtkampf gegen Napoleon verliert. Napoleon hingegen baut seine Schreckensherrschaft immer weiter aus, unterdrückt die anderen Tiere, foltert und tötet sie sogar. Um noch mehr Profit für sich selbst zu bekommen, arrangiert er Handelsbeziehungen mit den Menschen anderer Farmen. Aus dem ehemaligem Gebot „Alle Tiere sind gleich“ wird nun „Alle Tiere sind gleich, aber manche gleicher.“

Die Landesbühne Nord schuf mit ihrer Inszenierung einen zeitlosen Klassiker. Orwell selbst werden mit der Fabel Parallelen zu der Geschichte der Sowjetunion zugesprochen, bei der auch das Volk nach der Februarrevolution 1917 direkt in die Schreckensherrschaft von Stalin geraten war.

Szenisch und dramaturgisch war die Umsetzung spektakulär: Immer wieder gingen die Tiere oder andere Farmer auch selbst durch das Publikum. Mit ihren Masken war die Erkennung als Tier zweifelsfrei. Musikalische Einlagen und Schattenspiele waren fester Bestandteil der rund zweistündigen Aufführung. Auffällig gut war auch eine Kampfszene, die vollkommen in Zeitlupe vorgetragen wurde. Neben den acht festen Ensemble-Mitgliedern der Landesbühne spielten noch einmal so viele junge Menschen aus dem sogenannten Jugendclub der Landesbühne mit.

Besonders aber die Verwandlung von Napoleon (Caroline Wybranietz) gilt es, hervorzuheben. Als anfängliches schüchternes Schwein, das sich nicht einmal traute, bei Versammlungen etwas zu sagen, entwickelte es sich immer mehr zu einem machthungrigen und überaus ehrgeizigen Tier, welches nicht einmal vor Folter und Tod haltmachte. Auch die Handelsbeziehungen zu anderen Farmern wurden massiv durch Napoleon vorangetrieben. Diese kommentierte der Erzähler, der durch das Stück führte, zum Abschluss eines Handelsvertrages so: „Man sah von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein. Und es ließ sich nicht mehr erkennen, wer was war.“