Redaktion startet Serie Erinnerungen an das Kriegsende im nördlichen Emsland gesucht

Alliierten-Panzer auf dem Vormarsch:  Auf dem Hümmling rückten im April 1945 kanadische Truppen ein. Foto: EZ-Archiv/StirtonAlliierten-Panzer auf dem Vormarsch: Auf dem Hümmling rückten im April 1945 kanadische Truppen ein. Foto: EZ-Archiv/Stirton
Stirton
 

Papenburg. Vor 75 Jahren ist im nördlichen Emsland der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Unsere Redaktion möchte mehr als nur daran erinnern. Dazu bittet sie ihre Leser um Unterstützung.

Der 8. Mai 1945, der Tag der deutschen Kapitulation, gilt als das Datum für das Ende des Zweiten Weltkrieges. Als die Waffen nach dem von Nazi-Deutschland unter Hitler 1939 entfachten Weltenbrand endlich schweigen, sind mehr als 60 Millionen Menschen tot. Für das Gebiet des heutigen Landkreises Emsland endete der Krieg mit dem Einmarsch der West-Alliierten im April 1945 – also vor 75 Jahren. 

Am 7. April wird Lingen erobert, fünf Tage später erreichen die Truppen das Emslandlager Oberlangen. Zwischenzeitlich werden Sögel, Werlte und Papenburg besetzt, aber beispielsweise auch in Dörpen und Rhede finden Kampfhandlungen statt. Nach letzten hinhaltenden Gefechten ist der Krieg im heutigen Kreisgebiet am 26. April vorbei. Schon einen Tag später setzt die britische Besatzungsmacht den ersten Nachkriegs-Landrat ein.

Massaker im Moor

NS-Diktatur und Kriegsgräuel haben auch im Emsland tiefe Wunden geschlagen, deren Spuren bis heute sichtbar sind – wie beispielsweise die des „Henkers vom Emsland“. Das Massaker des Wehrmachtsgefreiten Willi Herold, der sich als Hauptmann ausgab, und im Lager Aschendorfer Moor 172 Menschen niedermetzeln ließ und auch in Leer wütete, gehört überregional zu den bekanntesten Gräueltaten. 2018 wurden sie unter dem Titel „Der Hauptmann“ von Robert Schwentke verfilmt. Der Streifen ist umstritten. 

("Extreme Verengung auf Effekte": Gebürtiger Papenburger fällt vernichtendes Urteil)

Im vergangenen Jahr begab sich ein Team der Uni Osnabrück in Aschendorfermoor auf die Suche nach neuen Erkenntnissen.

Wichtige Erinnerungsarbeit im Emsland leistet derweil die im Jahr 2011 eröffnete Gedenkstätte Esterwegen, die weit mehr als „nur“ die Geschichte der 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager dokumentiert, die von 1933 bis 1945 auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Emslandes und der Grafschaft Bentheim liegen.

Unschätzbar wert voll

Von unschätzbarem Wert sind auch die Berichte der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die 96-Jährige aus Lathen zog sich zwar Anfang des Jahres aus der Öffentlichkeit zurück. Mehr als 20 Jahre hatte sie vor allem vor Schülern wieder und wieder über die Mordmaschinerie der Nationalsozialisten berichtet. Es war das Vermächtnis ihrer Mutter. „Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat“, habe ihr die Mutter gesagt, als sich ihre Wege 1943 im Vernichtungslager Auschwitz für immer trennten.

(Lesen Sie gerne auch unsere Multimediareportage über Erna de Vries)

Erschütternd und bewegend sind auch die Erinnerungen des Papenburgers Wilhelm Polak, der 2015 verstarb. Er war der einzige Holocaust-Überlebende aus der Fehnstadt, der nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches in die Heimat zurückkehrte und blieb.

(So überlebte ein Papenburger den Holcaust)

Darüber hinaus gibt es viele weitere Zeitzeugenberichte von Menschen aus der Region. Unsere Redaktion möchte das Geschehen der letzten Kriegstage im nördlichen Emsland in den kommenden Tagen und Wochen nachzeichnen – mit Blicken ins Archiv, aber vor allem gerne auch mit Unterstützung ihrer Leser.

Zeitzeugen, deren Zahl naturgemäß leider immer weiter schwindet, und/oder deren Nachfahren sowie Heimatforscher sind gerne aufgerufen, uns mit Erinnerungen in Wort und Bild zu versorgen, damit wir diese mit unseren Lesern teilen und auf diese Weise einen Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten können, wie es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bereits auch viele Heimatvereine und -forscher getan haben. Beispielhaft seien hier nur die Arbeit des Forums Sögel sowie des Rheder Heimatforschers und Ehrenbürgers Albert Vinke genannt.

Bewegende Gedenkfeiern

Zuletzt hatte unsere Redaktion vor fünf Jahren dank Zeitzeugenberichten in zahlreichen Beiträgen an den 70. Jahrestag des Kriegsendes erinnert. Bewegende Gedenkfeiern wie die des Landkreises Emsland mit mehr als 2000 Menschen im April 2015 in Esterwegen wird es wegen der Corona-Krise diesmal nicht geben können.

Wer Fotos und Erinnerungen an die Redaktion schicken möchte, kann dies ab sofort tun: per E-Mail an redaktion@ems-zeitung.de, Postanschrift: Ems-Zeitung, Redaktion, Stichwort „Kriegsende“, Am Stadtpark 35, 26871 Papenburg. Telefonisch ist die Redaktion über das Sekretariat unter 04961 80811 (montags bis freitags ab 8.30 Uhr) zu erreichen. Besuche in der Redaktion sind wegen der weitgehenden Einschränkungen durch die Corona-Krise bis auf Weiteres leider nicht möglich. 


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