Creditreform befragt Unternehmer Mittelstand im Emsland: Schlechtere Lage, aber hohe Investitionen

Das Baugewerbe ist auch im Emsland von dem leichten Eintrüben der Konjunkturlage nicht betroffen, die Auftragsbücher sind weiterhin randvoll. Foto: dpaDas Baugewerbe ist auch im Emsland von dem leichten Eintrüben der Konjunkturlage nicht betroffen, die Auftragsbücher sind weiterhin randvoll. Foto: dpa

Papenburg. Die derzeitige Geschäftslage und die Aussichten haben sich verschlechtert, dennoch investiert der Mittelstand kräftig: Das ist, kurz zusammengefasst, das Ergebnis der Befragung von kleinen und mittelgroßen Unternehmen im Emsland, das die Kreditauskunftei Creditreform jetzt wieder durchgeführt hat.

"Die Stimmungslage im Mittelstand hat sich im Herbst 2019 eingetrübt. Erfreulich: die jahrelange Investitionsschwäche ist vorbei. Geschäftslage trübt sich ein – aber regionale Unternehmen investieren in Zukunft ", so fasst Creditreform in einer Mitteilung die Ergebnisse der jüngsten Befragung zusammen. Die Mehrzahl der gut 1300 befragten Unternehmen aus dem Weser-Ems-Gebiet bewertet die aktuelle Geschäftslage aber "noch positiv", heißt es. 

Zum Weser-Ems-Gebiet gebören die Creditreform-Geschäftsstellen in Leer, Oldenburg, Osnabrück/ Nordhorn und Bremen. 65,9 Prozent der Befragten und damit rund zwei Drittel der im Weser-Ems-Gebiet im Herbst 2019 befragten Mittelständler bezeichneten die Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Vor einem Jahr hatte der Anteil der Positivmeldungen noch 70,2 Prozent betragen, ein Rückgang also von 4,3 Prozentpunkten. "Damit blieb auch der regionale Mittelstand von der anhaltenden Schwächephase der deutschen Exportwirtschaft nicht unberührt", stellen die Fachleute von Creditreform fest.

Landkreis Emsland trotz Rückgang über Deutschland-Index

Die Creditreform hat auf Anfrage die Ergebnisse der halbjährlichen Befragungen im Landkreis Emsland wieder zusammengefügt. Denn die Abfrage für das nördliche und mittlere Emsland wurde aus Leer vorgenommen, für das südliche Emsland aus Osnabrück  Demnach haben im Landkreis Emsland 228 Unternehmen an der Umfrage teilgenommen. Im Emsland liegt der Saldo für die Geschäftserwartungen bei plus 57,5 Punkten (2018: +68,4 Punkte) und damit annähernd im Bundesdurchschnitt. Aus Lage und Erwartungen ergibt sich hier ein Geschäftsklima-Index von plus 63,9 Punkten (Vorjahr +72,0 Punkte) – trotz der erheblichen Abschwächung von 8,1 Punkten immer noch 2,3 Punkte über dem Deutschland-Index (+61,6 Punkte). 

Im Einzugsgebiet von Creditreform Leer (Region Ostfriesland, Landkreis Emsland ohne den Altkreis Lingen, nördlicher Kreis Cloppenburg) haben 203 Unternehmen aus der Region Ostfriesland (Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die Stadt Emden) teilgenommen. Der aktuelle Geschäftslage-Saldo (die Differenz aus den Anteilen guter und schlechter Bewertungen) liegt in Ostfriesland mit plus 62,6 Punkten unter dem Vorjahreswert (+68,0 Punkte), sowie unter den Durchschnittswerten in Weser-Ems von plus 63,4 Punkten (2018: +68,3 Punkte) und bundesweit (+63,9 Punkte). Besser ist weiterhin die Stimmung in den Landkreisen Cloppenburg (Saldo +68,8 Punkte) und Emsland mit einem Geschäftslage-Saldo von plus 70,2 Punkten (2018: +75,6 Punkte). 

Die Geschäftserwartungen liegen in Ostfriesland mit einem Saldo von plus 53,2 Punkten (2018: +63,1 Punkte). deutlich unter denen des Vorjahres. Im Durchschnitt Weser-Ems sind die Aussichten ähnlich (+52,8 Punkte) – bundesweit sind die Unternehmen optimistischer mit einem Erwartungssaldo von plus 59,2 Punkten. Für Ostfriesland ergibt sich so aus aktueller Lage und Erwartungen ein Geschäftsklima-Index von plus 57,9 Punkten (Vorjahr +65,6 Punkte).

Umsätze im Rückwärtsgang – Pessimismus wächst

Die Tendenz, dass sich die Konjunktur im Mittelstand abschwächt, spiegeln sich laut Creditreform auch in der Entwicklung der Umsätze der vergangenen Monate wider. 15,6 Prozent der Befragten (Vorjahr: 11,0 Prozent) meldeten einen Rückgang der Umsätze. Bei gut einem Drittel der Befragten (37,5 Prozent) sind die Umsätze aber noch einmal gestiegen; im Emsland bei 41,7 Prozent der Befragten, un Ostfriesland bei 34,5 Prozent, in der Stadt Oldenburg bei 44,4 Prozent und  in Cloppenburg bei 39,1 Prozent. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe seien "deutliche Verschlechterungen" erkennbar. Bei den sogenannten binnenwirtschaftlichen Branchen, zum Beispiel das Baugewerbe und die Dienstleister, seien die Umsatzentwicklungen dagegen stabil, die Auftragsbücher sind also weiter voll.

Die weitere Umsatzentwicklung in den nächsten Monaten beurteilen die Mittelständler aus dem Weser-Ems-Gebiet deutlich zurückhaltender als in der Umfrage vor einem Jahr. Nur noch 23,3 Prozent der Unternehmen erwarten, dass der Umsatz steigen wird (Vorjahr: 29,4 Prozent). Gut jeder achte Befragte (13,5 Prozent) rechnet mit Einbußen (Vorjahr: 9,2 Prozent). Damit ist der Mittelstand im Weser-Ems-Gebiet pessimistischer gestimmt als im Bundesdurchschnitt. Getrübte Umsatzperspektiven finden sich insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, während das Dienstleistungsgewerbe weiter optimistisch bleibt.

Personalbestand wächst langsamer

Trotz konjunktureller Eintrübung hat der Mittelstand die Belegschaften in den vergangenen Monaten weiter aufgestockt, allerdings hat die Einstellungsbereitschaft nachgelassen. Noch knapp ein Drittel der Befragten (31,3 Prozent) hat den Personalbestand zuletzt erhöht (Vorjahr: 34,5 Prozent). Ein zunehmender Anteil der Unternehmen (2019: 12,6 Prozent; 2018: 10,4 Prozent) meldete einen Abbau von Beschäftigten. In den einzelnen Landkreisen sind die Rückmeldungen dazu ohne größere Abweichungen. Im Verarbeitenden Gewerbe reduzierten sogar 17,7 Prozent der Befragten die Belegschaft.

Auch die weiteren Personalplanungen des hiesigen Mittelstandes sind eher reserviert. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (72,5 Prozent) will den derzeitigen Personalbestand unverändert lassen. Wachsen dürfte der Personalbestand in den nächsten Monaten verstärkt wohl noch im Dienstleistungsgewerbe.

Regionaler Mittelstand investiert weiter

Die Investitionstätigkeit im Mittelstand ist durch die langsamere Gangart der Konjunktur aber noch nicht ernsthaft belastet. Wie im Vorjahr haben 54,3 Prozent der Befragten ein Investitionsvorhaben angekündigt. Dieser Prozentanteil liegt erneut höher als der bundesweite Durchschnitt (51,4 Prozent). In Ostfriesland bleibt die Anzahl der investitionsfreudigen Unternehmen mit 52,2 Prozent knapp unter dem Durchschnitt – im Emsland planen 56,1 Prozent im Verlauf des nächsten halben Jahres Investitionen und im Kreis Cloppenburg sogar 57,8 Prozent.

Für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen stehen dabei Ersatzinvestitionen auf der Tagesordnung, gefolgt von Investitionen in Erweiterungen und Fuhrpark. Stärker als im Vorjahr will der Mittelstand in die Digitalisierung und den Umweltschutz investieren.


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