Diskussion in Papenburg So unterschiedlich werden Menschen in Deutschland und den USA alt

Von Nils Kögler

Über das Thema Altwerden und Altersvorsorge haben im Papenburger Kino (von links) Jan Peter Bechtluft, Susan Gluth, Kathrin Muckli, Brigitte Schulte-Eichhorn und Gitta Connemann gesprochen. Foto: Nils KöglerÜber das Thema Altwerden und Altersvorsorge haben im Papenburger Kino (von links) Jan Peter Bechtluft, Susan Gluth, Kathrin Muckli, Brigitte Schulte-Eichhorn und Gitta Connemann gesprochen. Foto: Nils Kögler

Papenburg. Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie wollen wir alt werden?“ hat im Kino Papenburg stattgefunden. Die Aufführung des Dokumentarfilms „Gestorben wird Morgen“ ging der Diskussion voraus.

Die amerikanische Stadt Sun City im Bundesstaat Arizona, die mit unzähligen Apotheken und besonders breiten Straßen eigens auf die Bedürfnisse von älteren Bürgern zugeschnitten ist, wird im Film vorgestellt. Protagonisten sind einige dort lebende Senioren, die von ihrem Leben erzählen - und von den Schmerzen und Freuden des Alters berichten. „Wir kommen nach Sun City um zu sterben, aber wir wollen Spaß dabei haben“, erklärt der 83-jährige Jim und bringt damit die Einstellung der meisten Bewohner auf den Punkt. 

Neben Regisseurin Susan Gluth nahmen die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, Papenburgs Bürgermeister Jan-Peter Bechtluft (CDU) und die Pflegedienstleiterin Brigitte Schulte-Eichhorn an der Diskussion teil. Sie hoffe, dass der Film neue Ideen für das Altwerden vor Ort bringe, sagte Regisseurin Gluth. Dass die Vorführung durchaus auf fruchtbaren Boden fiel, zeigten die Aussagen Bechtlufts. Ihn beschäftige schon die Frage „Wäre das was für uns?“, erklärte er. Zumindest fände er die Idee eines Seniorenviertels spannend, so Bechtluft weiter. Connemann sagte, sie fand den Film „faszinierend verstörend“. Auf der einen Seite seien die Leute in Sun City zwar alle in einer ähnlichen Position und müssten sich dementsprechend niemandem erklären, jedoch lebten sie auch in einer künstlichen Welt. 

Andere Mentalität in Deutschland

Bei der Umsetzung eines solchen Konzeptes in Deutschland erkannten alle Diskussionsteilnehmer einige Probleme. Vor allem die Bereitschaft, sein Zuhause aufzugeben, sei kaum vorhanden, berichtete Schulte-Eichhorn von ihren Erfahrungen aus dem Pflegedienst. Viele Menschen seien hier seit Jahrzehnten verwurzelt. Auch Bechtluft sah in diesem Bereich einen entscheidenden Unterschied zwischen Deutschland und Amerika. In den USA sei der Immobilienmarkt ein anderer, erläuterte er. Dort gebe es kaum Menschen, die nie umziehen würden. Laut Connemann seien viele Menschen stark in der hiesigen Region verwurzelt. 

Die Frage, was mit Menschen im Alter passiere, die kein Eigenheim besitzen, fand ebenfalls Beachtung in der Diskussion. Er sei zwar der Auffassung, dass der Staat nicht alles auffangen können müsse und viele Menschen hier in der Region über ein Eigenheim abgesichert seien, erklärt Bechtluft, doch „es gibt auch Altersarmut, keine Frage“. Hier sahen die Politiker durchaus eine Lösung im sozialen Wohnungsbau. Es gehe darum, für jeden ein Angebot bereitzustellen, so Connemann. Papenburg sah Bechtluft hier auf einem guten Weg. 

Altersvorsorge früh beginnen

Einen Kernpunkt der Altersvorsorge sahen alle Diskussionsteilnehmer in der frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem Thema. „Man muss einfach frühzeitig anfangen. Das ist der Knackpunkt“, mahnte Schulte-Eichhorn. Angesprochen auf die Frage, wie man die Menschen zu einer frühzeitigen Altersvorsorge bewegen könne, nahm Connemann die Schulen und Medien in die Pflicht. Sie wisse zwar, dass die Schulen schon stark beansprucht seien, jedoch müssten alltägliche Themen wie die Altersvorsorge ihrer Meinung nach auch im Lehrplan Beachtung finden. Auch Veranstaltungen wie die des Kinos sollten aus ihrer Sicht mehr wahrgenommen werden. „Der Film ist wirklich sehenswert“, lobte Connemann die Dokumentation.


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