Klimawandel, Inklusion und Co. Von Schüler für Schüler: Workshops an der BBS Papenburg mit Domino-Effekt

Sogenannte "Energizer" bringen die Schüler zwischen den Diskussionsrunden wieder auf Trab. Foto: Philipp HelmSogenannte "Energizer" bringen die Schüler zwischen den Diskussionsrunden wieder auf Trab. Foto: Philipp Helm

Papenburg. Mehr gesellschaftliche Teilhabe: Das ist das Ziel der Workshops des Domino-Projektes. Schüler übernehmen die Leitung der Kurse, die Lehrer sind nicht eingebunden. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Papenburg haben das Programm in die Fehnstadt geholt.

Hinsetzen, still sein und zuhören: Was im Schulalltag die Norm ist, spielt bei den Workshops des Vereins „Peer-Leader-International“ aus Ostrhauderfehn keine große Rolle. Die Schüler diskutieren und sammeln Ideen, mittendrin stehen sie auf und spielen Gruppenspiele. "Energizer" nennen sich diese Spiele. Das solle die Schüler nach einer Diskussionsrunde wieder wach machen, erklärte Projektleiterin Ines Rülander. Nachdem das Programm an den BBS in Leer erfolgreich gewesen sei, brachten die Organisatoren es nun nach Papenburg.

"Die Lehrkräfte dürfen nicht teilnehmen", stellte Rülander klar. An ihre Stelle treten einige Schüler, die im Vorfeld des Projekts ein spezielles Wochenendseminar absolvieren. Dort werden sie zu Teamern ausgebildet, die anschließend die ganztägigen Workshops leiten. Dieses Jahr waren es 19 Teamer der BBS in Papenburg. 

120 Schüler nehmen an Workshops teil

„Peer-Leader-International“ gibt zwar die Methoden vor, die Schüler könnten die Workshops allerdings ihren Vorstellungen entsprechend gestalten, betonte Rülander. "Die Themen kommen von den Schülern", sagte Maik Tellmann, Lehrer an der BBS. Die 120 teilnehmenden Schüler konnten sich in der Schule für einen der fünf Workshops entscheiden.

Das Konzept nennt der Verein "Peers-Education": Schüler sollen gegenseitig voneinander lernen und sich zu mehr gesellschaftlichem Engagement begeistern. "Das kann ein Funke werden", schätzte Tellmann das Projekt ein. Weiter führte er aus, dass die Schüler durch die Workshops ihre eigenen Fähigkeiten besser einschätzen könnten. Zudem sollen sie Probleme in ihrem Lebensumfeld selbst erkennen und eine Veränderung aktiv anstreben, so Rülander. "Das ist eine ganz spannende Sache", sagte auch Hugo Fabian, ebenfalls Lehrer an den BBS.

Viele Fragen hatten die Teilnehmer des Workshops, der sich mit Migration beschäftigt hat, wie die Teamerin Vanessa Vogel zeigt. Foto: Philipp Helm

Einer der Workshops behandelte das Thema Flucht und Migration. Hier leiteten Mareike Hüntelmann und Vanessa Vogel die Gruppe an. Zu Beginn warfen die Schüler verschiedene Fragen auf: "Wie kommen die Flüchtlinge hier her?" oder "Wie fühlt es sich an zu flüchten?" Anschließend spielten die Teilnehmer ein sogenanntes Weltspiel, bei dem Einwohnerzahl und die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge pro Kontinent geschätzt werden mussten. Die Schüler hätten die Flüchtlingszahlen in Europa im Gegensatz zu anderen Kontinenten oft zu hoch eingeschätzt, berichtete Hüntelmann.

Domino-Effekt

"Wir geben die Rolle jetzt mal ab", sagte Fabian. Durch die Teamerausbildung könnten die Schüler einmal die Perspektive wechseln, so Rülander. Zudem seien die Workshops so von jeglicher Benotung durch einen Lehrer befreit. "Es gibt kein richtig und kein falsch", erklärte die Leiterin. 

Langfristig solle das Projekt, wie der Name bereits andeutet, einen Domino-Effekt haben. Fabian zufolge sollen sich die Schüler auch nach dem Ende politisch einsetzen. "Das soll ein nachhaltiges Projekt werden", bestätigte Rülander.


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