Projekt "Vitale Regionen" Experten tauschen sich in Papenburg über Neuheiten in der Pflege aus

Beim interaktiven Symposium des Projektes "Vitale Regionen" präsentierten (von links) Elisabeth Leicht-Eckardt, Ton Mulder, Martin Schnellhammer und Piet Alberts Unterstützungsmöglichkeiten für pflegebedürftige Senioren. Foto: Johanna FlintBeim interaktiven Symposium des Projektes "Vitale Regionen" präsentierten (von links) Elisabeth Leicht-Eckardt, Ton Mulder, Martin Schnellhammer und Piet Alberts Unterstützungsmöglichkeiten für pflegebedürftige Senioren. Foto: Johanna Flint
Johanna Flint

Papenburg. Über die „Pflege auf Distanz“ sowie das deutsch-niederländische Projekt „Vitale Regionen“ haben sich etwa 50 Experten und Mitarbeiter der Pflege in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg informiert.

Das „Vitale Regionen“-Projekt wird seit Ende 2017 und noch bis Ende des kommenden Jahres im Norden der Niederlande sowie in Nordwestdeutschland durchgeführt. Nach Angaben von Projektleiter Piet Alberts von der Stenden Hoogeschool in Leeuwarden hat das Projekt mittlerweile achtzehn Partner. Vier davon seien Hochschulen aus den Niederlanden und aus Deutschland. Zum Ziel habe „Vitale Regionen“ die Bildung von „lebendigen, unabhängigen und erlebnisreichen Dorfgemeinschaften“ mithilfe von verschiedenen digitalen Unterstützungsmöglichkeiten und moderner Technik.

"Der Weg über Angehörige ist kein belastbarer Weg"Referent Georg Hebbelmann

Unter anderem fördert das Projekt das autonome Wohnen. „Der Weg über Angehörige ist kein belastbarer Weg“, so Redner Georg Hebbelmann über die aktuelle Pflegesituation. Viele Angehörige könnten ihre Verwandten nicht pflegen, da sie eine Arbeit oder Kinder haben oder zu weit entfernt wohnen. 

Hebbelmann stellte dazu die Konzepte „in Haus“ und „Vitakt“ vor. Die Systeme werden im Haus des Pflegebedürftigen angebracht und erstellen mithilfe von Sensoren ein Aktivitätenprotokoll. Bei einer möglichen Notlage, wie beispielsweise langer, untypischer Inaktivität, wird ein Notruf abgesetzt und der Pflegebedürftige von einer Notrufzentrale der Firma durch einen Lautsprecher im Haus kontaktiert. Dies sei wichtig, da Hebbelmann zufolge etwa 90 Prozent der abgesetzten Notrufe unabsichtlich erfolgen oder sind Fehlalarme seien. Befindet sich der Pflegebedürftige tatsächlich in einer Notlage, werden Pflegekräfte alarmiert. „Durch die Kombination aus Vitakt und in Haus wird die Pflege auf Distanz ermöglicht und die Pflegedienste und pflegenden Angehörigen entlastet", erklärte Hebbelmann. 

Ein Koffer für Pflegekräfte

Martin Schnellhammer sieht die Lösung des Pflegeproblems in der "Santigo Gesundheitsstation" - einem Koffer für Pflegekräfte, der vom „Living Lab“ der Hochschule Osnabrück entwickelt wurde. Der Koffer beinhaltet neben verschiedenen medizinischen Geräten wie einem Blutdruckmessgerät, einem Thermometer und einer Waage auch ein Tablet. Dieses registriert sofort die beim Patienten gemessenen Werte und leitet diese an den zuständigen Arzt weiter. Dadurch wird laut Schnellhammer die Kommunikation zwischen Arzt und Pflegekraft bedeutend erleichtert und beschleunigt. Zurzeit werde der Koffer von drei niedersächsischen Pflegeeinrichtungen getestet, unter anderem auch in Meppen.


Martin Schnellhammer vom Living Lab der Hochschule Osnabrück ist überzeugt von der "Santigo Gesundheitsstaion". Foto: Johanna Flint

Außerdem unterstützt "Vitale Regionen" das sogenannte „Serious Gaming“. Dabei liegt nach Angaben von Maarten Stevens, CEO der Serious-Gaming-Firma 8D Games, der Fokus nicht auf der Unterhaltung, sondern auf der Verbesserung des Gedächtnisses und der physischen Gesundheit des Pflegebedürftigen. So haben beim 8D Game Senioren die Möglichkeit, während eines Spaziergangs mithilfe von „Augmented Reality“ Erinnerungen, wie beispielsweise die ehemalige Grundschule oder das Elternhaus auf der App zu speichern und später wieder abzurufen. Dadurch werde nicht nur das Gedächtnis trainiert, die Senioren werden außerdem zur Bewegung animiert. Laut Alberts sehr beliebt ist auch das "Maulwurfsspiel": Dabei werde die Beweglichkeit und die Reaktionsfähigkeit der Senioren getestet.

Das "Maulwurfsspiel" ist ein Bewegungsspiel für pflegebedürftige Senioren. Dabei gilt es, temporär erscheinende Hügel wieder in den Boden zu treten. Foto: Johanna Flint


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