Landkreis zertifiziert Demenz-Partner an BBS Papenburger Nachwuchspflegekräfte lernen Umgang mit Demenzkranken

Die Zertifikate sollen den zukünftigen Pflegefachkräften den Weg in den Beruf ebnen. Foto: Philipp HelmDie Zertifikate sollen den zukünftigen Pflegefachkräften den Weg in den Beruf ebnen. Foto: Philipp Helm

Papenburg. Zu Mittag essen, Kleidung anziehen oder der wöchentliche Einkauf: All diese Situationen fordern Menschen mit Demenz heraus. Der Landkreis Emsland hat nun 19 Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Papenburg als Demenz-Partner ausgezeichnet.

"Vor 20 Jahren war das noch kein Thema", sagt Rita Wallmann, die das Demenz-Servicezentrum beim Landkreis Emsland koordiniert. Sie meint damit die Krankheit Demenz. Durch den demografischen Wandel sei die Krankheit immer präsenter geworden, erklärt die Koordinatorin. Der Landkreis wollte sich dementsprechend vorbereiten und gründete 2011 das Servicezentrum. Es bietet unter anderem Vorträge, Fachtage und Seminare an. "Wir sind viel unterwegs", erzählt Wallmann.

Eines der Angebote ist das eintägige Seminar, das zum Demenz-Partner ausbildet. Dort erklärt Wallmann den Umgang mit dementen Patienten. Man solle beispielsweise Augenkontakt halten, einfache Sätze formulieren oder geduldig bleiben, so Wallmann. Teil der Schulung ist auch ein kurzer Film, in dem eine ältere Dame in einem Supermarkt umher irrt und eine überforderte Mitarbeiterin ihr nicht zu helfen weiß. Die Schüler sollen anhand dieses Beispiels lernen, wie man in einfachen Alltagssituationen Menschen mit Demenz helfen kann.

Parcours mit 13 Stationen

Um in die Lebenswelt der Patienten einzutauchen, gibt es im Seminar einen Parcours mit 13 Stationen. Dort wird das Mittagessen oder das Tischdecken am Morgen simuliert. Allerdings wird die Wahrnehmung durch Spiegel oder andere Handicaps erschwert.

Menschen mit Demenz würden Dinge wie den Umgang mit Messer und Gabel mit der Zeit verlernen, so Wallmann. Die Teilnehmer sollen durch den Parcours ihr Feingefühl schulen und dadurch neue Ansätze für die Arbeit mit Demenzkranken finden, sagt die Koordinatorin. "Man könnte beispielsweise Finger Food anbieten, statt mit Messer und Gabel zu essen."

Erst Theorie, dann Praxis

Die 19 teilnehmenden Schüler besuchen die Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege und spezialisieren sich auf die persönliche Assistenz. Die Demenz-Schulung sei vor allem in der Altenpflege wichtig, sagt Klassenlehrerin Vanessa Janssen. Die Schulung ist Teil des Lernfeldes Demenz an den BBS. Nach dem theoretischen Unterricht starten die Schüler in ein sechswöchiges Praktikum in der Pflege. 

Das Seminar ist eine Initiative der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Bundesweit haben bereits 50.000 Personen das Zertifikat zum Demenz-Partner erhalten. An der BBS Papenburg ist es inzwischen die zweite Schulung, die durchgeführt wurde.


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