Ideenwerkstatt im Forum Alte Werft Niedersachsen-FDP diskutiert in Papenburg über Stadt und Land im Wandel

Über 100 Besucher folgten der Einladung der FDP und kamen ins Forum Alte Werft. Foto: Philipp HelmÜber 100 Besucher folgten der Einladung der FDP und kamen ins Forum Alte Werft. Foto: Philipp Helm

Papenburg. Rund 100 Teilnehmer haben bei einer Ideenwerkstatt der FDP Niedersachsen im Forum Alte Werft über „Leben auf dem Land und in der Stadt“ diskutiert. Thematisiert wurden dabei Herausforderungen wie der Ärzteschwund, der Fachkräftemangel oder fehlende Bleibeperspektiven im ländlichen Raum.

Fünf Experten wurden im Vorfeld der Veranstaltung die gleichen Leitfragen zu Themen wie Gesundheitsversorgung, Raumordnung oder Landwirtschaft gestellt. In zehnminütigen Impulsreferaten gaben sie ihre Meinung wieder. Die Teilnehmer sollten dadurch für die anschließenden Workshops über das Stadt- und Landleben inspiriert werden. Die inhaltlichen Ergebnisse sollen auf dem Landesparteitag der FDP in Hildesheim erörtert und möglicherweise in die Landespolitik aufgenommen werden.

Verschiedenheit zwischen Stadt und Land

Der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning, stellte zu Beginn klar: “Die Kommunen sind die ersten Ansprechpartner für die Menschen vor Ort.” Seiner Ansicht nach sei die Verschiedenheit zwischen Stadt und Land stark ausgeprägt. So hätten Städte bessere finanzielle Möglichkeiten als die ländlichen Kommunen. Eine absolute Unterscheidung zwischen Stadt und Land sei allerdings zu verallgemeinernd. Es gäbe zahlreiche Mittelstädte, die mit ihrer Einwohnerzahl dazwischen lägen, so Arning.

Als Expertin zum Thema Raumplanung war die Wissenschaftlerin Kendra Busche vom Institut für Freiraumentwicklung der Universität Hannover geladen. Sie erkennt vor allem Potenzial in der verschiedenartigen Nutzung städtischer Flächen. Ihrer Meinung nach müssen soziale Kleinsträume erhalten bleiben, wie beispielsweise selbstgeschaffene Treffpunkte Jugendlicher. Baulücken sollten erschlossen und Flächen mehrfach genutzt werden. “Wir müssen Konflikte auch mal aushalten und nicht immer direkt bekämpfen”, sagte Busche. Dies erfordere Mut, würde aber für eine lebendigere Stadt für alle sorgen.

Ländliches Problem: Abwanderung junger Fachkräfte

Die Problematik ländlicher Räume sprach der Generalsekretär der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Rainer Danielzyk, an. An sich seien die niedersächsischen Kommunen erfolgreich. Doch bei der Abwanderung junger Fachkräfte gebe es Probleme. “Dann sehen die ländlichen Kommunen plötzlich nicht mehr so gut aus”, so Danielzyk. Bei den kleinen Mittelstädten gäbe es eine Aufmerksamkeitslücke. Hier müsse das Gefühl urbaner Vitalität geschaffen werden, um die jungen Menschen zu halten.

Auch Karl Martin Born von der Universität Vechta beschäftigte sich mit dem ländlichen Raum. Laut ihm gibt es kein Patentrezept dafür, wie der Raum genutzt werden sollte. Es gebe keine radikalen Veränderungen mehr, wie beispielsweise zu Zeiten des Emslandplans. Auf dem Land stehe man im Zwiespalt zwischen Tradition und Dynamik. Die Landwirtschaft sei weiterhin prägender Faktor. Im Einzelhandel dominieren nach Born vor allem Einzelhandelsketten: “Tante Emma ist tot.”

Ländliche Kommunen und die “Anpackermentalität” 

Janina Tiedemann, ehemalige Landesvorsitzende der niedersächsischen Landjugend, forderte, dass Bleibeperspektiven für junge Menschen auf dem Land geschaffen werden müssten. Probleme seien vor allem bei der Gesundheitsversorgung erkennbar: “Es fehlen 3000 Landärzte.” Zudem seien die Arbeits- und Betreuungszeiten inkompatibel zueinander. Außerdem seien viele neue Verkehrskonzepte auf die Stadt zugeschnitten. Tiedemann appellierte an die “Anpackermentalität” der ländlichen Kommunen: “Wir sind es gewohnt anzupacken.”

Der Generalsekretär der FDP Niedersachsen, Konstantin Kuhle, lobte den Ansatz der Ideenwerkstatt. Es war bereits die zweite Auflage für den Landesverband. “Ich freue mich, dass wir darüber diskutieren können”, sagte Kuhle. Der Veranstaltungsort Papenburg sei ideal, da die Region als Gegenbeispiel für die angeblich unterentwickelte Peripherie stehe. Die Partei möchte die Basis laut Kuhle in Zukunft stärker und mit neuen Wegen in die Landespolitik einbinden. “Die Parteien müssen sich reformieren“, sagte der Generalsekretär. Je eher man anfange, die Parteimitglieder zu involvieren, desto weniger strittig seien die Entscheidungen am Ende.


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