Düsterer Grundton Musical nimmt Publikum in Papenburg mit in die Goldenen Zwanziger

Von Philipp Helm

Das Musical Cabaret hat das Publikum in Papenburg mit in die Goldenen 1920-Jahre genommen. Foto: Philipp HelmDas Musical Cabaret hat das Publikum in Papenburg mit in die Goldenen 1920-Jahre genommen. Foto: Philipp Helm

Papenburg. Unter einen Schleier von Glitzer, Nebel und einem Hauch Erotik hat sich die Stadthalle in Papenburg gelegt. Das Musical Cabaret sorgte für einen spektakulären Ausflug in die Goldenen Zwanziger, hatte aber auch einen düsteren Grundton.

In der Aufführung reist der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw ins Berlin der frühen 1930er-Jahre, zu der Zeit eine der wichtigsten Metropolen der Welt und Partyhauptstadt. Er quartiert sich beim Fräulein Schneider ein und lernt später das Showgirl Sally Bowles kennen. Sie tritt im "Kit Kat Club" auf, geht mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung ein und wird letztendlich schwanger. 

Flucht nach Paris

Auch Fräulein Schneider findet ihr Glück mit dem jüdischen Obsthändler Herrn Schultz und verlobt sich. Doch der sich radikalisierende Nationalsozialist Ernst Ludwig bedroht die Beziehung und sorgt für die Annullierung der Verlobung. Bradshaw fühlt sich dadurch immer unsicherer und nachdem Bowles das gemeinsame Kind abtreibt, verlässt er die Stadt allein in Richtung Paris. 

Aktueller Bezug

Der Bezug des Stückes mit seinem immer weiter radikalisierenden Umfeld, die erstarkenden Parolen und die Gleichgültigkeit der Charaktere zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ist gewollt. Cabaret versteht sich auch als Mahnung, nicht den Extremisten das Feld zu überlassen. Die Inszenierung wirkt durch den Kontrast von glamouröser Leichtigkeit und politischer Radikalität beinahe skurril. Dabei verfehlt sie nicht ihre intendierte Wirkung.

Lichtspektakel und Musik versprühen Ambiente

Die Bühneninszenierung lässt keine Wünsche übrig. Das Lichtspektakel und die Musik versprühen das Ambiente eines 1920er Jahre Konzertsaals. Der Conférencier mit seinen Paillettenkostümen und die fast nur in Unterwäsche bekleideten Tänzerinnen sorgen mit ihren Showeinlagen für ein schillerndes Intermezzo. Die Witze sind derb und anstößig. Der erotische Charme und die sexuelle Emanzipation der Darsteller begleiten das Musical fortwährend. Von der Prüderie außerhalb Berlins zu Weimarer Zeiten ist nichts zu spüren.

"Ganz besonderer Abend"

Papenburgs Kulturreferent Ansgar Ahlers spricht von einem „ganz besonderen Abend“. Das Stück ist der Auftakt des Mixed Abos, der einen Schwerpunkt auf die 1920er-Jahre legt. Cabaret wurde von der Landesbühne Niedersachsen Nord inszeniert und feierte bereits in Wilhelmshaven Premiere. Die Resonanz der Zuschauer zeigte sich positiv. Marlies und Hardy Bierwes haben schon die großen Musicals in New York gesehen und gehen in Papenburg regelmäßig ins Theater. „Für die Möglichkeiten hier ist die Inszenierung gut“, lobt Hardy Bierwes die Aufführung.


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