Johannesburg weiht neue Wohngruppe ein Wie das "Haus Aschendorf" für Jugendliche zum Zuhause wird

Bewohner Mohammed erklärte einigen Gästen die Abläufe und Regeln im "Haus Aschendorf". Foto: Mirco MoormannBewohner Mohammed erklärte einigen Gästen die Abläufe und Regeln im "Haus Aschendorf". Foto: Mirco Moormann

Aschendorf. Mit einem geistlichen Segen ist die neue Wohngruppe der Johannesburg, "Haus Aschendorf", jetzt eingeweiht worden. Die acht Jugendlichen fühlen sich dort mittlerweile sehr wohl, wie sie selbst berichten.

Denn die Besucher erhielten zur Einweihung einen Erlebnisbericht aus erster Hand. Justin Tiedeken, Bewohner des "Haus Aschendorf", brachte die Maxime der Einrichtung auf den Punkt: "Wir sind füreinander da", sagte er und sprach das Miteinander in der Wohngruppe an. Neben Tischtennis und Billard gehe man auch gemeinsam in die Ferienfreizeit. Zwei Wochen in Dänemark und Holland hätten viel Spaß gebracht, sagte Tiedeken, der mit seiner selbst geschriebenen Rede die Anwesenden überraschte: "Wir freuen uns über unser neues Zuhause", sagte der junge Mann stellvertretend für die acht Bewohner. 

Bewohner Justin Tiedeken bei seiner Ansprache. Foto: Moormann

Ein "sehr schönes Zuhause" hätten sie nun, bestätigte Franz-Josef Lensker, Leiter der Johannesburg, der von einem "sehr schönen Tag", auf den man lange Zeit gewartet habe, sprach. Für die verhaltensauffälligen Jugendlichen soll in den Wohngruppen ein realitätsnahes Lebens- und Lernumfeld geschaffen werden, mit Nachbarn, Einkaufs- und Behördengängen, so Lensker, der von einer besonderen Situation in Aschendorf sprach. Denn im Ortskern eröffnete die Johannesburg 1980 die erste Wohngruppe, die nicht überall auf Gegenliebe stieß. Sogar eine Bürgerinitiative sei damals im Gespräch gewesen, sagte Lensker. Im Laufe der Jahre hätten sich die dezentralen Wohngruppen jedoch etabliert und stießen auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. 

Bewohner, pädagogische Mitarbeiter und Gäste bei der Einweihung vor dem "Haus Aschendorf". Foto: Moormann

Mehrere Betreuungspersonen kümmerten sich um die Bewohner, die zwischen 13 und 21 Jahren alt seien, worüber sich Bürgermeister Jan Peter Bechtluft freute. Die schönen und hellen Räume seien eine Wertschätzung gegenüber den Jugendlichen und den pädagogischen Mitarbeitern. Die jungen Bewohner könnten sich im "Haus Aschendorf" sicher und geborgen fühlen, "eine Basis finden und das Leben trainieren", so der Bürgermeister, der die Verbundenheit der Stadt gegenüber der Johannesburg betonte: "Sie machen die Stadt Papenburg durch ihre Arbeit zu einem besseren Ort."

Diakon Martin Hagedorn segnete das Haus, die Bewohner und zudem noch kleine Kreuze, die im Anschluss verteilt wurden. Foto: Moormann

Bevor Diakon Martin Hagedorn "das Gebäude und alle, die darin leben und arbeiten" segnete, gab der pädagogische Leiter Sebastian Vaske noch einen Überblick. Vor zwei Jahren hatte die Johannesburg das Siedlungshaus übernommen. Seither werden acht junge Männer von insgesamt fünf Mitarbeitern betreut. Drei der Bewohner seien in der Johannesburg beschäftigt, der Rest besuche andere Schulen oder sei in Ausbildung. Das "Haus Aschendorf" sei nicht nur eine Immobilie, sondern ergebe "mit der Gemeinschaft der Bewohner und Betreuer eine untrennbare Einheit", so Vaske. 

Die Wohngruppen der Johannesburg

Das "Haus Aschendorf"
Die Johannesburg betreibt mehrere Wohngruppen, allein neun für junge Männer. Das "Haus Aschendorf" ist eine davon. 
Die pädagogische Ausrichtung der Wohngruppe ist stark auf Verselbstständigung ausgerichtet. Adressaten sind männliche Jugendliche ab 14 Jahren oder in Ausnahmefällen auch jünger, die einen stark strukturierten Tagesablauf mit direkten und klaren Ansprachen benötigen; zeitgleich aber auch den positiven und verlässlichen Rahmen einer annehmenden und haltgebenden Beziehungsarbeit erfahren sollen.
"Haus Aschendorf" verfügt über acht Plätze im Stammhaus. Davon sind zwei Zimmer im Obergeschoss des Hauses untergebracht, die -im Sinne einer abgeschotteten WG- als Trainingsbereich für den nächsten Schritt zur Verselbstständigung dienen. Die Jugendlichen in diesem Bereich verfügen auch über eine eigene Küche und verpflegen sich (unter Anleitung) selber. Ziel ist es, die Jugendlichen für das Betreute Wohnen oder aber die eigene Wohnung vorzubereiten.
Darüber hinaus gehören zwei "ausgelagerte Wohngruppenplätze", Einzimmerwohnungen im Umkreis von 500 Metern zu "Haus Aschendorf", welche zur endgültigen Ablösung aus dem vollstationären Bereich und zum Training einer eigenverantwortlichen Lebensführung konzipiert sind.
Die tägliche Unterstützung in lebenspraktischen Bereichen, ein Mitspracherecht der Jugendlichen bei der Gestaltung des Alltags, die soziale Integration im Ort sowie systemische Ansätze bei der Elternarbeit sind zentrale Eckpfeiler, die "Haus Aschendorf" auszeichnen. (Quelle: Johannesburg)


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