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Nachbarn brauen neben Vollzeitjob Ab sofort hat Papenburg ein eigenes Bier

Stehen hinter dem Papenburger Landbier: (v.l.) Wilhelm Tallen und Hermann-Josef Schleinhege. Foto: Daniel Gonzalez-TepperStehen hinter dem Papenburger Landbier: (v.l.) Wilhelm Tallen und Hermann-Josef Schleinhege. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. Warum gibt es in Papenburg eigentlich keine Brauerei und kein Bier, das hier gebraut wird? Diese Frage haben sich Hermann-Josef Schleinhege und Wilhelm Tallen im Februar gestellt. Knapp fünf Monate später haben sie die Situation geändert.

Beide sind Nachbarn an der Karlstraße und gute Freunde. Außerdem sind sie im Vorstand des Heimatvereins aktiv, Tallen als Schatzmeister und Schleinhege als stellvertretender Vorsitzender. „Zur Von-Velen-Anlage würde ein Papenburg-Bier ganz hervorragend passen“, waren sich die beiden Papenburger im März mit ihren Vorstandskollegen einig. Schließlich soll im 16. Jahrhundert ganz in der Nähe der heutigen Von-Velen-Anlage, also dem Freilichtmoormuseum, die erste Papenburger Bierbrauer gelebt haben, der ursprünglich aus Völlen stammt. Und das zu Zeiten Dietrich von Velens, dem Gründer Papenburgs.

Nur vier Monate später sind Tallen und Schleinhege am Ziel. Sie haben eine eigene kleine Brauerei aus dem Boden gestampft und sind bei ihrer ersten großen Bewährungsprobe, dem Papenburger Bierfest am Arkadenhaus am 6. Juli, mit ihrem „Papenburger Landbier“ auf eine überwältigende Resonanz gestoßen. Obwohl sie nur kleine Gläser zum Probieren ausgeschenkt haben, waren die mitgebrachten sieben Kisten Bier schnell leer.

Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Bis dahin waren vier Monate harte Arbeit notwendig, die die beiden 56-Jährigen neben ihren Vollzeitjobs stemmten. Wilhelm Tallen ist Anästhesie- und Intensivpfleger und im Pflegemanagement des Marien-Hospital tätig, Hermann-Josef Schleinhege ist selbständiger Maschinenbau-Ingenieur und im Bereich Windkraftanlagen aktiv. Während Tallen sich Wissen im Brauen und Abfüllen durch Bücher und den Besuch kleiner Brauereien aneignete, kümmerte sich Schleinhege um den Einkauf von Flaschen und anderen Utensilien, die Anmeldung des Kleinunternehmens, das Marketing, die Entwicklung des Etiketts oder um die Internetseite. Auch das Gesundheitsamt musste früh beteiligt werden, schließlich geht es um ein Lebensmittel. Und der Zoll wurde kontaktiert, weil es in Deutschland eine Biersteuer gibt, die Bierbrauer ab einer Jahresmenge von 200 Litern und einem Verkauf des Bieres abführen müssen.

Der Bezug des Papenburg-Bieres zur Von-Velen-Anlage am Obenende ist groß. Dort ist die private Idee weiterentwickelt worden, ein eigenes Bier für die Fehnstadt zu kreieren. Foto: Hermann-Josef Schleinhege

Zuletzt fast an jedem Samstag gebraut

Fast jeden Samstag sind sie in den vergangenen Wochen in ihrer kleinen Braustube gewesen, setzten sieben bis acht Stunden Sude an, füllten sie in 0,33 Liter-Flaschen ab, setzten Kronkorken auf und klebten Etiketten auf. Und alles per Hand, weil es (noch) an Maschinen fehlt. „Es war viel Arbeit, und unsere Frauen können das Thema Bier auch langsam nicht mehr hören“, scherzen die Jungunternehmer. Aber die positiven Rückmeldungen, die sie von Testern und ersten Kunden bekommen haben, und die vielen Kontakte, die in der kurzen Zeit durch das Projekt entstanden sind, haben sie nach eigenem Bekunden immer wieder angetrieben. 

Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Mit den ersten Umsätzen soll nun die Produktion ausgebaut werden. Die soll demnächst in ein Haus am Splitting ziehen, das ihnen aus einer Erbschaft in der Familie gehört. Vor allem die Kühlung muss erweitert werden, weil das frisch gebraute Bier in der ersten Reifephase gekühlt werden muss. Etwa sechs Wochen dauert es vom Aufsetzen der Maische bis zum fertigen Bier. Auch eine kleine Abfüllanlage soll her. Die Bierkisten aus Holz lassen beide in der Caritas Werkstatt in Börger fertigen.

Lager ist derzeit leer

Wegen der großen Nachfrage ist das gesamte kleine Lager derzeit leer, gleichzeitig gibt es eine lange Liste von Vorbestellungen. Die aktuell mehrwöchige Wartezeit soll spätestens im Herbst reduziert sein. Noch ist das Papenburger Landbier nur über den Onlineshop bestellbar, eine Zusammenarbeit mit ausgewählten Gastronomen in Vorbereitung. Und in der von-Velen-Anlage soll es wieder erhältlich sein, wenn nachgebraut ist. Schließlich ist dort die Idee entstanden.

Beim Landbier, einem hellen und sehr mildem Bier, soll es übrigens nicht bleiben. Ein Dunkles ist in Arbeit, das sei brautechnisch aber noch einmal eine größere Herausforderung, sagt Wilhelm Talle. Irgendwann wollen die Neubrauer auch die Zutaten wie Gerste, Malz und Hopfen selbst anbauen. Mit ersten Hopfenpflanzen experimentieren sie bereits in ihren Gärten an der Karlstraße. Aber, so betonen beide: An ihren Vollzeitjobs wollen sie festhalten und das Bierbrauen weiterhin nur in der Freizeit beziehungsweise als Nebenjob betreiben.

Haben die Gesellschaft "Die Bierbrauer TS OGH" gegründet, um das Papenburger Landbier zu vertreiben: (v.l.) Wilhelm Tallen und Hermann-Josef Schleinhege. TS steht für Tallen und Schleinhegen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper



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