Mehr als nur ein Dach über dem Kopf So sehen die neuen Unterkünfte für Wohnungslose in Papenburg aus

Innerhalb von sieben Monaten wurde der Neubau an der Gutshofstraße fertiggestellt. Foto: Gerd SchadeInnerhalb von sieben Monaten wurde der Neubau an der Gutshofstraße fertiggestellt. Foto: Gerd Schade 

Papenburg. Nach sieben Monaten Bauzeit hat der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) Papenburg am Freitag sein neues „Haus Arche“ feierlich eingeweiht. Für 786.000 Euro sind nach Abriss des Altbaus an der Gutshofstraße acht kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten und drei Übergangswohnungen entstanden.

„Wer kein Dach über dem Kopf hat, verliert den Boden unter den Füßen.“ Dieser Spruch prangt an der Wand hinter dem provisorischen Rednerpult, das die Organisatoren anlässlich der Feierstunde im Tagesaufenthaltsraum des Hauses Arche aufgestellt haben. SKFM-Geschäftsführer Holger Gerdes spricht von einer „sehr intensiven Bauphase“. Und doch seien die sieben Monate „überraschend kurz“ gewesen und hätten sich „angefühlt wie sieben Tage“.

SKFM-Vorsitzender Ulrich Nehe hebt die Bedeutung der Wohnungslosenhilfe hervor – erst recht in einer Zeit, wo Wohnraum immer knapper werde. Dabei sei das Recht auf Wohnraum international verbrieft. „Ein Leben in Würde ist ohne angemessenen Wohnraum nicht möglich“, betont Nehe. Es sei eine christliche Pflicht, Menschen zu unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Im Übrigen sei Wohnungslosigkeit in den seltensten Fällen ein Selbstverschulden.

Übernachtungsstelle mit zwei Betten. Foto: Gerd Schade

Nehe erinnert daran, dass die Situation in dem maroden 1950er-Jahre-Altbau des Hauses Arche nicht mehr tragbar gewesen und eine Sanierung aus ökonomischen Gründen nicht infrage gekommen sei. Bei der Finanzierung halfen nach seinen Worten die Stadt Papenburg (275.000 Euro), die Deutsche Fernsehlotterie (200.000 Euro) und der Landkreis Emsland (78.600 Euro). Der für den SKFM verbleibende Eigenanteil in Höhe von 232.400 Euro habe dank großzügiger Sponsoren um fast die Hälfte reduziert werden können, so Nehe.

Dusche und WC. Foto: Gerd Schade

Namentlich nennt der SKFM-Vorsitzende in diesem Zusammenhang die Papenburger Meyer Werft und das Bauunternehmen Bunte. Letzteres hatte unter anderem einen Container als Übergangsquartier zur Verfügung gestellt. Ein dickes Lob spricht Nehe außerdem den Bauunternehmern Heinz und Klaus Thesing aus Aschendorf aus, die den Bau als Generalunternehmer hervorragend koordiniert hätten. Der Neubau umfasst vier Übernachtungseinheiten mit je zwei Betten in einem kleinen Zimmer, Bad und Kleinstküche sowie drei geräumigere Übergangswohnungen.

Die Küche in einer der Übernachtungseinheiten. Foto: Gerd Schade

Was die Wohnungslosenhilfe beim SKFM ausmacht, skizzieren Lore Wittrock und ihr fünfköpfiges Team kurz. Demnach reicht die Unterstützung auch dank ehrenamtlicher Helfer von einem geschützten und sicheren Schlafplatz über den Tagesaufenthalt samt Mittagstisch für Bedürftige bis hin zu ganzheitlicher ambulanter Hilfe für die gesellschaftliche Wiedereingliederung inklusive fester Tagesstruktur und Beschäftigungsmöglichkeit. „Was wir bieten, ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das kann schnell gehen, aber auch viele Jahre dauern“, sagt Wittrock. Sie macht deutlich, dass die Wohnungslosenhilfe in familiärer Atmosphäre mehr bietet als „nur“ ein Obdach.

Die Gäste nahmen die Wohnküche in einer der drei Übergangswohnungen in Augenschein. Foto: Gerd Schade

Diesen ganzheitlichen Ansatz würdigen auch Bürgermeister Jan Peter Bechtluft („Der SKFM leistet einen wichtigen Beitrag, dass Papenburg das Prädikat ,soziale Stadt‘ verdient hat“) und die emsländische Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis („Was beim SKFM Papenburg passiert, ist einmalig im Landkreis“). Sie würdigt in diesem Zusammenhang das Wirken des ehemaligen SKFM-Geschäftsführers Norbert Schmidt. Pastor Gerrit Weusthof, der den kirchlichen Segen spricht, ist froh, dass "in Papenburg kein Mensch auf der Straße leben muss".

Foto: Gerd Schade

Am Sonntag, 23. Juni 2019, lädt der SKFM ab 11 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Um 10 Uhr findet ein Gottesdienst in der St.-Josef-Kirche statt.

Foto: Gerd Schade


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