Beide Angeklagte drogenabhängig Geständnis im Prozess wegen schweren Diebstahls in Papenburg

Überwiegend Kokain konsumiert die angeklagte 40-Jährige, und das seit ihrem 18. Lebensjahr. Die Frau musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Papenburg wegen schweren Raubes verantworten. Symbolfoto: Imago Images/RevierfotoÜberwiegend Kokain konsumiert die angeklagte 40-Jährige, und das seit ihrem 18. Lebensjahr. Die Frau musste sich jetzt vor dem Amtsgericht Papenburg wegen schweren Raubes verantworten. Symbolfoto: Imago Images/Revierfoto

Papenburg. Im Prozess gegen zwei 40 beziehungsweise 38 Jahre alte Frauen am Amtsgericht Papenburg ist es am ersten Prozesstag zu einem Geständnis der älteren Angeklagten gekommen, die jüngere kündigte für den nächsten Verhandlungstag ein solches an. Die 40-Jährige wird voraussichtlich in eine geschlossene Entzugsklinik eingewiesen.

Es sind erschütternde Einblicke in ein scheinbar völlig verkorkstes Leben, welches die 40 Jahre Angeklagte auf Nachfrage von Richter Gerhard Többen und des Staatsanwalts gewährt. Erste Alkoholerfahrung mit 14 Jahren, weiche Drogen ab dem 16. Lebensjahr, Hartdrogen, überwiegend Kokain, seitdem sie volljährig ist. Keine Ausbildung, eine Karriere als Türsteherin in einem Bordell, Gewalt, Diebstähle, Aufenthalte in Justizvollzugsanstalten, dazu eine Persönlichkeitsstörung (Borderline) und Angstzustände. Auch der Bewährungshelfer und die rechtliche Betreuerin, die der Frau zur Seite gestellt wurden, lassen beide kaum ein gutes Wort für die Frau übrig. Fast alle begonnenen Therapien, Auflagen oder Programme wurden abgebrochen.

(Weiterlesen: Mutmaßliches Diebes-Duo in Papenburg vor Gericht)

Der Frau wird vorgeworfen, ihren Vermieter bestohlen zu haben. Einen Schlüssel zu seiner Haustür will sie auf der Einfahrt gefunden haben, durch Aufenthalte bei ihm zum Frühstück habe sie nach eigenem Bekunden gewusst, dass sich eine Urlaubskasse in der Küche des Mannes befunden hat. Sie bestritt indes, sieben Mal zugegriffen und insgesamt 782 Euro gestohlen zu haben, wie es in der Anklage heißt. Die Frau gestand aber zwei Fälle, bei denen etwa 100 Euro entwendet worden sein soll. Das Geld nutzte sie für ihren kranken Hund. "Er ist mein Leben", sagte die Frau. Auch bei der zweiten, ihr zur Last gelegten Tat räumte sie ein, dabei geholfen zu haben, aus der Kasse einer Gaststätte am Gasthauskanal Geld zu stehlen. In der Anklageschrift ist von 4000 Euro die Rede, die Angeklagte spricht von maximal 1700 Euro. Initiatorin dieses Raubes soll indes die Mittäterin sein. Die 38-Jährige arbeite als Kellnerin in dem Lokal und forderte von der Betreiberin noch Lohnzahlungen. Sie erhielt nach Angaben der 40-Jährigen auch das gesamte, aus der Kasse geraubte Geld. Die 38-Jährige soll auch die PIN-Nummer gewusst haben, um die Kasse zu öffnen.

Angeklagte bei Aussage "emotional aufgewühlt"

Die Erkrankungen und Abhängigkeit von Betäubungs- und Beruhigungsmittel sind der 40-Jährigen bei ihrer Aussage spürbar anzumerken. Immer wieder steht sie auf, unterbricht Sätze, fängt an zu weinen, wirkte abgemagert und geschwächt. Als "emotional-aufgewühlt" bezeichnete Többen den Zustand der Frau. Auf seinen Vorschlag hin wird die 40-Jährige nun von einem Gutachter des AMEOS-Klinikum Osnabrück (psychiatrische Klinik) untersucht, danach wird es aller Voraussicht nach zu einer Unterbringung in einer Entzugsklinik kommen.

Zeit für eine Vernehmung der 38 Jahre alten Angeklagten gab es nicht mehr. Der Grund: Sie musste zu einer Methadon-Einnahme in Leer. Der Prozess gegen die Frau, die bis vor vier Wochen wegen einer anderen Tat in Vechta in Haft saß, wurde abgetrennt und wird am Donnerstag, 20. Juni 2019, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Die Angeklagte kündigte ein Geständnis an. Ihr wird neben dem bereits erwähnten Diebstahl aus der Gaststätte am Gasthauskanal vorgeworfen, am 7. Juli 2018 zwischen 15 und 17 Uhr im Freibad Papenburg einen Spind aufgebrochen und dort ein Mobiltelefon sowie ein Portmonee gestohlen zu haben. In diesem befanden sich gleich drei EC- und Kreditkarten. Mit den Karten soll die 38-Jährige noch am gleichen Tag aus einem Geldautomaten insgesamt 5500 Euro entwendet haben. Wie sie an die PIN-Nummern kam, blieb zunächst unklar.


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