Lesung im Garten Schriftstellerin Meike Winnemuth gerät in Papenburg ins Plaudern

Einen Rundgang durch den Garten unternahmen vor der Lesung (von links) Manuela Gulbins-Eissing, Meike Winnemuth und Ute Nehe. Foto: Susanne Risius-HartwigEinen Rundgang durch den Garten unternahmen vor der Lesung (von links) Manuela Gulbins-Eissing, Meike Winnemuth und Ute Nehe. Foto: Susanne Risius-Hartwig

Papenburg. „Wir atmen uns die Zelte warm.“ Mit diesen Worten hat Schriftstellerin Meike Winnemuth ihre etwa 90 Zuhörer in der „Alten Gärtnerei“ in Papenburg ermutigt, bei abendlichen 10 Grad Außentemperatur auszuhalten.

Auf Einladung der Buchhandlung Eissing stellte die Autorin ihr neues Buch „Bin im Garten“ vorgestellt - mit Blick ins Grüne und begleitet von Vogelgezwitscher.

Schon 2013 sei Papenburg ihre liebste Station gewesen, als sie ihren Weltreise-Bericht „Das große Los“ vorgestellt habe. „Ich hatte ganz viele Termine bei dieser Lesereise. Aber keiner hat mir so viel Spaß gemacht wie damals Papenburg“, schwärmt Winnemuth. Im Besucherzentrum der Meyer-Werft sei sie auf den Geschmack auf Kreuzfahrten gekommen. Zum zweiten Mal nehme sie die Einladung an, ihr Buch während einer Reise an Bord vorzustellen. „Zwei Lesungen in zwei Wochen, das entspricht meiner Definition von Work-Live-Balance“, scherzt Winnemuth gut gelaunt.

„Zufällig“ ein Haus gekauft

In einer Mischung aus munterem Plaudern und Vorlesen nimmt die Hamburger Journalistin und Bloggerin ihre Zuhörer mit auf eine „Abenteuer-Reise in ein unbekanntes Land“, das nur „ein paar Schritte hinter meiner Terrassentür beginnt.“

Sie habe ein Faible für Zwölf-Monats-Projekte und sei bekennende Anfängerin, berichtet die 58-Jährige. Darum sei auch ihr neues Buch wieder wie ein Tagebuch geführt von Januar bis Dezember. Im ersten Teil gehe es mehr um den Garten, im zweiten darum, wie sie selbst sich durch das Gärtnern verändert habe.

Winnemuth spricht, und die Zuhörer begleiten die Frau dabei, wie sie rein „zufällig“ und spontan ein Haus an der Ostsee kauft, Pläne für das Grundstück schmiedet und sich Wissen anliest. Und wie sie Werkzeug kauft und voller Tatendrang anfängt zu gärtnern. Sie lachen mit ihr, wenn sie sich selbst überschätzt, lernen mit ihr aus den Fehlversuchen und freuen sich über ihre Erfolge. „Wenn man etwas neu anfängt, hat man schnell die Illusion besser zu werden,“ gesteht Winnemuth. Inzwischen kennt sie sich wohl wirklich aus. Die Fotos, die sie gerade bei Instagram eingestellt hat, musste sie mit den lateinischen Pflanzennamen beschriften. „Die deutschen Namen fielen ihr einfach nicht mehr ein“, so Winnemuth.

„Gnädiger und geduldiger geworden“

Man werde zum Nerd, wenn man sich so intensiv in ein Thema vertiefe, gibt die 58-Jährige zu. Und sie teilt mit den Zuhörern den Moment, in dem sie feststellt, dass sich ihr Wunsch erfüllt hat und sie einen Platz gefunden hat, an dem sie sich heimisch fühlt. Gnädiger und geduldiger sei sie geworden. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht und Karotten mögen es nicht, zurückgestopft zu werden.“

Nach unterhaltsamen Episoden über ein Werkzeug mit dem Namen „Wiedehopfhaue“, das anmutet wie ein Requisit aus der martialischen Serie „Game of Thrones“, Pilzkulturen in der Dusche und einem blutigen Kampf mit einer verhassten gelben Rose, der „zickigen Bitch des Pflanzenreiches“, wird es manchmal auch besinnlich. Etwa wenn die stolze Gartenbesitzerin die Besonderheit ihrer „Backdoorshoes“ beschreibt, die auf magische Weise die Zeitwahrnehmung beeinflussen oder sie von der dankbaren Erkenntnis spricht, die ihr beim Lauschen einer Bach-Kantate kam: „Ich habe genug, mir fehlt nichts.“

Das Buch „Bin im Garten“ ist im Penguin-Verlag erschienen (ISBN 978-3-328-60045-9) und kostet 22 Euro.


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