Diskussion mit Politikern Gartenbauer kritisieren in Papenburg zu starke Regulierung

Angeregte Diskussion vor den Paprikapflanzen: (von links) Friedrich Schulz, Daniel Schulz, Stefan Schulz, Gitta Connemann, Helmut Dammann-Tamke und Bernd Busemann. Foto: Micha LemmeAngeregte Diskussion vor den Paprikapflanzen: (von links) Friedrich Schulz, Daniel Schulz, Stefan Schulz, Gitta Connemann, Helmut Dammann-Tamke und Bernd Busemann. Foto: Micha Lemme
Micha Lemme

Papenburg. Politiker aus dem Bundestag und dem Landtag haben den Gartenbaubetrieb Friedrich Schulz in Papenburg besucht. In einer Diskussionsrunde mit den Politikern brachten die anwesenden Gartenbauer und Landwirte ihre Kritik zum Ausdruck: Zu starke Regulierung, zu starre Bürokratie.

Gartenbauer Friedrich Schulz, der den 50-Mitarbeiter-Betrieb im Papenburger Süden leitet, führte die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) sowie die beiden Landtagsabgeordneten Bernd Busemann (CDU) und Hermann Dammann-Tamke (CDU), agrarpolitischer Sprecher seiner Fraktion, durch den Paprika-, Kräuter- und Salat-Anbau seines Unternehmens. Begleitet wurden sie von rund 20 Gartenbauern und Landwirten der Region, die zu einer thematisch breitgefächerten Diskussion beitrugen.

Thema Pflanzenschutzmittel auf der Agenda

Beim Thema Pflanzenschutzmittel bemängelte ein Gartenbauer, dass das Pflanzenschutzamt in Niedersachsen Pflanzenschutzmittel verbiete, die in anderen Bundesländern zulässig seien. „Diese Problematik ist bisher noch nicht an mich herangetragen worden. Das werde ich mitnehmen, ein zusätzlicher Wettbewerb unter den Bundesländern geht gar nicht“, sagte Dammann-Tamke.

Connemann legte beim Thema Pflanzenschutzmittel nach: „Hier müssen die ideologischen Scheuklappen abgelegt werden. Der Begriff Pestizide wird immer nur negativ wahrgenommen.“ Am Ende müsse es doch in erster Linie darum gehen, gesunde Pflanzen ernten zu können. Es gelte, den Zulassungsstau für Pflanzenschutzmittel bei den Behörden noch schneller abzubauen. Hier stimmten die Gartenbauer ein und machten klar: Die Konkurrenz aus den Niederlanden sei deutlich weniger reguliert.

Friedrich Schulz (links) zeigt den Gästen, wie Läuse für die Entwicklung von Nützlingen dienen können. Foto: Micha Lemme

Als zukünftige Herausforderung für den Gartenbau erkannte Daniel Schulz, Sohn von Friedrich Schulz, die zunehmende Konzentration bei den Gartenbaubetrieben: „Es wird in Zukunft noch weniger Betriebe geben. Und die werden noch größer werden. Mittelfristig kann es sein, dass die großen Ketten dann auch selber produzieren und die mittelständischen Produzenten übergehen.“

„Regionalisierung“ kein Problem der Politik

Ein Landwirt mit Legehennenbetrieb beklagte die „Regionalisierung“, die ihm vorschreibe, einen gewissen Anteil des Ein- und Verkaufs nur in Niedersachsen und angrenzenden Gebieten zu betreiben: „Dadurch grenzen wir den Markt ein. Die Niederländer können ihr Futter in ganz Europa kaufen.“ An dieser Stelle konnten die Politiker nur passen. Über eine Vorlage zur Bildung von Regionen habe man politisch noch nie abgestimmt. Dies sei eher auf Verbände und Handelsketten zurückzuführen.

An einigen Punkten wurde die Diskussion zunehmend emotional, sachliche Argumente rückten in den Hintergrund. „Die Politik der CDU ist völlig daneben, momentan hakt es überall. Vor allem die Energiewende kommt uns noch teuer zu stehen“, warnte einer der Gartenbauer. Connemann versuchte der Emotionalität entgegenzuwirken: „Pauschalvorwürfe mag ich ja überhaupt nicht. Ich habe übrigens gegen die frühzeitige Energiewende gestimmt.“

Tierwohl-Label: Den Worten Taten folgen lassen

Auch das Thema Tierwohl-Label fand Beachtung. Connemann und Dammann-Tamke bezogen hier übereinstimmend Stellung. „Über ein solches Label wollen und können wir erreichen, dass der Kunde seine mündliche Zusage jetzt auch mit Taten übereinbringen kann“, erklärte der Landtagsabgeordnete. Connemann pflichtete ihm bei: „Wenn die Verbraucher mittelständische Betriebe wollen, dann müssen sie am Ende auch bereits sein, für die Produkte mittelständischer Betriebe zu bezahlen. Und da sind die Preise häufig höher.“

Blumen, Kräuter und Gemüse zum Abschied – wie sollte es anders sein. Foto: Micha Lemme

Abschließend bekamen die Gäste aus der Bundes- und Landespolitik noch einige Themen mit auf den Weg: So wurde die problematische EEG-Umlage für Gartenbauer zur Sprache gebracht, die fehlende Unterstützung für Betriebe beim Thema CO2-Neutralität kritisiert und die zeitnahe Öffnung der Märkte für Arbeitskräfte aus der Ukraine gefordert.

„Wir brauchen die Arbeitskräfte hier vor Ort, sonst geht es irgendwann nicht mehr“, unterstrich Daniel Schulz. „Wir haben das auf dem Schirm. Und auf Regierungsebene finden bereits bilaterale Gespräche mit der Ukraine statt“, meinte Connemann zum Abschluss der vielschichtigen Diskussion.


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