Mit 18 Jahre altem Seat Ibiza Stavernerin gewinnt Landesentscheid der Autotuner in Papenburg

Mit ihrem Seat Ibiza gewann Jasmin Scheffelt den Landesentscheid der Autotuner in Papenburg. Foto: Christian BellingMit ihrem Seat Ibiza gewann Jasmin Scheffelt den Landesentscheid der Autotuner in Papenburg. Foto: Christian Belling

Papenburg. Pink kommt er daher. Sehr pink sogar. Von außen und auch von innen. Die Rede ist von einem 18 Jahre alten Seat Ibiza. Das Auto von Jasmin Scheffelt aus Stavern wird für Niedersachsen am Bundesentscheid der Autotuner teilnehmen. Beim Landesentscheid in Papenburg setzte sich die 37-Jährige gegen ihre sechs männlichen Konkurrenten durch.

Wer am Karsamstag auf dem Festivalgelände an der Meyer Werft dröhnende Bässe oder durchdrehende Reifen erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Entspannt und ohne Vorkommnisse ging der Landesentscheid über die Bühne, zu dem sich im gesamten Tagesverlauf mehr als 200 Autotuner auf dem weitläufigen Gelände einfanden.

Mit Samtbezug daher kommt der Innenbereich des 18 Jahre alten Seat Ibiza. Foto: Christian Belling

Mit der Durchführung des niedersächsischen Landesentscheids war der Verein "Crazy Rides Emsland" von den Organisatoren der "German Tuning Masters" betreut worden, die die Deutsche Meisterschaft der Autotuner in diesem Jahr erstmalig ausrichten. "Hier in Papenburg passt einfach das Gesamtpaket", sagt Ramon Arnold, Projektleiter der German Tuning Master. Der niedersächsische Landesentscheid war der erste von den insgesamt 16, die in den nächsten Wochen stattfinden werden. Der Bundesentscheid wird im Dezember in Hannover über die Bühne gehen.

Gratulierten der Siegerin zum Landestitel: Ramon Arnold (links), Projektleiter der "German Tuning Master" und Thorsten Wessels, Vorsitzender des Vereins "Crazy Rides Emsland." Foto: Christian Belling

Die niedersächsischen Farben wird dabei Jasmin Scheffelt mit ihrem Seat Ibiza vertreten. "Dass ich hier gewinne, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, aber gehofft schon", erzählt die Stavernerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine Fachjury hat anhand eines vom TÜV geprüften Kriterienkatalogs die angemeldeten Fahrzeuge bewertet und die Gewinner gekürt. "Am wichtigsten ist für uns, dass alles legal und die Zulässigkeit laut Straßenverkehrsordnung gegeben ist", erklärt Jurymitglied Thorsten Wessels, Vorsitzender des Vereins "Crazy Rides Emsland". 

Mehr als 200 Freunde des Autotunings präsentierten am Karsamstag auf dem Festivalgelände der Meyer Werft ihre technisch und optisch veränderten Fahrzeuge. Foto: Christian Belling


Das Bewertungssystem berücksichtigte auch, wenn die Freunde des Autotunings an ihren Fahrzeugen selbst Hand anlegten und nicht alles in einer Fachwerkstatt machen ließen. "Die Gewinnerin hat viel selbst an ihrem Auto gemacht und dabei viel Kreativität gezeigt", lobt Wessels. Was genau, verrät die Siegerin selbst. "Den technischen Umbau, die Umgestaltung des Innenraums oder das neue Fahrwerk und die Felgen nahmen mein Mann Wolfgang und ich gemeinsam vor." 

Einen Blick in den Motorraum seines VW Golf 7 gewährte Domenik Dirksen (rechts) aus Dörpen seinem Kollegen Jan Lüdtke aus Wiesmoor. Foto: Christian Belling


Als Neuwagen im Jahr 2001 gekauft, nahm sie in den vergangenen Jahren nach und nach den optischen und technischen Umbau des Autos vor. "Ich bin mit Autoblut auf die Welt gekommen, Schuhläden waren mir immer egal", so Scheffelt. Die ehemalige Soldatin hat nach eigenen Angaben "jetzt Blut geleckt" und will auch beim Bundesentscheid möglichst weit vorne landen. Was sie neben unzähligen Arbeitsstunden in ihrer Freizeit finanziell in das Auto gesteckt hat, benennt sich nicht in einer Summe. "Nur so viel: Vom Wert her, steckt ein Audi A 4 drin."

Mit Westernfiguren hat Andreas Meinders aus Flachsmeer seinen Opel Vectra C ausgestattet, der zudem mit Airbrush-Elementen daherkommt. Foto: Christian Belling


Mit dem Verlauf des Landesentscheids zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden. "Hier läuft alles gesittet, legal und fast schon familiär ab", so Projektleiter Arnold. Nach seinen Worten der Grund dafür, warum "Crazy Rides Emsland" und Papenburg den Zuschlag für die Ausrichtung bekam. "Viele andere Verein in Niedersachsen haben ihr Interesse daran bekundet, aber hier passt es einfach." Und das sogar so gut, dass Arnold zufolge der Landesentscheid auch in den kommenden Jahren in der Fehnstadt stattfinden soll.

Präventiv unterwegs: Die Polizisten Gerd Wagner (links) und Gerd Müßing zeigten einen infolge eines Verkehrsunfalls demolierten BMW. Foto: Christian Belling


Darüber freut sich natürlich auch Wessels. "Im engen Austausch mit der Meyer Werft, der Polizei und dem THW sorgen wir dafür, dass hier alles im Rahmen verläuft." Wichtig sei es den Verantwortlichen, die Tuner-Szene aus einer Schublade zu holen. "Tuner werden häufig in einem Zusammenhang mit Posern genannt. Aber davon distanzieren wir uns entschieden", stellt Wessels klar und fügt an: "Wir definieren unser Fahrzeug und nicht uns über das Fahrzeug."

Ohne Fahrerlaubnis war im Oktober 2013 in Dersum ein 17-Jähriger mit dem nicht zugelassenen BMW unterwegs, mit er von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Der 17-Jährige überlebte den Unfall schwer verletzt. Foto: Christian Belling


Den ruhigen Verlauf der Veranstaltung bestätigten auch Gerd Müßing und Gerd Wagner von der Polizei Papenburg. "Hier benehmen sich alle, die Organisation ist top", berichtet Wagner. Die beiden Polizisten waren den gesamten Tag über vor Ort, um hauptsächlich vor den Folgen eines Verkehrsunfalls zu warnen. Dafür hatten sie einen demolierten BMW dabei, mit dem ein 17-Jähriger ohne Führerschein im Oktober 2013 in Dersum von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. "Wir wollen sensibilisieren, was uns in Gesprächen mit den zahlreichen Interessierten auch gelingt", so Müßing. 

Diese Holzplakette bekam Jasmin Scheffelt als Siegerin des Landesentscheids der Autotuner ausgehändigt. Foto: Christian Belling



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