Kommentar Zum Prozess gegen die Meyer Werft: Endlich Antworten geben

Weil die Bugklappe der "Estonia" abriss, drang über die Fahrzeugrampe Wasser ins Innere. 852 Menschen starben.  Foto: AFPWeil die Bugklappe der "Estonia" abriss, drang über die Fahrzeugrampe Wasser ins Innere. 852 Menschen starben. Foto: AFP

Papenburg. Die Hinterbliebenen der "Estonia"-Opfer haben endlich Antworten verdient. Ein Kommentar.

Dass die Schuldfrage der größten europäischen Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit auch 25 Jahre noch immer nicht geklärt ist, ist unerträglich. Leicht(fertig) lässt sich dabei auch mit dem Finger auf die Papenburger Meyer Werft zeigen, wo die Unglücksfähre „Estonia“ einst gebaut wurde. Doch das allein greift zu kurz.

Vielmehr müssen sich die skandinavischen Behörden fragen lassen, ob sie in Sachen Ursachenforschung tatsächlich alles getan haben. Warum beispielsweise verweigern sie sich bis heute einer Bergung der Fähre, die eine genauere Untersuchung ermöglicht hätte? Warum verschwand ein für die damaligen Gutachter wichtiges Beweisstück, als der bereits geborgene Sicherungsbolzen für das abgerissene Bugvisier von einem Helikopter aus zurück in die Ostsee geworfen wurde? Und ist grundsätzlich nicht der Eigner für den Zustand des Schiffes verantwortlich, das er seit Jahren betreibt? Immerhin zahlte die damalige estnisch-schwedische Reederei 130 Millionen Euro Entschädigung.

Klar muss aber auch sein: Sollten die Papenburger Schiffbauer tatsächlich mitverantwortlich für den grauenvollen Tod von 852 Menschen sein, müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden. Die Toten macht das nicht wieder lebendig, aber die Angehörigen der Opfer haben nach jahrzehntelangem juristischen Tauziehen endlich Antworten verdient. 


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