Zweiter Landwirt zum Umzug bereit Entsteht 400-Betten-Hotel unweit der Papenburger Meyer Werft?

Von Micha Lemme und Daniel Gonzalez-Tepper

Auf diesem Areal südöstlich der Bokeler Straße gegenüber der Einfahrt zum Klöwerkamp (vorne) könnte das neue Hotel gebaut werden. Hier soll allerdings auch die verlegte Rheiderlandstraße entlang führen. Foto:  Micha LemmeAuf diesem Areal südöstlich der Bokeler Straße gegenüber der Einfahrt zum Klöwerkamp (vorne) könnte das neue Hotel gebaut werden. Hier soll allerdings auch die verlegte Rheiderlandstraße entlang führen. Foto: Micha Lemme

Papenburg. In den Planungen für das Industriegebiet Bokeler Bogen in Papenburg zeigt sich ein weiterer Landwirt bereit, seinen Hof im Erweiterungsgebiet aufzugeben und in südliche Richtung umzusiedeln. Das könnte den Weg frei machen für ein großes Hotel unweit der Meyer Werft, in dem bis zu 400 Menschen Platz finden könnten.

Der Stadtverwaltung liegt eine Anfrage für den Bau eines derartigen Hotels an der Bokeler Straße vor, teilte diese in der vergangenen Sitzung des Bauausschusses mit.

Zum Hintergrund: Der vom Papenburger Stadtrat 2014 beschlossene Bebauungsplan für den Bokeler Bogen setzt auf insgesamt 146 Hektar Industrie-, Gewerbe- und Hafengebiet sowie Ausgleichs- und Verkehrsflächen fest. Der Plan ist Teil des Hafenentwicklungskonzeptes 2025 der Stadt Papenburg. Vier Landwirte, die in dem Erweiterungsgebiet ansässig sind beziehungsweise waren, klagten im Jahr 2015 gegen den Bebauungsplan der Stadt. Im vergangenen Jahr war es der Stadt gelungen, einem ersten Landwirt 43 Hektar im Bereich des Hafenerweiterungsgebietes abzukaufen.

Bauausschuss stimmt Bebauungsplan zu

Nun könnte ein zweiter Landwirt folgen. Dieser sei bereit, das Gebiet zu verlassen und seine Flächen, die südlich der Rheiderlandstraße zwischen Ems-Seiten-Kanal und der Bahnlinie liegen, an die Stadt zu verkaufen, heißt es in einer Sitzungsvorlage für den Ausschuss. Der Landwirt plant demnach, an den südlichen Teil der Waldstraße, angrenzend zur Bahnlinie, umzuziehen. Hier wolle er einen Legehennenstall errichten, laut Vorlage für bis zu 24.000 Tiere (bei Bio-Zertifizierung weniger). Die dafür notwendigen Flächen habe er bereits gekauft.

Um das neue Vorhaben umzusetzen, brachte der Bauausschuss den notwendigen Bebauungsplan mehrheitlich auf den Weg „Die Hauptintention ist es, dem Landwirt ein Signal zu senden, dass wir die Verlegung unterstützen“, sagte Christian Strentzsch, Fachdienstleiter in der Stadtverwaltung.

Neues Hotel im Hafenerweiterungsgebiet?

Der Ausschuss beschäftigte sich in einem weiteren Tagesordnungspunkt mit dem Bokeler Bogen. Denn südöstlich der Bokeler Straße etwa in Höhe der Straße Klöwerkamp (früher Hofer Weg) plant ein Investor den Bau eines Hotels mit einer Kapazität von bis zu 400 Betten. In unmittelbarer Nähe zur Meyer Werft sollen "Unterkunftsmöglichkeiten für Personal von Subunternehmen aus den Bereichen Industrie, Handwerk und Gartenbau, aber auch für Touristen entstehen", heißt es in der Vorlage. Die Verwaltung unterstützt das Vorhaben, weil sie einen "weiter wachsenden Bedarf im Bereich der Übernachtungsmöglichkeiten" in der Stadt sieht und es im Stadtgebiet "ein begrenztes Angebot" gebe.

Dass insbesondere günstige Hotelbetten in der Stadt fehlen, zeigt die Tatsache, dass die Meyer Werft bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der Firma Schulte & Bruns das Hotelschiff „Sans Vitesse“ nach Papenburg beordert hat, um Arbeiter unterzubringen. Die Stadt Papenburg bestätigte vor zwei Wochen, dass es konkrete Planungen und auch Anfragen von privaten Investoren gebe, neue Hotelbetten zu schaffen. Zu Details wie dem Standort machte die Stadt da noch keine Angaben. 

Unklar bleibt auch, inwiefern die Werft selbst an dem jetzigen Projekt beteiligt ist. Werftsprecher Peter Hackmann teilte mit: "Von unserer Seite gibt es nach wie vor keine Informationen – in Form von Zahlen, Daten und Fakten und/oder Entscheidungen." Das gelte auch für andere Vorhaben im Bokeler Bogen.

Bedenken des Landkreises

Die Vorlage wurde von der Verwaltung kurzfristig zurückgezogen. Denn genau am Standort des Hotels soll die Rheiderlandstraße nach Verlegung herführen; auch eine Zufahrt von und auf die Bokeler Straße ist an dieser Stelle geplant.

Stadtbaurat Jürgen Rautenberg berichtete von Bedenken, die der Landkreis Emsland aufgrund der verkehrlichen Lage geäußert habe. Das erhöhte Verkehrsaufkommen könne sich problematisch darstellen. „In dieser Form kann die Vorlage nicht beraten werden. So kommt der Standort nicht in Betracht“, sagte Rautenberg.


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