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Wasserstand der Ems als Ursache Meyer Werft verschiebt Überführung der "Spectrum of the Seas"

Von Christoph Assies und Daniel Gonzalez-Tepper

Bleibt noch eine Nacht: Die "Spectrum of the Seas" an der Meyer Werft. Foto: Christoph AssiesBleibt noch eine Nacht: Die "Spectrum of the Seas" an der Meyer Werft. Foto: Christoph Assies

Papenburg. Die Überführung des Kreuzfahrtschiffes "Spectrum of the Seas" von der Papenburger Meyer Werft über die Ems in Richtung Nordsee wird verschoben. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Betreiber des Emssperrwerkes und die Werft haben sich jetzt zu den Gründen geäußert.

"Grund für die Verzögerung sind die hohen Oberwasserzuflüsse in der Ems", teilte Achim Stolz, Sprecher des NLWKN in Norden, am Dienstagnachmittag mit. Vereinfacht gesagt: Es hat in den vergangenen Tagen und Wochen in der gesamten Region zu viel geregnet, dadurch ist der Wasserdruck in der Ems zu groß. 

>> Liveticker: Emsüberführung der „Spectrum of the Seas“

Dabei waren die Tore des Emssperrwerkes bereits später als geplant geschlossen werden. Statt Montagabend 22 Uhr machte das Sperrwerk bei Gandersum erst am Dienstagvormittag die Schotten dicht. 

Stolz erklärt: Mit Hilfe des Emssperrwerkes bei Gandersum in Ostfriesland wird der für die Überführung notwendige Wasserstand von 2,7 Metern über Normalhöhennull hergestellt. Durch die starken Regenfälle der vergangenen Tagen mit entsprechenden Wasserständen in den Zuflüssen der Ems überschritt der Wasserstand der Ems allerdings erlaubte Höchstgrenzen, sodass das Emssperrwerk zwischenzeitlich wieder ein wenig geöffnet werden musste, um Wasser aus der Stauhaltung abzulassen. Dadurch war der Start der Emspassage der "Spectrum of the Seas" noch am Dienstagabend ausgeschlossen. "Auf Grund einer erneuten Lagebeurteilung am Dienstag wird die Schiffsüberführung um etwa zwölf Stunden verschoben", teilte Stolz weiter mit. 

Ursprünglich sollte die Emspassage am Dienstagabend um 19 Uhr in Papenburg beginnen. Die Abfahrt in Papenburg ist nun für 6 Uhr am Mittwochmorgen geplant. Die Passage der Dockschleuse im Papenburger Werfthafen ist für 7 Uhr geplant. Das Emssperrwerk bei Gandersum soll in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um kurz nach Mitternacht passiert werden. Im niederländischen Eemshaven wird die "Spectrum of the Seas" um 7 Uhr am Donnerstag erwartet.

Der weitere Zeitplan sieht nach Angaben der Meyer Werft wie folgt aus:

Mittwoch, 20. März 2019

  • etwa 6 Uhr: Leinen los an der Werft
  • etwa 6:30 Uhr: Schiff in Warteposition (Papenburg)
  • etwa 7 Uhr: Passieren der Dockschleuse (Papenburg)
  • etwa 13.30 Uhr: Passieren der Weener-Brücke (Weener)
  • etwa 18 Uhr: Passieren der Jann-Berghaus-Brücke (Leer)
  • etwa 22:15 Uhr: Ankunft Emssperrwerk (Gandersum)

Donnerstag, 21. März 2019

  • etwa 0:15 Uhr: Passieren des Emssperrwerks
  • etwa 1:15 Uhr: Emden
  • etwa 7 Uhr: Ankunft in Eemshaven (Niederlande)
Der Zeitplan der Emspassage der "Spectrum of the Seas" als Grafik. Quelle: Meyer Werft/Grafik/NOZ/Nabrotzky


Der Neubau der Meyer Werft ist das 38. Schiff, das seit 2002 mithilfe des Sperrwerks bei Gandersum überführt wird. 13 mal wurde das Bauwerk zum Sturmflutschutz geschlossen. Alle Angaben sind vorbehaltlich der Wind- und Wetterlage, der Wasserstände und somit ohne Gewähr. Zeitverschiebungen sind kurzfristig möglich. Der Luxusliner verließ am 24. Februar 2019 die Baudockhalle der Meyer Werft. 

(Weiterlesen: Daten und Fakten der "Spectrum of the Seas")

Die "Spectrum of the Seas" wird die Emsfahrt in Richtung Nordsee wieder rückwärts und mit Unterstützung zweier Schlepper zurücklegen. Diese Art der Überführung hat sich aufgrund der besseren Manövrierfähigkeit bewährt. 

Die Überführung des Schiffes wird nach Angaben der Meyer Werft erneut vom Team der Lotsenbrüderschaft Emden durchgeführt. Die Emslotsen haben auch in den Vorjahren die Schiffe der Werft überführt. Das gesamte Überführungsteam trainierte dieses Manöver am computergesteuerten Simulator in Wageningen (Niederlande), um so noch besser vorbereitet zu sein.

Platz für 4284 Passagiere

Das Kreuzfahrtschiff bietet Platz für 4.284 Passagiere. Wie die Schwesterschiffe Quantum of the Seas, Anthem of the Seas und Ovation of the Seas verfügt der jüngste Neubau über der gläserne North Star, den Surfsimulator Flow Rider sowie den Skydiving-Simulator Rip Cord. Neu ist ein Bungee-Trampolin am Heck des Schiffes, auf dem die Passagiere ein Virtual-Reality-Headset tragen, um in unterschiedliche Erlebniswelten einzutauchen. 

Die Meyer Werft arbeitet derweil noch an zwei weiteren Kreuzfahrtschiffen, die noch in diesem Jahr abgeliefert werden: Im Baudock I ist der Bau der Spirit of Discovery für die britische Reederei Saga Cruises bereit in der Endphase, im Baudock II entsteht die Norwegian Encore, die im Herbst 2019 fertiggestellt wird. Die Papenburger Schiffsbauer haben derzeit ein Auftragsvolumen von zwölf Kreuzfahrtschiffen. Dieses Auftragsbuch reicht bis Ende 2023. 

Foto: Meyer Werft

(Weiterlesen: Die zehn größten Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft)


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