Kooperation mit der Uni Groningen Neue Potenziale für Firmen aus Papenburg und Dörpen

Vertreter der Ökonomie aus Papenburg und Dörpen konnten sich auf einer Tagesreise ein Bild von den Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität Groningen machen. Foto: Micha LemmeVertreter der Ökonomie aus Papenburg und Dörpen konnten sich auf einer Tagesreise ein Bild von den Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität Groningen machen. Foto: Micha Lemme

Groningen. Etwa 30 Wirtschaftsvertreter aus Papenburg und Dörpen haben bei einem Besuch der Universität Groningen die Potenziale einer Kooperation von Ökonomie und Wissenschaft ausgelotet. Von beiden Seiten wurde die Bereitschaft signalisiert, in Zukunft enger zusammenarbeiten zu wollen.

„Ich sehe enorm viel Potenzial in der Kooperation mit den Unternehmen im nördlichen Emsland“, brachte Peter van Kampen die Grundidee der Tagesreise in die niederländische Studentenstadt zum Ausdruck. Van Kampen ist stellvertretender Direktor der University of Groningen North West Germany (UGNWG) und strebt gemeinsam mit UGNWG-Direktor Harald Orfgen eine engere Verbindung und Vernetzung mit der Region an.

Hochmodern und transparent: Das zentrale Gebäude auf dem Campus in Groningen macht Eindruck. Foto: Micha Lemme


„Wir könnten unser Wissen gemeinsam nutzen. Wir müssen einfach nur miteinander sprechen und unsere Ideen und Kompetenzen austauschen“,  erläuterte van Kampen seine Idealvorstellung.

Bereitschaft der Unternehmen ist gefragt

Ähnlich argumentierte auch Jouke die Vries, Präsident der Uni Groningen, in seiner Willkommensrede: „Ich sehe es als meine Aufgabe an, unsere Universität besser in Nordwestdeutschland zu vernetzen. Wir brauchen uns gegenseitig und wenn wir es gemeinsam angehen, verfügen wir über ein enormes Potenzial.“ Damit diese Vorstellung, dieses Potenzial in Zukunft verwirklicht werden kann, braucht es jedoch Unternehmen aus der Region, die den Schritt hin zu einer Zusammenarbeit mit einer ausländischen Hochschule gehen.


„Häufig sind kulturelle Unterschiede die Ursache dafür, dass Kooperationen und Zusammenschlüsse scheitern.“ Susanne Täuber, Wirtschaftswissenschaftlerin


Ein Hindernis auf diesem Weg könne die Sprachbarriere darstellen, erklärte die Wirtschaftswissenschaftlerin Susanne Täuber in einem Vortrag. Doch es gebe noch weitere Faktoren, die eine Vernetzung erschweren können: „Häufig sind kulturelle Unterschiede die Ursache dafür, dass Kooperationen und Zusammenschlüsse scheitern.“ Als Beispiel nannte Täuber Forschungsergebnisse einer Studie zur Integration des niederländischen und deutschen Militärs. „Wenn der Kommandant eine Anweisung gibt, ist das in den Niederlanden der Anfang einer regen Diskussion; in Deutschland ist das Ende“, erklärte sie mit einer Spur Ironie.

Spannende Einführung in die Isotopenforschung

Neben theoretisch geprägten Reden erhielten die Gäste aus Deutschland auch Einblicke in die Forschungspraxis der Uni Groningen. Harro A.J. Meijer, Direktor des Instituts für Energie und Nachhaltigkeit, führte ins Feld der Isotopenforschung ein.

Professor Harro A. J. Meijer offenbarte interessante Einblicke ins Forschungslabor. Foto: Micha Lemme


Bei einem spannenden Vortrag und einem Rundgang durch das Untersuchungslabor zeigte er den Besuchern, in welchen Bereichen die sogenannte C14-Methode, ein Verfahren zur Datierung von kohlenstoffhaltigem Material, Anwendung findet – etwa bei der Untersuchung des Energiehaushalts von Vögeln oder bei der Ermittlung der Qualität von Rotwein.

Foto: Micha Lemme


Die praktische Umsetzung von wissenschaftlich-technologischen Ideen konnten die Besucher im Mechanik-Zentrum der Uni Groningen nachvollziehen. Im Fachbereich „Formation control“ wird den Studenten die Möglichkeit geboten, sich und ihre Projekte auszuprobieren. Ein Student zeigte den Gästen aus dem Emsland, wie sich eine Gruppe von vier mechanischen Fahrzeugen mithilfe von Laser-Erkennung und QR-Kodierung an einem selbst gesteuerten Hauptfahrzeug orientiert. Auch die Gäste durften sich per Fernbedienung ausprobieren und die Roboter-Formation steuern.

Foto: Micha Lemme


Drei zentrale Akteure: Unternehmen, Bildung und Politik

In einem weiteren Vortrag zeigte Jan Post, Professor für digitale Fabrikation, auf, welche Innovationsmöglichkeiten im Bereich der „Smart Industry“ und der digitalen Ökonomie stecken. Erik Heeres, Spezialist im Bereich Biotechnologie und der energetischen Verwertung von Biomasse, sagte, man sei „sehr offen für Kollaborationen in vielen Bereichen des Ingenieurwesens“. In seiner Präsentation warf er ein Schaubild an die Wand, das die drei zentralen Akteure einer förderlichen Kooperation zusammenbrachte: Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie Politik und Verwaltung.

Verwaltung will als Vermittler fungieren

„Dieses Bild hat eigentlich sehr gut gezeigt, was wir uns in diesem Bereich vorstellen“, sagte Sabrina Wendt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Papenburg. In Zusammenarbeit mit Heinz-Hermann Lager, 1. Gemeinderat der Samtgemeinde Dörpen, organisierte sie die Tagesreise für die lokalen Unternehmer, unter denen viele Vertreter des Wirtschaftsforums Papenburg waren.

„Wir bieten diese Fahrten weiterhin für Firmen an. Auch kleinere Unternehmen können das Programm auf jeden Fall für sich nutzen – etwa in spezialisierten Führungen.“ Man wolle als Ansprechpartner und Vermittler auftreten, um die Region stärker mit der Universität in Groningen zu vernetzen. Und wie die ersten Kontaktaufnahmen während der Tagesreise zeigten, scheint dieses Unterfangen durchaus auf positive Resonanz zu stoßen.

Bereits seit mehreren Jahren kooperiert die Uni Groningen mit dem Marien-Hospital Papenburg Aschendorf. Die medizinischen Studenten absolvieren in der Fehnstadt mehrmonatige Praktika und sammeln wichtige praktische Erfahrungen. Im Gegenzug erhofft man sich, neue Mediziner für die Region gewinnen zu können.


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