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Missverständnis um Whatsapp-Nachricht "Giftbriefe" im Emsland: Was wirklich dahintersteckt

Mirco Moormann und Gerd Schade

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Wie die Polizei mitteilt, war die Whatsapp-Nachricht über Giftbriefe in Papenburg und Dörpen ein Versehen. Foto: Archiv/Kaiser/dpaWie die Polizei mitteilt, war die Whatsapp-Nachricht über Giftbriefe in Papenburg und Dörpen ein Versehen. Foto: Archiv/Kaiser/dpa

Papenburg. Der Fall einer Whatsapp-Sprachnachricht über vermeintliche Giftbriefe, die in Papenburg und Dörpen im Umlauf sein sollen, fußt auf einem Missverständnis. Um Post geht es aber trotzdem, genauer gesagt um Drogensendungen. Das bestätigte die Polizei.

Die Whatsapp-Sprachnachricht hatte in dieser Woche für viel Wirbel gesorgt. In der 84-sekündigen Botschaft warnte eine Frauenstimme vor Giftbriefen, die angeblich in Papenburg und Dörpen verbreitet würden. Die Polizei habe laut Botschaft bestätigt, dass sich in den Umschlägen ein mit Gift getränktes Papier befunden habe. Die Beamten bestätigten dies jedoch nicht, im Gegenteil. Sie warnten eindringlich vor Fakenews und beklagten, dass „jemand mit den Sorgen der Bevölkerung spielt“.

Sachverhalt missverständlich aufgeschnappt

Inzwischen hat sich die Verfasserin der Nachricht bei der Polizei gemeldet. Offenbar hatte sie einen Sachverhalt über unzustellbare Postsendungen missverständlich aufgeschnappt. Demnach existieren sehr wohl zahlreiche Sendungen. Dabei handelt es sich aber nicht um Giftbriefe, sondern um Rückläufer von Drogenpäckchen. Das Versenden von Post mit Rauschgift wie Kokain oder aber illegale Arzneimitteln ist im Grenzgebiet zu den Niederlanden offenbar weit verbreitet. Der Sprecher der Polizeiinspektion (PI) Emsland/Grafschaft Bentheim, Dennis Dickebohm, spricht auf Nachfrage unserer Redaktion von einem „gigantisch hohen Dunkelfeld“. Sehr regelmäßig landen die Rückläufer nach seinem Worten bei der Polizei.

Die Drogenpäckchen werden unter anderem von organisierten Banden aus dem Nachbarland und über das sogenannte Darknet verschickt. Als Absender werden allerdings Adressen von Firmen im Emsland oder der Grafschaft Bentheim missbraucht, gelegentlich sind es auch Privatadressen. Wenn die Päckchen dort als Retourensendungen landen, werden sie von den Firmen bei der Polizei abgegeben.

Rasch verbreitet

So sei es auch in dem Fall gewesen, der letztlich die falsche Sprachnachricht nach sich gezogen hatte. Wie Dickebohm bestätigt, hatte in Aschendorf eine dieser Postsendungen nicht zugestellt werden können. Die Empfängerin, die den Brief nicht abgeschickt habe, sei misstrauisch geworden und zur Polizei gegangen. Dort habe man festgestellt, dass sich Drogen in dem Brief befunden haben, so Dickebohm.

Diesen Sachverhalt habe die Verfasserin der Nachricht, die die Empfängerin des Briefs kennt, in einen falschen Zusammenhang gestellt, erklärt der Polizeisprecher. Aus den Drogen sei dann Gift geworden. Die Sprachnachricht habe die Frau an etwa 20 Nachbarn verschickt. So habe sich die Nachricht per Whatsapp schnell ausgebreitet. Rasch sei die Zahl der Empfänger auf etwa 1000 gestiegen.

Was das seit Jahren weitverbreitete Versenden von Drogenpäckchen in der Region betrifft, sei die Rückverfolgung zu den tatsächlichen Absendern sehr schwierig, sagt Dickebohm und spricht von „Sisyphus-Arbeit“. Eine genaue Zahl der Vorfälle könne er nicht beziffern, so der Polizeisprecher.


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