Förderbescheid übergeben Dorfentwicklung in Rhede: Chancen auch für Privatleute

Über den Förderbescheid für die Gemeinde Rhede und ihre Ortsteile freuen sich (von links) Hermann-Josef Gerdes, Gerd Conens, Norbert Wencker, Sylvia Backers und Stefan Wilkens. Foto: Gerd SchadeÜber den Förderbescheid für die Gemeinde Rhede und ihre Ortsteile freuen sich (von links) Hermann-Josef Gerdes, Gerd Conens, Norbert Wencker, Sylvia Backers und Stefan Wilkens. Foto: Gerd Schade

Rhede. 2017, 2018, 2019: Im dritten Anlauf ist die Einheitsgemeinde Rhede mit ihren Ortsteilen Brual, Brual-Siedlung, Neurhede und Borsum ins Dorfentwicklungsprogramm des Landes aufgenommen worden. Mehr als 20 Jahre nach Abschluss der Dorferneuerung ergeben sich damit neue Fördermöglichkeiten – auch für Privatleute.

Dreimal ist Bremer Recht heißt eine beliebte Redensart in der Hansestadt. Den Spruch dürfen sich nach zunächst zwei vergeblichen Bewerbungsrunden nun auch die Rheder auf die Fahnen schreiben.

Als die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) kurz vor Weihnachten verkündete, welche Orte 2019 neu in das Programm aufgenommen werden, war Rhede unter den landesweit 19 Neulingen als einzige emsländische Kommune dabei. Laut Ministerium sind damit nun 275 Dorfentwicklungsverfahren mit insgesamt 833 Dörfern im Programm. „Wir brauchen attraktive Dörfer, in denen man leben und arbeiten kann“, hatte Otte-Kinast beim „5. Niedersächsischen Tag der Landentwicklung“ in Nienburg betont.

Bürger sind gefragt

Ähnlich äußerten sich Vertreter des Amtes für Regionale Landentwicklung (ARL) Weser-Ems bei der offiziellen Übergabe des Förderbescheides an Bürgermeister Gerd Conens (parteilos) und seinen Allgemeinen Vertreter Hermann-Josef Gerdes im Rheder Rathaus. „Der Gesamtrahmen steht. Jetzt sind die Dorfgemeinschaften aufgefordert, gute Projekte und Konzepte zu entwickeln“, sagte ARL-Dezernatsleiter Norbert Wencker. Dabei seien Jung und Alt gleichermaßen aufgefordert, sich aktiv einzubringen. „Die Ideen müssen aus der Bevölkerung kommen. Davon lebt die Dorfgemeinschaft“, fügte Stefan Wilkens (ARL) hinzu.

ARL-Dezernatsteilleiterin Sylvia Backers wünscht sich, dass sich vor allem junge Menschen beteiligen. Schließlich gehe es darum, Konzepte und Projekte zu entwickeln, deren Umsetzung gesellschaftliche Strukturen stabilisieren sollen und das dörfliche Zusammenleben für mehrere Jahre prägen würden. Dabei machten die Gesprächsteilnehmer deutlich, dass es nicht nur um Bauvorhaben geht. Auch soziale beziehungsweise identitätsstiftende Projekte seien möglich.

Nicht vorgreifen

Wie die konkret aussehen können? Da möchte die Gemeindeverwaltung nicht vorgreifen. „Ideen gibt es genug“, sagte Gerdes. Aber zunächst seien die Bürger gefragt. Dazu solle es Arbeitskreise geben – ähnlich denen, wie sie beispielsweise die Bürger in Brual und Neurhede für die Umsetzung des Emsland-Dorfplanes gebildet hatten. „Da sind wir schon auf einem guten Weg und stehen nicht mehr am Anfang“, sagte Conens. Die ersten Termine für die neuen Arbeitskreise avisierte der Bürgermeister für die Zeit nach den Sommerferien. Zunächst wolle die Gemeinde ein externes Fachbüro mit der Begleitung des auf zehn Jahre (zwei Jahre Planung, sieben Jahre Förderung, ein Jahr Puffer zur Verlängerung) angelegten Entwicklungsprogramms beauftragen. Als ein mögliches Projekt deutete Conens eine Aufwertung der innerörtlichen Aufenthaltsstruktur zwischen den beiden Kirchen in Rhede an.

Einen finanziellen abgesteckten Gesamtrahmen gibt es nicht. Wie Wencker erläuterte ist es vielmehr so, dass sich die Rheder mit jedem einzelnen Projekt um eine Förderung bewerben müssen. Will heißen: Sie müssen sich mit Projekten aus den parallel laufenden Dorfentwicklungsverfahren im Land messen. „Die besten Projekte setzen sich durch“, sagte Wencker. Bei den Fördergeldern handelt es sich um Gelder aus dem Programm ZILE (Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung), das Mittel von EU, Bund und Land enthält.

Fördermöglichkeiten

Wie Backers erläuterte, können öffentliche Projekte mit bis zu 500.000 Euro gefördert werden. Bei privaten Vorhaben – beispielsweise für den Erhalt eines ortsbildprägenden Gulfhauses oder dessen Innenumbau zu Ferienwohnungen – sei eine Förderung in Höhe von bis zu 150.000 Euro möglich. Die maximale Förderquote betrage 30 Prozent, so Backers.

„Wir sind stolz und happy, dass wir in das Programm aufgenommen worden sind“, betonte Conens. Die Gemeinde habe in ihren Ortsteilen viel vor. Nicht aber jedes Projekt müsse „in Beton und Stahl gegossen“ werden.

Gerdes wertete die Zulassung in die Dorfentwicklung zusammen mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Kleinere Städten und Gemeinden“ als „außergewöhnlich für die ganze Einheitsgemeinde“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN