Verkehrsprävention Schilderungen tödlicher Unfälle gehen Schülern in Papenburg unter die Haut

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Im Wrack dieses Unfallwagens starb ein zweifacher Familienvater aus dem Landkreis Cloppenburg. Für das Präventionsprojekt wurde das zerstörte Auto auf die Bühne der Stadthalle gehievt.Fotos: Gerd SchadeIm Wrack dieses Unfallwagens starb ein zweifacher Familienvater aus dem Landkreis Cloppenburg. Für das Präventionsprojekt wurde das zerstörte Auto auf die Bühne der Stadthalle gehievt.Fotos: Gerd Schade

Papenburg. Das geht unter die Haut. Beim Verkehrspräventionsprojekt „Abgefahren – wie krass ist das denn?“ wird niemand geschont – weder optisch, noch akustisch. So war es auch bei der sechsten Auflage am Dienstag vor rund 700 Schülern der Jahrgangsstufen 11 aus Schulen in Papenburg und Sögel.

Bewusst drastisch, schonungslos und emotional zeichnen Polizisten, Feuerwehrleute, ein Rettungssänitäter und eine Notfallseelsorgerin Bilder des Grauens. Aus erster Hand schildern sie Einsatzszenarien tödlicher Verkehrsunfälle mit jungen Menschen im nördlichen und mittleren Emsland, wie sie sie buchstäblich hautnah miterlebt haben. Das ist nichts für schwache Nerven, wie sich auch diesmal in den Reihen der Zuschauer vom Gymnasium Papenburg, den Berufsbildenden Schulen Papenburg und dem Hümmling-Gymnasium Sögel zeigt.

Bei fast 140 Kilometern pro Stunde blieb die Tachonadel eines Autos stehen, in dem zwei junge Männer in Surwold starben. Foto: Gerd Schade


„Wir wollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das Führen eines Kraftfahrzeugs gefährlich sein kann“, erläutert der Leiter des Polizeikommissariates Papenburg, Robert Raaz, den Ansatz für das Gemeinschaftsprojekt von Polizei, Feuerwehren, Rettungsdiensten und Notfallseelsorge. „Unfälle passieren immer durch menschliches Fehlverhalten und müssen in einer Tragweite ihrer ganzen Grausamkeit nicht sein“, betont Raaz.

Für jedes Todesopfer wurde eine Kerze entzündet. Am Ende der Veranstaltung brannten zehn Kerzen. Foto: Gerd Schade


Wie dieses Grauen bis in seine Einzelheiten aussehen kann, wenn junge Menschen innerhalb eines Augenblicks aus dem Leben gerissen werden, schildern Rettungssänitäter Holger Hesener, die Notfallseelsorgerin Christel Lünnemann sowie die Feuerwehrleute Andreas Brak, Markus Reschke, Thorsten Bögemann und Hermann Kronner. Letzterer ist auch Polizist. Ihre drastischen Schilderungen lassen auch nach mehreren Jahren noch immer erschaudern.

Die tote Tochter im Arm

So bleibt es ergreifend, wie Lünnemann berichtet, wie ein Vater seine 16-jährige Tochter krampfhaft im Arm hält, nachdem sie direkt vor dem Haus der Familie von einem unter Drogen stehenden Autofahrer überfahren worden ist. Die Schwester der Toten hatte das Unglück durch das Küchenfenster mit angesehen. Der Unfallverursacher hat sich bis heute bei der Familie weder gemeldet, geschweige denn entschuldigt. Und doch wird mehrfach betont, dass es in keinem der geschilderten Unglücke um Schuldzuweisungen geht.

Notfallseelsorgerin Christel Lünnemann und der Verkehrssicherheitsberater der Polizei Papenburg, Gerd Müßing, ließen einen Luftballon zerplatzen, auf dem Klebezettel mit Lebensträumen der Schüler prangten. Foto: Gerd Schade


„Ich hoffe immer, dass mein Notfalltelefon nicht klingelt“, sagt Lünnemann. Wenn es das tut, bedeute es Tod, Leid und Trauer.


Eine Übersicht über Verkehrsunfälle mit Todesfolge im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Foto: Gerd Schade

Rettungssanitäter Hesener beschreibt, wie er eine 23-Jährige, die mit ihrem Auto auf der B 70 zwischen Dörpen und Lehe verunglückt ist, „beim Sterben erlebt“ hat. „Bitte helfen Sie mir! Ich bekomme schlecht Luft“, seien ihre letzten Worte gewesen, berichtet Hesener. Der Beifahrer sei bereits an der Unfallstelle verstorben, der Wagen habe sich regelrecht um einen Baum gewickelt. Der Kampf der Ärzte um das Leben der 23-Jährigen ging verloren. Am Ende sei „alles voller Blut“ gewesen.

Für den musikalischen Rahmen sorgte Ramona Bahls. Foto: Gerd Schade


Grausam eindrucksvoll bleiben auch die Schilderungen der anderen Einsatzkräfte. Rhedes stellvertretender Ortsbrandmeister Andreas Brak berichtet von der Bergung von zwei 18-Jährigen aus der Einheitsgemeinde, deren leblose Körper nur noch von den Sicherheitsgurten des Pkw gehalten werden, mit dem sie verunglückt sind. Als die Feuerwehrleute die Leichen bei winterlicher Kälte auf der Straße ablegen und mit weißem Tuch abdecken, steigt die aus den Körpern entweichende Wärme sichtbar auf. „Als wenn sie noch leben und atmen würden“, sagt Brak.

Rund 700 Schüler waren zu der Veranstaltung in die Stadthalle geströmt. Foto: Gerd Schade


Für jedes der insgesamt zehn Todesopfer, über die an diesem Vormittag berichtet wird, entzünden die Einsatzkräfte symbolisch eine Kerze. Für den musikalischen Rahmen sorgt Ramona Bahls. Vor ihrem Schlusssong („Geboren, um zu leben“ von Unheilig) kommt es buchstäblich zum großen Knall. Lünnemann und der Verkehrssicherheitsberater der Polizei Papenburg, Gerd Müßing, lassen einen Luftballon zerplatzen, auf dem Klebezettel mit Lebensträumen der Schüler prangten.


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