Berufungsverfahren um Drogen-Streit im Emsland Vergebliches Warten auf Angeklagte vor Landgericht

Der zweite Verhandlungstag im Berufungsverfahren lief schleppend. Symbolfoto: Michael GründelDer zweite Verhandlungstag im Berufungsverfahren lief schleppend. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Papenburg. Nicht so richtig in Gang kam der zweite Tag des Berufungsverfahrens am Landgericht Osnabrück gegen vier Angeklagte aus dem nördlichen Emsland, die einen Dealer in Meppen geschlagen und zur Herausgabe von Geld gezwungen haben sollen. Zwei der Männer blieben der Verhandlung ohne Angaben von Gründen fern, zusätzlich musste ein Zeuge wegen Krankheit absagen.

Insgesamt acht junge Männer hatten sich im Januar 2017 von Papenburg und Aschendorf aus auf den Weg nach Meppen gemacht, wo sie einen Dealer „abziehen“ wollten. Dem Vernehmen nach soll dieser von zweien aus der Gruppe Tage zuvor 300 Euro für die Beschaffung von Drogen erhalten, diese aber nicht geliefert haben. Für den Rachefeldzug teilten sich die jungen Männer, der älteste ist 21 Jahre, der jüngste 17 Jahre alt, in zwei Gruppen auf. Eine bestellte den Dealer unter dem Vorwand, Drogen kaufen zu wollen, zum Bahnhof in Meppen. Die andere sollte, wenn das Scheingeschäft abgewickelt werden sollte, dazukommen und den Dealer unter Druck setzen, damit er die 300 Euro wieder herausrückte.

Es war zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen. Dabei soll der Dealer mit Pfefferspray angegriffen und zu Boden geschlagen worden sein, wobei er eine Nasenverletzung erlitten hatte. Auf Verlangen händigte er den Angreifern 185 Euro aus. Ein Begleiter, der mit ihm zum Bahnhof gekommen war, erlitt einen Kieferbruch.

Das Amtsgericht Papenburg hatte die Täter wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung beziehungsweise räuberischer sowie gefährlicher Körperverletzung zu Jugendstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Vier von ihnen hatten dagegen Berufung eingelegt, die vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt wird.

Strafen vom ersten Verfahrenstag nun rechtskräftig

Am ersten Verfahrenstag hatten die Angeklagten Teilgeständnisse abgelegt, zum zweiten Tag erschienen aber nur noch zwei von ihnen. Nach mehr als halbstündiger Wartezeit verwarf die Kammer nach Beratung die Berufung der beiden fehlenden jungen Männer, sodass die in der Erstinstanz ausgesprochenen acht- beziehungsweise zwölf-monatigen Bewährungsstrafen nun rechtskräftig sind.

Da ein wichtiger Zeuge – der Polizeibeamte, der die Leitung der Vernehmungen der Angeklagten geleitet hat – wegen einer längeren Erkrankung nicht am Verfahren teilnehmen kann, war für diesen Tag nur eine weitere Zeugin, ebenfalls Polizeibeamtin, geladen. Sie teilte dem Gericht mit, damals von einer Passantin, die auf der nahe beim Bahnhof gelegenen Polizeiwache erschienen war, auf den Zwischenfall aufmerksam gemacht worden zu sein. Mit einem Kollegen war sie am Tatort erschienen und hatte die acht Männer in der zum Gelände gehörenden Unterführung angetroffen. „Sie sind nicht geflohen, nachdem ich sie zu mir gerufen hatte“, berichtete sie. Der Angegriffene habe aus der Nase geblutet, bei dessen Begleiter habe sie zu diesem Zeitpunkt keine Verletzungen registrieren können.

Entgegen der Behauptung der Angeklagten, sie hätten das mitgeführte Pfefferspray nicht eingesetzt, sagte die Beamtin, sie habe wohl Anzeichen dafür feststellen können. „Es war der typische Geruch vorhanden und ich habe an mir eine deutliche Reizung im Hals gespürt“.

Das Verfahren wird am 15. Februar fortgesetzt.

(Weiterlesen: Der erste Verhandlungstag im Berufungsverfahren)


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