Forderung des Philologenverbandes Härtere Abi-Noten? Das sagen die Schulleiter im nördlichen Emsland

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Der Lehrerverband will härtere Abi-Noten. Ihm steht zu oft eine 1 vor dem Komma. Foto: dpaDer Lehrerverband will härtere Abi-Noten. Ihm steht zu oft eine 1 vor dem Komma. Foto: dpa

Papenburg. Die Abiturnoten in Deutschland sind zu gut. Das meint der Deutsche Philologenverband und fordert eine strengere Bewertung in den Prüfungen. Ein Blick auf die Entwicklung der Abiturnoten gibt dem Verband zunächst recht, doch den Schulleitern im nördlichen Emsland greift die Forderung zu kurz.

Ingo van Verth ist Bezirksvorsitzender des Philologenverbandes Emsland/Grafschaft Bentheim. Für ihn ist das Thema der Abiturnoten nicht neu, vielmehr beobachte man schon seit einigen Jahren eine Tendenz in Richtung besserer Bewertungen. "Es ist eine politische Tendenz, dass höhere Abschlüsse und gute Noten als Erfolg verkauft werden", sagt van Verth. Es werde also mehr auf die Quantität der guten Noten als auf die Qualität der Ausbildung und damit der Schüler geachtet, meint der Lehrer. Das Problem liege seiner Meinung nach vor allem in den Unterschieden der Schulformen, also allgemeinbildenden Gymnasien und beruflichen.


So schlägt van Verth vor, dass nicht mehr an allen Gymnasien das gleiche Abitur erlangt werden kann. Dann könnte es an allgemeinbildenden Gymnasien die allgemeine Hochschulreife geben und an beruflichen Gymnasien eine fachgebundene. Generell fordert er, "die Qualität wieder viel stärker in den Fokus zu nehmen."

"Die Schlussfolgerung von einer höheren Zahl von sehr guten Abiturnoten auf sinkende Qualität erscheint mir genauso verkürzt zu sein wie die Gründe dafür auf unterschiedliche Schulformen zu beschränken."Manfred Rojahn, Schulleiter des Hümmling-Gymnasiums in Sögel
Manfred Rojahn, Schulleiter des Hümmling-Gymnasiums in Sögel, spricht sich für eine genauere Betrachtung aus. "Der Anstieg der Abiturnoten mit einer Eins vor dem Komma ist offensichtlich, auch im Emsland. Interessant ist aber auch, dass trotz dieser Entwicklung die Abi-Durchschnittsnote sich nicht in dem Maße verbessert hat. Das lässt darauf schließen, dass sich auch am anderen Ende der Notenskala etwas getan hat." Da genauer hinzuschauen und nach Ursachen zu fragen erscheint Rojahn mindestens so interessant und wichtig zu sein wie über steigende Einser-Abiturnoten zu lamentieren. Die Ursachen und Abhängigkeiten beider Entwicklungen müssten betrachtet werden und spiegelten die Situation an den Gymnasien umfassender wider. "Die Schlussfolgerung von einer höheren Zahl von sehr guten Abiturnoten auf sinkende Qualität erscheint mir genauso verkürzt zu sein wie die Gründe dafür auf unterschiedliche Schulformen zu beschränken", so der Schulleiter.
"Die Argumentation, dass eine strengere Bewertung, die möglicherweise zu einem anderen, insgesamt wohl schlechteren Notenbild führt, das Leistungsvermögen und damit die Studierfähigkeit steigert, halte ich für nicht unbedingt zielführend."Peter Peters, Schulleiter der BBS Papenburg

Auch Peter Peters, Leiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) Papenburg (Fachrichtung Technik und Wirtschaft), hält wenig von der Forderung des Philologenverbandes. "Die Argumentation, dass eine strengere Bewertung, die möglicherweise zu einem anderen, insgesamt wohl schlechteren Notenbild führt, das Leistungsvermögen und damit die Studierfähigkeit steigert, halte ich für nicht unbedingt zielführend."

Signifikante Notenunterschiede zwischen den an den BBS erzielten Abiturergebnissen und denen der allgemeinbildenden Gymnasien habe er in den vergangenen Jahren nicht feststellen können. "Im Gegenteil, unser Notendurchschnitt lag leicht unter dem der allgemeinbildenden Gymnasien. Mit den Abiturergebnissen sind wir aber sehr zufrieden", berichtet Peters. 

Mit den Profilfächern Gesundheit und Soziales, Wirtschaft und Technik würden die Berufsbildenden Schulen in Papenburg einen alternativen Weg zum Abitur anbieten. "Wir fördern damit die berufliche Orientierung und auch die Studierfähigkeit unserer Schüler.", macht der Schulleiter deutlich.

"Wir hatten im vergangenen Jahr zwei Schüler, die einen Schnitt von 1,0 im Abiturzeugnis hatten. Die beiden waren aber auch herausragende Schüler und hatten sich diese Leistungen hart erarbeitet.“Theo Hockmann, Schulleiter des Gymnasiums in Papenburg

Theo Hockmann, Schulleiter des Gymnasiums in Papenburg, sagt, dass es an seiner Schule nicht übermäßig viele Einser-Abis gibt. „Wir hatten im vergangenen Jahr zwei Schüler, die einen Schnitt von 1,0 im Abiturzeugnis hatten. Die beiden waren aber auch herausragende Schüler und hatten sich diese Leistungen hart erarbeitet.“ Die Anforderungen an die Schüler seien insgesamt angemessen und qualifizierten im ausreichenden Umfang für den Besuch einer Hochschule oder Universität. 

"Die Qualität einer Abiturnote muss also verlässlich sein, sagt aber nicht alles über den Menschen aus, der seinen Lebensweg nun vor sich hat."Michael Bloemer, Schulleiter des Mariengymnasiums in Papenburg

"Am Mariengymnasium bereiten wir unsere Schülerinnen bestmöglich auf das Zentralabitur vor, wobei uns die Qualität der Ausbildung sehr wichtig ist", teilt Schulleiter Michael Bloemer mit. Gleichermaßen werde versucht, die Schülerinnen zu befähigen, sich mit den Ansprüchen der für sie neuen Zeit vertraut zu machen. Dazu gehöre Bloemer zufolge in erster Linie, sich kritisch und selbstbewusst mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen, was wiederum nur möglich sei, "wenn man die Dinge durchschaut hat."

Die Qualität einer Abiturnote muss nach Auffassung des Schulleiters ein verlässlicher Baustein sein, der den angehenden Studierenden die nötige Sicherheit verleiht. "Dass diese Verlässlichkeit sich im Studium auch bewährt, ist die Rückmeldung zahlreicher Abiturientinnen des Mariengymnasiums. Die Qualität einer Abiturnote muss also verlässlich sein, sagt aber nicht alles über den Menschen aus, der seinen Lebensweg nun vor sich hat", so Bloemer.


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