Bauten bis zu 70 Jahre alt Papenburg muss in Schützanlagen in Kanälen investieren

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Die Schützanlagen im Kanalnetz von Papenburg sind in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Foto: Christoph AssiesDie Schützanlagen im Kanalnetz von Papenburg sind in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Foto: Christoph Assies

Papenburg. In Papenburg wird der Wasserstand in dem 29 Kilometer umfassenden Kanalnetz durch sogenannte Schütze geregelt. Diese Bauwerke sind teilweise bis zu 70 Jahre alt und müssen in den kommenden Jahren erneuert werden.

Wie Martin Daron vom Fachdienst Stadtentwässerung der Stadt Papenburg im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte, sei die Technik an den Schützanlagen an der Brinkschleuse in Höhe des Marien-Hospitals, bei der früheren Gaststätte van der Pütten und bei der Gaststätte Hilling am Mittelkanal sowie am Bethlehem-Kanal auf Höhe des Ferienparks Poggelpoel veraltet. "Wir müssen hier zu Regelung des Wasserdurchflusses noch von Hand ran." Nach der Erneuerung könnten die Anlagen elektronisch per PC gesteuert werden.

Mit sogenannten Platten- und Hubschützen wird der Querschnitt der Kanäle von einer senkrecht stehenden Platte gesperrt, wenn diese bis zum Grund des Kanals abgesenkt ist. Bei der Sperrung wird das Wasser auf einer Seite der Platte zu einem Oberwasser gestaut, das Druck auf die Platte ausübt und diese in Führungsnuten drückt.

Die Schützanlagen in Papenburg, wie hier am Mittelkanal, werden noch von Hand bedient. Unser Foto zeigt Martin Daron (links) vom Fachdienst Stadtentwässerung der Stadtverwaltung und Hermann Hillebrand vom Baumhof, der für die Bedienung der Anlagen zuständig ist. Foto: Christoph Assies

Das Wasser in Papenburg muss einen Höhenunterschied von rund 4,20 Meter zwischen Untenende und Obenende überwinden. Während der Sielkanal am Untenende auf 0,80 Meter über Normalhöhennull liegt, befindet sich das Obenende am Splitting auf fünf Metern über Normalhöhennull.

In den Kanälen wird im Winter der Wasserstand auf 3,30 Meter über Normalhöhennull und im Sommer auf 3,50 Meter über Normalhöhennull reguliert. "Den genauen Wasserstand kann auch jeder Bürger an den Pegellatten ablesen, die an den Schützanlagen angebracht sind", erklärt Daron. Im Winter gebe es einen niedrigeren Wasserstand im Vergleich zum Sommer, um auch tiefer gelegene Fläche abzutrocknen.

"Wenn wir die Schützanlagen geschlossen hätten, hätten wir bis zu 40 Zentimeter weniger Wasser in den Kanälen gehabt"Martin Daron zu den Auswirkungen des Sommers 2018 auf das Kanalnetz von Papenburg.


Der besonders warme Sommer mit vergleichsweise wenig Regen des vergangenen Jahres habe dazu geführt, dass auch in den Kanälen der Wasserstand  niedriger war, als normal. "Wenn wir die Schützanlagen geschlossen hätten, hätten wir vermutlich bis zu 40 Zentimeter weniger Wasser in den Kanälen gehabt", erklärt Daron. Im Sommer oft die einzige Quelle, damit Wasser in die Kanäle geführt wird, ist der Küstenkanal, dessen Wasserzufuhr über die Schützanlage am Forsthaus reguliert wird. 

Das Kanalnetz in Papenburg umfasst 29 Kilometer, die von der Stadtverwaltung unterhalten werden. Foto: Christoph Assies

Daron und Hermann Hillebrand vom städtischen Bauhof halten täglich die Wetterlage im Blick, um bei angesagten starken Regenfällen gerüstet zu sein. "Wenn viel Regen vorhergesagt ist, senken wir die Pegelstände vorsorglich ab", erklärt Daron. Er erinnert sich an einen Schauer, durch den bis zu 40 Liter pro Quadratmeter gefallen sind. "Das war im Juli 2018 und gerade an der Brinkschleuse vor dem Krankenhaus war es da schon sehr kritisch. Da hätte nicht mehr viel mehr Regen fallen dürfen, dann wäre der Hauptkanal ins Krankenhaus gelaufen", erinnert sich Daron. Etwa ein bis zweimal im Jahr komme es auch vor, dass  Hillebrand nachts aus dem Bett muss, um bei unverhofft starkem Regen dafür zu sorgen, dass die Papenburger Kanäle nicht über die Ufer treten.

Der wichtigste Kanal in der Stadt ist Daron zufolge in solchen Fällen ein sogenannter Ableiter-Kanal vom Bethlehem in Höhe des Ferienparks Poggenpoel. "Er ist Ende der 1970er Jahre entstanden und entlastet das Kanalnetz bei viel Wasser in Richtung Ems-Seitenkanal."

Nach Angaben von Martin Daron "der wichtigste Kanal in Papenburg": Der Ableiter vom Bethlehem-Kanal, der bei viel Wasser in Richtung Ems-Seitenkanal umleitet. Foto: Christoph Assies

Daron und Hillebrand hoffen, dass die Schützanlagen bald automatisch betrieben werden können. "Dann können wir das Stauvolumen optimal ausnutzen und angesichts von immer mehr Starkregenfällen und dem Klimawandel ist das für die Stadtentwässerung auch von großer Bedeutung", sagt Daron. 


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