Auf dem "Industrieforum Maritim" Neue Technologien: Papenburger Werft-Chef wirbt um Geduld

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Warb hinsichtlich neuer Technologien um Geduld: Tim Meyer, Geschäftsführer der Papenburger Meyer Werft. Auf dem „Industrieforum Maritim“ in Leer informierte er über die Anforderungen an den modernen Schiffbau. Foto: Christian BellingWarb hinsichtlich neuer Technologien um Geduld: Tim Meyer, Geschäftsführer der Papenburger Meyer Werft. Auf dem „Industrieforum Maritim“ in Leer informierte er über die Anforderungen an den modernen Schiffbau. Foto: Christian Belling

Leer/Papenburg. Mit der Zukunft des maritimen Sektors haben sich am Montagnachmittag rund 50 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden im Maritimen Kompetenzzentrum (Mariko) in Leer auseinandergesetzt. Tim Meyer, Geschäftsführer der Papenburger Meyer Werft, setzte den Fokus auf neue Technologien und die Konkurrenzsituation in der Kreuzfahrtbranche.

Zum „Industrieforum Maritim“ lud die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg in Kooperation mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium ein. „Der maritime Cluster in unserer Region ist Innovationstreiber für ganz Deutschland“, betonte IHK-Präsident Bernhard Brons in seiner Eröffnungsrede.

Mit der Zukunft des maritimen Sektors haben sich rund 50 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden im Maritimen Kompetenzzentrum in Leer auseinandergesetzt. Foto: Christian Belling

Der maritime Sektor nimmt nach seinen Worten eine hohe Bedeutung ein, sichert Arbeitsplätze und weist eine hohe Wertschöpfungstiefe auf. „Hier ist unsere kleine Region weltspitze“, so Brons. Doch Digitalisierung und neue Technologien würden große Herausforderungen darstellen. „Das Fahrwasser wird schwieriger.“ 

Werft-Geschäftsführer Meyer ging in seinem Vortrag auf die Anforderungen an den modernen Schiffbau ein. Dabei beschrieb er auch die aktuelle Situation auf dem Kreuzfahrtmarkt. „Die Restriktionen werden immer mehr. So wird in einigen Häfen bereits vorgeschrieben, mit welchem Kraftstoff ein Schiff einfahren darf.“

Kann vollständig mit Flüssigerdgas betrieben werden: Die in Papenburg gebaute AIDAnova. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Hinsichtlich neuer Antriebstechnologien steige die Sensibilität bei den Kunden. „Der Wert, der darauf gelegt wird, nimmt stetig zu.“ Mit der vor wenigen Wochen abgelieferten AIDAnova ist das weltweit erste Kreuzfahrtschiff in Papenburg gebaut worden, das vollständig mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden kann. „Es werden weitere LNG-Schiffe kommen, die Reeder haben Aufträge platziert“, berichtete Meyer. Doch ob ein Schiff mit Flüssigerdgas oder auf konventionelle Art betrieben wird, liege nicht in der Hand des Schiffsbauers. „Das entscheidet noch immer der Reeder.“

Entscheidend für den Ausbau neuer Technologien ist dem Geschäftsführer zufolge auch eine entsprechende Infrastruktur. Als Beispiel nannte er entsprechende LNG-Tankstellen an den Häfen. 

„Wir forschen ständig. Doch die Entwicklung braucht Zeit“Tim Meyer, Geschäftsführer der Meyer Werft

Hinsichtlich der Realisierung eines komplett emissionsfreien Schiffes warb Meyer um Geduld. „Wir forschen ständig. Doch die Entwicklung braucht Zeit.“ Wichtig sei bei allem Fortschritt zudem, die Mitarbeiter mitzunehmen. 

Meyer ging auch auf die aktuelle Konkurrenzsituation auf dem Kreuzfahrtmarkt ein. „Südkorea und China machen mir die meiste Sorge.“ An eine neue Werft in China seien bereits zwei Aufträge gegangen. „Sie haben auf dem Markt bereits Fuß gefasst.“ Der Druck Alternativmärkte zu finden, sei hoch.

Über die maritime Politik der Bundesregierung informierte Norbert Brackmann. Foto: Christian Belling

Norbert Brackmann (CDU), Maritimer Koordinator der Bundesregierung, teilte mit, dass im aktuellen Bundeshaushalt 68 Millionen an Fördermittel für den maritimen Sektor bereitstünden. „Die internationale Seeschifffahrt ist seit zehn Jahren in einer großen Krise.“ Auf einem immer schwieriger werdenden Markt könne Deutschland in Sachen Qualität punkten. „Wir können nicht die billigsten Produkte herstellen, aber die besten“, machte Brackmann deutlich. 

Er warb für eine gemeinsame europäische Position, um den „schwierigen Partnern“ in Südkorea und China Paroli bieten zu können. Zudem machte sich der Koordinator für einen Ausbau der Binnenschifffahrt stark. „Da ist noch reichlich Luft nach oben.“


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