400 Gäste auf Info-Abend in Papenburg Großes Interesse an Arztassistenten-Ausbildung im Emsland

Viele Fragen an die Experten hatten die gut 400 Zuhörer im Papenburger Arkadenhaus während des Info-Abends zur Arztassistenten-Ausbildung im Emsland. Foto: Christian BellingViele Fragen an die Experten hatten die gut 400 Zuhörer im Papenburger Arkadenhaus während des Info-Abends zur Arztassistenten-Ausbildung im Emsland. Foto: Christian Belling
Christian Belling

Papenburg. Sogar die Treppe musste als Sitzmöglichkeit im Papenburger Arkadenhaus herhalten: Auf großes Interesse ist am Donnerstagabend die Informationsveranstaltung zur Arztassistenten-Ausbildung gestoßen. Gut 400 Zuhörer ließen sich von Experten über den berufsbegleitenden Studiengang zum sogenannten Physician Assistant informieren, der im Oktober im Emsland starten soll.

Auffällig viele junge Besucher mit einem beruflichen Hintergrund als Kranken- oder Altenpfleger. Arzthelfer oder Physiotherapeut nutzen die Gelegenheit, um sich über Voraussetzungen für die Aufstiegsmöglichkeit zu erkundigen.

„Die Physician Assistants können eine große Stütze sein, um die ärztliche Versorgung auf dem Land sicherzustellen“, betonte Dr. Volker Eissing. Der Allgemeinmediziner aus Papenburg treibt das Vorhaben voran, den Studiengang ins Emsland zu holen. 

Alle vier Stunden ein Arzt weniger

Alle vier Stunden gibt es Eissing zufolge in Deutschland einen Arzt weniger. Viele seiner noch praktizierenden Kollegen seien zudem bereits in einem fortgeschrittenen Alter. „Wir brauchen die Assistenten, um Engpässe in der Versorgung zu überbrücken“, so der 58-Jährige.

Nach Angaben von Eissing bewegt sich der Physician Assistant (PA) auf beruflicher Ebene gesehen zwischen der Krankenschwester und dem Assistenzarzt. „Es geht darum, dass der behandelnde Arzt zur Entlastung Aufgaben an den Assistenten delegieren kann, ohne dabei die medizinische Gesamtverantwortung abzugeben.“

Was ein Physician Assistant darf und was nicht, hat die Bundesärztekammer klar definiert. Foto: Christian Belling

Was der PA darf und was nicht, hat die Bundesärztekammer klar definiert. So darf ein PA keine Erstdiagnose stellen, keine primäre Therapie einleiten und nicht eigenverantwortlich Medikamente verschreiben. 

Über den Arbeitsalltag eines Arztassistenten informierte Andrea Schomaker, die seit vier Jahren am Klinikum in Leer als PA arbeitet. Nach ihrer Ausbildung zur Arzthelferin in einer Augenarztpraxis nahm sie an der Hochschule in Rheine ein berufsbegleitenden Studium zum Physician Assistant auf. Dieses dauert in der Regel sechs Monate. Abitur ist keine Voraussetzung. Allerdings müssen die Bewerber einen medizinischen Beruf erlernt haben.

„Als PA ist ganz viel möglich“Andrea Schomaker, Physician Assistant am Klinikum in Leer

„Als PA ist ganz viel möglich“, erklärte Schomaker. Ihre Aufgaben in Leer umfasst unter anderem die Begleitung der Visite, die Assistenz während einer Operation, das Erstellen von Arztbriefen und Gutachten sowie das Fungieren als Ansprechpartner für Patienten, Angehörige und behandelndes Arzt- und Pflegepersonal. 

Ihr Vorgesetzter Dr. Thomas Lübbers, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie am Leeraner Klinikum, lobte die Entwicklung Schomakers. „Im Prinzip hat sie den Status einer Assistenzärztin.“ Er machte aber auch deutlich, dass es eine Unsicherheit gebe, was PA‘s zugetraut werden darf und was nicht.

Wertvolle Zuarbeit

Auch am Krankenhaus Ludmillenstift in Meppen kommen Physician Assistants zum Einsatz. Verwaltungsdirektor Wilhelm Wolken erklärte, dass diese wertvolle Zuarbeiten leisten würden. „Ein großer Diskussionspunkt ist aber noch wie vor die Frage nach der Delegation von Aufgaben.“

Möchte den Studiengang "Physician Assistant" ins Emsland holen: Dr. Volker Eissing, Allgemeinmediziner aus Papenburg. Foto: Christian Belling

Die Initiative von Allgemeinmediziner Eissing sieht eine Kooperation mit dem Meppener Ludmillenstift und der Steinbeis-Hochschule in Berlin vor. In dem Krankenhaus der Kreisstadt soll eine Außenstelle der Hochschule entstehen und etabliert werden. „Ich bin optimistisch, dass der erste Studiengang im Herbst starten kann“, so Eissing. 

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) unterstützt das Vorhaben. Wie Dieter Krott, KVN-Geschäftsführer der Bezirksstelle Aurich, während des Informationsabends mitteilte, braucht es für die Umsetzung allerdings noch die Ausarbeitung rechtlicher Grundlagen sowie die Zuarbeit der Krankenkassen.

Von Experten aus dem medizinischen Bereich ließen sich die Zuhörer über die Arbeit des Arztassistenten informieren. Foto: Christian Belling

Nach den Informationen der Experten nutzten zahlreiche Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Diese zielten außer Auskünften zu Studienvoraussetzungen und -inhalten auch auf Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsumfang ab.


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