DGB-Neujahrsempfang in Aschendorf Gewerkschafter fordert faire Arbeitsbedingungen

Von Birgit Waterloh

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Mehrdad Payandeh (links) war Festredner auf dem Neujahrsempfang des Kreisverbandes Nördliches Emsland des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Aschendorf. Grußworte sprachen der Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Anton Henzen (Mitte) und Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft. Foto: Birgit WaterlohMehrdad Payandeh (links) war Festredner auf dem Neujahrsempfang des Kreisverbandes Nördliches Emsland des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Aschendorf. Grußworte sprachen der Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Anton Henzen (Mitte) und Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft. Foto: Birgit Waterloh

Aschendorf. „Demokratie braucht ein soziales Fundament“, dafür sprach sich Mehrdad Payandeh, DGB Bezirksvorsitzender des Bezirkes Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, aus. Er war Gastredner auf dem Neujahrsempfang des Kreisverbandes Nördliches Emsland des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Heimathaus Aschendorf.

Mit einem besonderen Dank wandte sich Payandeh an die bundesweit mehr als acht Millionen Ehrenamtlichen, die sich um die Integration von Flüchtlingen bemühen. Payandeh selbst ist vor 33 Jahren ebenfalls als Flüchtling aus dem Iran nach Baden-Württemberg gelangt, wo er freundlich aufgenommen worden sei, betonte er. „Zwei Menschen haben mir dort ein Zuhause gegeben“, erinnerte er sich.

Payandeh versteht sich daher auch als Botschafter derjenigen, die trotz eines stressigen Alltags das Engagement aufbringen, mit Flüchtlingen zum Arzt zu gehen oder komplizierte Formulare auszufüllen. „Diese Menschen zeigen eine stille Art der Haltung gegen Rechts“, so Payandeh, der sie dazu aufforderte, auch mal laut zu werden.

Payandeh fordert faire Arbeitsbedingungen

Sozial, das bedeute aber auch, einer Arbeit unter vernünftigen Bedingungen nachgehen zu können, so der Gewerkschafter weiter. „Wir haben eine super Konjunktur, aber nicht alle profitieren davon“, beklagte er und prangerte unter anderem einen Missbrauch der 450-Euro-Jobs an. Nur noch knapp die Hälfte aller Beschäftigten in Niedersachsen werde durch einen Tarifvertrag geschützt. Als „moralisch verwerflich“ bezeichnete Payandeh, dass bei Werkverträgen häufig zwischen deutschen und Beschäftigten aus dem Ausland unterschieden werde.

Auftragsvergabe möglichst an lokale Unternehmen

Viele Arbeitgeber seien trotz voller Auftragsbücher häufig nicht bereit, gut bezahlte und tariflich abgesicherte Arbeitsplätze zu schaffen. Auch Kinder- und Altersarmut nehme zu. „Wenn wir es nicht mal bei einem Aufschwung schaffen, dass die Armut weniger wird, dann haben wir ein Problem“, machte Payandeh deutlich. Auch forderte er Kommunen dazu auf, bei der Vergabe von Aufträgen nicht immer dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben, sondern möglichst auf lokale Unternehmen zurückzugreifen. Dies komme den hiesigen Angestellten und letztlich der gesamten Gemeinde zugute.

Payandeh: Funktionierende Infrastruktur ist essenziell

Weiterhin verdeutlichte er, dass das Thema Wohnen von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung sei. „Wohnen ist mehr als ein Gebäude und schöne Natur“, sagte er. Im ländlichen Bereich sei eine funktionierende Infrastruktur essenziell, um junge Leute und auch Unternehmen vor Ort zu halten. Neben dem Breitbandausbau und funktionierenden Mobilfunknetzen sieht er auch deutlichen Bedarf beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Ein klares Bekenntnis zur Demokratie

Payandeh rief abschließend dazu auf, bei der im Mai anstehenden Europawahl ein klares Bekenntnis zur Demokratie zu zeigen. „Wir haben eine Verpflichtung denjenigen gegenüber, die dieses Land unter sehr viel schlechteren Startbedingungen nach dem Krieg aufgebaut haben“, sagte er.


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